Kopetz: Best policy für Biomasse

Pröll-Initiative: Europäischer Biomasse-Aktionsplan im Agrarministerrat

Wien (OTS) - "Energieversorgung ist ein Thema zunehmender Verunsicherung, und das nicht nur am internationalen Gasmarkt. Mittlerweile kann das jeder am eigenen Leib spüren", erklärt Dr. Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes anlässlich der laufenden Turbulenzen am Energiesektor. Ölheizer zahlen heuer mehr als doppelt so viel wie Holzheizer, die Spritpreise erreichen laufend Rekordhöhen, ein durchschnittlicher Wiener Haushalt muss ab März rund 5,1 Prozent mehr für Strom und sogar 17,2 Prozent mehr für Gas hinlegen. "Lebensminister Josef Pröll hat das einzig Richtige getan und gehandelt: Der kürzlich von der EU-Kommission verabschiedete Aktionsplan für Biomasse wird Ende Jänner im Agrarministerrat behandelt und damit ein deutliches Signal für eine Wende in der europäischen Energiepolitik gesetzt." Kopetz sieht eine riesige Chance in der raschen Umsetzung des Aktionsprogramms - sowohl für die krisengeschüttelte Landwirtschaft als auch für die Umwelt. "Österreich ist in vielen Bereichen Biomasseland Nummer eins in Europa und durch den Ratsvorsitz sitzen wir jetzt auch am "Drücker". Bleibt nur zu hoffen, dass die Ministerkollegen dem Vorbild Prölls folgen", so der Vorsitzende.

Europäische Zielvorgaben für Biomasse

Der Aktionsplan der Kommission sieht ein gewaltiges Potenzial in der Biomassenutzung: Bis 2010 könnten zu den derzeit in der Europäischen Union energetisch genutzten 69 mtoe (Millionen Tonnen Öläquivalent) bis zu 189 mtoe hinzukommen, bis 2020 rund 239 mtoe, bis 2030 sogar bis zu 316 mtoe. Die im vorgeschlagenen Handlungspaket geschnürten Maßnahmen sollen zumindest bis 2010 im Strombereich ein Zuwachs von 35 mtoe, im Wärmesektor 27 mtoe, im Verkehr 18 mtoe erreicht werden. Zusammen bedeutet das eine Zunahme um 80 mtoe auf insgesamt 149 mtoe.

Kurskorrektur der Europäischen Schwerpunktsetzungen

Für Kopetz geht es aber weniger um Zahlenvorgaben: "Die langfristige Zielsetzung für das europäische Energiesystem sollte in der möglichst weitgehenden Umstellung der europäischen Energieversorgung auf erneuerbare Energiequellen liegen. Daraus lässt sich als oberste Zielsetzung für die Biomasse ableiten: Die Biomasse soll den maximal möglichen Beitrag zur Versorgung Europas mit Endenergie bringen." In der Zielformulierung wurde dabei bewusst Endenergie und nicht Primärenergie als Maßstab angelegt. Denn: Bei der Umwandlung von Primärenergie (Öl, Kohle, Biomasse) zu Endenergie (Wärme, Strom, Treibstoffe) entstehen Verluste. Das oben formulierte Ziel bedeutet, dass es nicht nur darauf ankommt, möglichst viel Biomasse als Primärenergie bereitzustellen, sondern dass es auch darum geht, Verfahren zu wählen, die mit möglichst geringen Verlusten die Primärenergie in Endenergie umwandeln.

Nur so kommen wir zu einem effizienten, ressourcenschonenden Energiesystem und können unser Ziel erreichen. Im Hinblick auf das vorgeschlagene Ziel - maximaler Beitrag der Bioenergie zur Versorgung Europas mit Endenergie - gelten als Nebenbedingungen:

  • Minimierung der Umwandlungsverluste,
  • Maximierung der Energieerträge je Hektar sowie
  • Minimierung der Kosten.

Beiträge zur Endenergie je Flächeneinheit

In Zukunft wird die verfügbare Fläche der begrenzende Faktor für die Ausweitung der Energieproduktion aus der Land- und Forstwirtschaft sein. Daher ist es wichtig, die mögliche Energieproduktion je Flächeneinheit näher zu untersuchen. Diese Werte hängen einerseits von den pflanzenbaulichen Möglichkeiten ab, Stichwort: Hektarerträgen. "Daraus folgt, dass jedes Land entsprechende spezielle energiepolitische Maßnahmen entwickeln muss, die auf die Bedingungen der Pflanzenproduktion abgestimmt sind", erläutert der Biomasseexperte.

Zum anderen ist die Umwandlungstechnologie entscheidendn, Stichwort: Wirkungsgrad. Die gewonnene Endenergie ist bezogen auf die eingesetzte Primärenergie bei der Wärmeproduktion aus Hackgut oder bei der Herstellung von Biodiesel aus Rapsöl besonders hoch. Das Umwandlungsverhältnis beträgt hier im Durchschnitt zwischen 80 und 90 Prozent. Die geringste Ausnutzung der eingesetzten Primärenergie ergibt sich bei der Verstromung fester Biomasse ohne Wärmenutzung oder bei der Verstromung von Biomethan ohne Wärmenutzung. Hier ergeben sich Nutzungsgrade von lediglich 20 bis 35 Prozent.

Minimale Kosten

Im Vergleich zu den fossilen Energieträgern lässt sich also zusammenfassend Folgendes sagen:

  • Energie aus Biomasse zur Wärmeerzeugung ist deutlich billiger als die fossile Konkurrenz.
  • Treibstoffe aus Biomasse sind derzeit bei Rohölpreisen von 50 Dollar um etwa 20 bis 40 Prozent teurer als die fossilen Treibstoffe ohne Mineralölsteuer.
  • Die höchsten Unterschiede zu den Marktpreisen ergeben sich bei der Stromerzeugung aus Biomasse.

"Best policy" am Beispiel Österreich

Zusammenfassend kann unter Berücksichtigung Hektarerträge, Umwandlungsverluste und Produktionskosten gesagt werden, dass eine optimale Biomasse-Politik in erster Linie die Wärmeversorgung aus Biomasse forciert, da hier hohe Erträge je Hektar zu wettbewerbsfähigen Kosten erzielt werden. Unter den Produktions- und Kostenbedingungen in Österreich sprechen die angeführten Überlegungen dafür, im Treibstoffbereich Biomethan zu forcieren, weil hier die Ergebnisse je Hektar am günstigsten im Vergleich zu anderen Treibstoffvarianten sind. Eine schlechte Politik würde darin bestehen, die Stromerzeugung aus Biomasse ohne Wärmenutzung zu forcieren. Kopetz resümierend: "Es wäre daher wünschenswert, dass die Europäische Union stärker auf dieses Konzept des Nettobeitrages zum Energiesystem je Hektar zu günstigen Kosten setzt. Dies würde dazu führen, dass auch die Europäische Union stärker auf die Nutzung der Biomasse als Wärmequelle setzt und weniger die Stromerzeugung betont. So bieten die Erfahrungen der letzten Jahre Einsichten genug, um die europäische Biomasse-Politik im Sinne von mehr Effizienz und günstigeren Kosten weiterzuentwickeln.

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