WirtschaftsBlatt Kommentar vom 12.1.2006: Die Post will vielen etwas bringen - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Als die heutige Post AG die ersten Zeitpläne für den Börsegang wälzte, hatte die Jahreszahl vorne noch eine 19, die Post kürzte sich mit PTA ab und einer der für die Post Zuständigen war Johannes Ditz als Vorstand der Post und Telekom Austria. Umwälzende Ereignisse gab es seit damals, auch internationale, auf die kein Postvorstand Einfluss nehmen konnte. Auch darum ist die Post bis heute nicht an der Börse, und die Postgewerkschaft sagt noch immer, dass das Unternehmen nicht börsefit sei.
Das macht stutzig und erlaubt die Frage, ob die Post vielleicht wegen der Gewerkschaft nicht reif für den Börsegang sei. Schon wird an Standortgarantien für Postämter bis 2009 gebastelt, schon werden Garantien für 25.000 Jobs ausgesprochen. Natürlich möchte man gern jeder Kleingemeinde ihr Postamt und jedem Postamt die dazugehörigen Briefträger gönnen, aber dann sollte man aufhören, über Post-Volksaktien zu philosophieren: Solche werden nicht daraus, es sei denn, man legt den Börsegang der gelben Post von vornherein auf einen legalisierten öffentlichen Nepp an.
Von aussen schreibt sich’s leicht - es besteht kein Zweifel, dass den Betreibern der Privatisierung ein Kunststück abverlangt wird. Das Prinzip der Halb-Privatisierung macht im Fall der Post Sinn, weil sie nachweislich öffentliche Aufgaben zu erfüllen hat, die nicht den Bedingungen der Tageskurse auf dem Finanzmarkt unterworfen werden dürfen. Aber kaum anerkennt man diese Notwendigkeit, ist schon das alte Kernaktionärs-Dilemma unter geändertem Namen virulent: Kann aus dieser Aktie dann noch etwas Richtiges werden?
Also gibt es nur einen Weg, das schier Unmögliche machbar erscheinen zu lassen: Die Post muss tatsächlich zeigen, dass sie samt ihren Auflagen konkurrenzfähig ist.
Das versucht sie zwar schon seit Jahren, aber gelungen ist es ihr bisher nicht, wobei wiederum die politischen Einflüsse eine Rolle spielen, die sich immer dann ergeben, wenn Unpopuläres zu tun ist. Warum sollte es bei den Postämtern anders sein als bei den Bundesheer-Kasernen, wobei die Post sogar den grossen Vorteil hat, dass sie ihre Serviceleistung verständlicher darstellen kann als eine Grossorganisation, die den Kauf von Abfangjägern mit der Leistung von Schneeschauflern, Katastrophen-
helfern und billigen Zivildienern untermauert. So gesehen wird es möglicherweise doch bald Postaktien geben, Heeresaktien aber erst wieder im Kriegsfall.

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