Weg vom Gas

Franz Fischler zum Weg in eine nachhaltige Energiezukunft

Wien (OTS) - "In der Auseinandersetzung um die russischen Erdgaslieferungen in die Ukraine wurde sehr schnell deutlich, wie sensibel und anfällig das europäische Energiesystem ist", resümiert Franz Fischler, Präsident des Ökosozialen Forums Österreich, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch. "Und wie sehr eine Abhängigkeit von Ressourcen auch eine politische Abhängigkeit bedeutet. Wir sind erpressbar." Wladimir Putin hat eindrucksvoll demonstriert, welche Macht Russland ausübt. "Schon heute ist der Bau russischer Pipelines nach China bereits beschlossene Sache", warnt Fischler, "es wird also sehr bald zu einer Konkurrenz um die schwindenden fossilen Ressourcen kommen - zwischen Europa und Asien und, noch schlimmer, innerhalb Europas. Das bedeutet ein wachsendes Risiko für die EU-25."

Umdenken tut Not

Der Ex-Agrarkommissar fordert ein Umdenken in der europäischen und in der österreichischen Energiepolitik. "Nachhaltige Energieversorgung heißt für mich: Versorgungssicherheit und Schutz der Umwelt zu wettbewerbsfähigen Bedingungen." Die energetische Nutzung von Erdöl und Erdgas erfülle diese Kriterien nicht: Die Krisenanfälligkeit nimmt zu und die Klimabelastung kein Ende. "Wir müssen in puncto Energieversorgung auf eigenen Beinen stehen", so Fischler. "Es wächst viel Energie auf unseren Feldern und in unseren Wäldern nutzen wir teilweise nicht einmal die Energie, die schon gewachsen ist, sondern lassen sie verfaulen."

Politik der Abhängigkeit

Das Beispiel Österreich illustriert, wie sehr uns die Abhängigkeit von Energieimporten Fesseln anlegt. Und tatsächlich wird die österreichische Abhängigkeit vom Erdgas immer stärker: In den letzten zehn Jahren hat der Gasimport um 45 Prozent zugenommen, allein die Steigerung seit 2000 beträgt 35 Prozent. Der Importpreis für Erdgas lag 1995 noch bei 6,30 Euro pro MWh, 2003 bei 11,80 Euro, im vergangenen Jahr bereits bei 17,90 Euro. In den letzten zwei Jahren ist der Gaspreis damit um 51 Prozent gestiegen, in zehn Jahren fast um das Dreifache! Eine Million österreichische Haushalte heizen derzeit mit Erdgas, und der im derzeitigen Entwurf zum Ökostromgesetz angepeilte Ausbau von Gaskraftwerken mit einer Leistung von 2000 MWel würde den Gasverbrauch um weitere 2,8 Milliarden m3 erhöhen.

Europäischer Aktionsplan für Biomasse

Die EU-Kommission hat die Chance erkannt, die erneuerbare Energieträger hier bieten können. "Europa muss seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überwinden", heißt es wörtlich in dem Dezember von der Kommission verabschiedeten Biomasse-Aktionsplan. Das Programm basiert auf drei Zielsetzungen: Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit. "Durch den verstärkten Einsatz von forst- und landwirtschaftlichen Rohstoffen in der Energiegewinnung kann die Importabhängigkeit von Öl und Gas massiv verringert werden", erläutert der Präsident des Ökosozialen Forums. Gleichzeitig wird die heimische Wirtschaft angekurbelt, wodurch besonders die ländlichen Regionen profitieren. Bis 2010 sollen durch den Aktionsplan 250.000 bis 300.000 neue Arbeitsplätze in der EU geschaffen werden. Und:
Biomasse verbrennt klimafreundlich, die möglichen CO2-Einsparungen werden von der Kommission auf 209 Millionen Tonnen jährlich geschätzt. Fischler: "Ich setzte große Hoffnungen in das Treffen der europäischen Landwirtschaftsminister, wo dank Josef Pröll der Biomasse-Aktionsplan jetzt auf der Tagesordnung steht. Auf europäischer Ebene muss vor allem die Forschung sowohl für die Produktion nachwachsender Rohstoffe als auch für nachhaltige Energie-nutzungssysteme forciert werden. Der Aktionsplan für Biomasse muss dann in den einzelnen Mitgliedsstaaten rasch umgesetzt werden und Österreich sollte gerade in der EU-Ratspräsidentschaft mit gutem Beispiel voran gehen."

Österreich muss Vorreiter sein

Die Kommission unterstützt ausdrücklich einzelstaatliche Aktionspläne: "Österreich muss in Sachen nachhaltiger Energie Vorreiter und Vorbild für die Europäische Union sein", fordert Fischler.

  • Der Bau von Häusern ohne Vollwärmeschutz dürfte nicht mehr genehmigt werden.
  • Als Nahziel sollten 500.000 Haushalte von der Zufuhr von Wärme unabhängig oder von Öl, Gas oder Elektroheizung auf Holzheizungen oder Fernwärme aus Biomasse umgestellt werden.
  • Der wasserwirtschaftliche Rahmenplan muss überarbeitet und die Prioritäten für den Ausbau der Wasserkraft neu gereiht werden.
  • Statt der Förderung von weiteren Gaskraftwerken sollten nur mehr Energieversorgungsanlagen, die zu keiner Steigerung der CO2-Belastung führen, gefördert werden.

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