WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11.1.2006: Flughäfen: Es tut sich was in der Ostregion - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Der Flughafen Bratislava kommt also mit dem Flughafen Wien-Schwechat wahrscheinlich unter ein gemeinsames Dach. Das ist eine hervorragende Entscheidung in der Mini-Region der Twin-Citys Wien und Pressburg: Es wächst zusammen, was zusammengehört. Die beiden Flughäfen sind in ihrer Leistungskraft so unterschiedlich, dass es sich bei dem geplanten Deal nicht um die Vernichtung einer erstrebenswerten Konkurrenz handelt, sondern um alle Chancen, die in einer Kooperation mit verteilten Rollen liegen. Ein Flugdrehkreuz kann sich im internationalen Konkurrenzkampf in mehreren Angebotssparten gleichzeitig bewähren.
Die innerslowakische Opposition gegen das Projekt ist ein natürlicher Ausdruck innenpolitischer Gepflogenheiten. Zwar darf man in der Politik nie nie sagen, so dass ein Scheitern des Projekts noch nicht hundertprozentig auszuschliessen ist. Doch ist eine Opposition fast immer viel schneller und leichter beim Nein als bei überzeugenden Alternativen. Ein Konsortium um den Flughafen Köln/Bonn als Mutter für Bratislava? Nein danke.
Eigentlich bedarf es schon lange keiner Argumente zu Gunsten der jüngsten und künftiger EU-Erweiterungen. Da aber die österreichischen Gegner des europäischen Prozesses mit Sturheit von Gebetsmühlen-Anwendern an überholten Standpunkten festhalten, sei es erneut gesagt: Auch die umfassende Kooperation über die dünne österreichisch-slowakische Grenze hinweg wäre ohne den Beitritt der Slowakei zur EU nicht in Frage gekommen.
Das Beeindruckende an der geplanten Symbiose der benachbarten Flughäfen ist, dass damit alles Mögliche in Gang kommt. Auch vieles, das schon vor zehn oder zwanzig Jahren erledigt hätte werden sollen, wie etwa der Bau von zeitgemässen Strassen- und Bahnverbindungen zwischen Wien und Bratislava. Österreich hatte bereits die Anbindung des eigenen nationalen Flughafens an die City Wien per Bahn und per Schiene jahrelang verschlafen. Jetzt wacht es langsam auf, so dass das Jahr 2011 zum Jahr des infrastrukturellen Fortschritts in der noch immer ärmlichen Ostregion Österreichs werden könnte.
Wenn nun auch die ÖBB durch ihre Rail Cargo Austria in den slowakischen Güterverkehr einsteigt, passt auch das - sofern die ÖBB nicht am Ende ihr Defizit auch noch international vergrössert. Österreich liegt gut. Denn in Südosteuropa sollte es neuerdings heissen: Nicht nur, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sondern auch, wer besonders nah dran ist.

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