Erneut Konfrontation zwischen Greenpeace und japanischer Walfangflotte in der Antarktis

Neuseeländische Studie belegt Sinnlosigkeit der japanischen Jagd.

Wien/Antarktis (OTS) - Das Greenpeace-Flaggschiff "Esperanza" hat
im Südpolarmeer erneut die japanische Walfangflotte aufgespürt. Schlauchbootfahrer, unter ihnen der Österreicher Erich Böhm, haben ihre Boote in dramatischen Manövern zwischen Harpune und die Zwergwale bugsiert, um den tödlichen Schuss auf die Tiere zu verhindern.

Dabei müssen die Umweltschützer so vor dem Bug der Harpunenboote kreuzen, dass die von den Greenpeace-Schlauchbooten versprühten Wasserneben den Harpunen-Schützen die Sicht auf den Wal nehmen. "Allerdings liegen schon wieder sieben tote Wale auf dem Deck des Verarbeitungsschiffes "Nisshin Maru", das die Meeressaeuger marktfertig zerlegt", berichtet Böhm. Die Walfänger machten auch wieder Jagd auf Wal-Mütter mit ihren Kälbern, da diese nicht so schnell fliehen können.

Das lange Sterben der von der Harpune getroffenen Tiere, während sie zum Verarbeitungsschiff gezogen werden, hat Greenpeace bei den ersten Aktionen vor Weihnachten dokumentiert. Das hat auch Böhm seelisch mitgenommen: "Ich denke, es geht den anderen wie mir. Wir muessen uns geistig darauf vorbereiten, was kommt. Vor der ersten Aktion konnten wir das nicht. Wir hatten keine Ahnung was uns erwartet."

Unterdessen zeigt eine neue Studie, wie überfluessig die Jagd der japanischen Fangflotte zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken ist. Eine durch den Umweltminister Neuseelands, Chris Carter, veröffentlichte Studie trägt die Argumente von Mitgliedern des wissenschaftlichen Komitees der Internationalen Walfangkommission (IWC) zusammen. Zum einen lägen für das Südpolarmeer bis heute keine in Übereinstimmung gebrachten Bestandsabschätzungen der verschiedenen Walarten vor. Niemand weiss also genau, wie viele Wale dort leben. Zum anderen sollen mit dem Abschussprogramm im Südpolarmeer Fragen geklärt werden, auf die es längst Antworten gibt. So soll nach Meinung der Japaner die vermehrte Tötung von Zwergwalen angeblich zur Erhoehung der Zahl an Blauwalen beitragen - eine These, die auf Spekulationen beruhe und wissenschaftlich als widerlegt gelte. Und der neuseeländische Report beschreibt, dass die Fragen zu zeitlichen und räumlichen Veränderungen der Wal-Bestände am besten über Biopsie, das heisst ueber die Entnahme kleiner Gewebeproben, zu klären seien. Für dieses Verfahren müssen die Tiere nicht getötet werden.

Trotz scharfer internationaler Proteste und wiederholter Aufrufe der Internationalen Walfangkommission (IWC) plant die Japanische Fischereibehörde heuer den Fang von 935 Zwergwalen und hat damit seine Fangquote seit dem letzten Jahr mehr als verdoppelt. Hinzu kommen zehn gefährdete Finnwale. Während der nächsten zwei Jahre sollen darüber hinaus weitere 40 Finnwale sowie 50 Buckelwale getötet werden. Finnwale sind nach Blauwalen die zweitgrößten Lebewesen unseres Planeten und stehen wie die Buckelwale auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.

"Unter dem Vorwand der Forschung der Japaner haben seit 1986 allein in der Antarktis ueber 10.000 Zwergwale ihr Leben gelassen", sagt Antje Helms, Meeresexpertin von Greenpeace in Österreich. "Und das, obwohl 1984 genau dort ein Schutzgebiet etabliert wurde, um die Erholung der Walbestaende unter dem Ausschluss der direkten Jagd beobachten zu koennen".

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Thomas Hohenberger, Pressesprecher, 0664-5308186
Dipl. Biol. Antje Helms, Greenpeace Meeresexpertin, 0664-2148952

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