Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Wien (OTS) - Gesamtschul-Pein

Jetzt tritt auch eine Wiener ÖVP-Stadträtin für die Gesamtschule ein. Und eine neue Studie empfiehlt die Einführung der Einheitsschule für die 10- bis 14-Jährigen.

Damit ist wohl alles klar. Oder doch nicht? Denn beide Informationen tragen die eigene Relativierung schon in sich. Die Wiener ÖVP ist schon seit langem ein Beispiel dafür, wie man bürgerliche Wähler vertreibt (die wählen zwar Schüssel, aber nur ungern dessen Wiener Parteifreunde). Wenn bürgerliche Eltern nun sehen, dass ihre einstige Partei für die Gesamtschule eintritt, dann werden sie sich in Wien nach einer anderen Partei umsehen (die Auswahl ist freilich bescheiden).

Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Daher sind sie mehrheitlich vehement gegen die Gesamtschule. Dies hängt ganz sicher mit dem gerade in Wien rapide ansteigenden Anteil an Immigrantenkindern zusammen. Eltern wollen ihre Kinder nicht in Klassen haben, die von Kindern anderer Muttersprache dominiert werden - auch wenn man ihnen das als Ausländerfeindlichkeit vorhält.
Die neue Schulstudie ist bei näherer Betrachtung ebenfalls sehr ernüchternd für Gesamtschulfans. Sie sagt nämlich klar und deutlich, dass Länder mit Gesamtschulen beim berühmten Pisa-Test im Schnitt keineswegs besser abschneiden als jene ohne eine solche. Nur gebe es in Gesamtschul-Ländern einfach weniger besonders gute und weniger besonders schlechte Schüler. Sie bewirkt also genau das, was man ihr immer nachgesagt hat (und was die zitierten Wiener Eltern offenbar schon immer gewusst haben): eine Nivellierung.
Eigentlich eine gewaltige Zumutung, wenn man Kindern die optimale Ausbildung verweigert, nur weil die alten Hauptschulen in Wien nicht imstande sind, Kinder mit meist kultur- und familienbedingten Defiziten gut auszubilden. Wir reden ständig von Forschung und Hochleistungsgesellschaft, halten aber Elitenbildung offenbar für etwas Böses. Weil‘s ideologisch stört, weil die Wiener ÖVP gern linke Thesen nachbetet, weil manchen Politikern die Anliegen der Eltern egal sind.

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