Das New England Journal of Medicine veröffentlicht Ergebnisse der Phase III-Studie zu einem in der Entwicklung befindlichen Rotavirus-Impfstoff von Sanofi Pasteur MSD

Brunn am Gebirge (OTS) - Pentavalenter Rotavirus-Impfstoff verhindert 98 Prozent schwer verlaufender Rotavirus-Gastroenteritiden bei Kindern und verringert damit verbundene Krankenhauseinweisungen um 96 und Notfallbehandlungen um nahezu 94 Prozent

Ein pentavalenter oraler Lebendimpfstoff gegen Rotavirus-Infektionen der Typen G1, G2, G3, G4 und P1 [8] befindet sich in der Entwicklung von Sanofi Pasteur MSD. Er verhinderte in einer Phase III-Studie 98 Prozent der durch die Serotypen G1, G2, G3 und G4 hervorgerufenen schwer verlaufenden und 74 Prozent der pädiatrischen Rotavirus-Gastroenteritiden (PRG) jeden Schweregrades. Mit diesen Serotypen verbundene Krankenhauseinweisungen und Notfallbehandlungen reduzierten sich um 95,8 beziehungsweise 93,7 Prozent. Darüber hinaus verringerten sich durch den Serotypen G9 bedingte Krankenhauseinweisungen und Notfallbehandlungen um 100 Prozent. Die aktive Beobachtung zeigte kein erhöhtes Risiko einer Invagination (Einstülpung eines Darmabschnitts in einen anderen) im Vergleich zu Placebo, und der Impfstoff war gut verträglich. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse der Phase III-Studie (Rotavirus Efficiacy and Safety Study / REST) mit nahezu 70.000 Kindern, die in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht sind.

Die Rotavirus-Serotypen G1, G2, G3 und G4 treten meist in Verbindung mit P1 [8] auf und verursachen die Mehrzahl aller Rotavirus-Erkrankungen weltweit sowie 90 Prozent aller Rotavirus-Infektionen in Europa. Der gebrauchsfertige orale Impfstoff wurde zum direkten Schutz gegen diese G-Serotypen sowie gegen andere G-Serotypen in Verbindung mit P1 [8] einschließlich G9 entwickelt. Es handelt sich um einen pentavalenten Impfstoff, der die fünf Rotavirus Serotypen G1, G2, G3, G4 und P1 [8] enthält.

"Die pädiatrische Rotavirus-Gastroenteritis ist eine sehr häufige Krankheit und kann schwer verlaufen. In Europa ist sie ein Hauptgrund für die Krankenhauseinweisung von Kindern. Europäische Studien bestätigen, dass bis zu 50 Prozent der Gastroenteritis-bedingten Krankenhausaufenthalte von Kindern unter fünf Jahren auf Rotaviren zurückzuführen sind", so Professor Timo Vesikari, M.D., Studienleiter und Professor für Virologie an der Universität von Tampere, Finnland. "Die Ergebnisse der REST-Studie, eine der größten klinischen Studien in der Impfstoffgeschichte, zeigen, dass der Impfstoff hochwirksam in der Vermeidung von Rotavirus-Gastroenteritis bei Kindern, bezogen auf die im Impfstoff enthaltenen Serotypen, ist. Auch zeigte sich im Vergleich zu Placebo kein erhöhtes Risiko für eine Invagination. Überall auf der Welt können Kinder von der Impfung profitieren, da diese sie vor den Folgen dieser unberechenbaren, unvermeidbaren Krankheit schützt", so Vesikari weiter. Im Durchschnitt ist in Europa etwa eins von fünfzig Kindern bis zum Alter von fünf Jahren wegen einer Rotavirus-Gastroenteritis schon einmal ins Krankenhaus eingewiesen worden: In Finnland eins von 33 Kindern, in England eins von 38, in Deutschland eins von 45, in Schweden eins von 54 und in Spanien eins von 80 Kindern. Darüber hinaus sind Rotaviren eine Hauptursache für nosokomiale (im Krankenhaus erworbene) Gastroenteritiden bei Kleinkindern.

Die Pädiatrische Rotavirus-Gastroenteritis (PRG)

Weltweit sind Rotaviren bei Kindern die häufigste Ursache schwerer dehydrierender Durchfallerkrankungen.

Fast eine halbe Million Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich daran. Da Rotaviren hoch ansteckend und sehr resistent gegenüber ihrer Umwelt sind, gibt es bis heute keinen wirksamen Weg, die Rotavirus-bedingte Infektion zu verhindern. Im Alter zwischen zwei und drei Jahren infiziert sich nahezu jedes Kind. Bis zu einem Alter von fünf Jahren können Infektionen auch häufiger vorkommen, teilweise sogar mehrmals jährlich. Der Schweregrad einer Rotavirus-Erkrankung reicht von einer asymptomatischen Verlaufsform bis hin zu einer schweren dehydrierenden Gastroenteritis mit Todesfolge. Typische Symptome sind Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen und wässrige Durchfälle. Es gibt keine Möglichkeit, den Verlauf der Symptome und den Schweregrad der Erkrankung vorauszusagen. Eine vermeintlich harmlose PRG kann über Nacht lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Es gibt mehrere unterschiedliche Rotavirus-Serotypen, die gleichzeitig zirkulieren und je nach Land und Jahreszeit unvorhersehbar fluktuieren können. Jedoch verursachen die Rotavirus-Serotypen G1, G2, G3, G4 in Verbindung mit P1 weltweit die meisten Rotavirus-Erkrankungen und sind für mehr als 90 Prozent der Rotavirus-Infektionen in Europa verantwortlich.

Die REST-Studie

REST wurde als doppelblinde, randomisierte, placebo-kontrollierte Studie zwischen 2001 und 2004 durchgeführt. Mit nahezu 70.000 teilnehmenden Säuglingen ist sie eine der größten jemals durchgeführten Impfstoff-Studien. Elf Länder waren an der Studie beteiligt: Finnland, Schweden, Deutschland, Belgien, Italien, USA, Costa Rica, Guatemala, Jamaika, Mexiko und Taiwan. Etwa 40 Prozent der in die Studie eingeschlossenen Säuglinge kamen aus Europa. REST wurde so groß angelegt, dass aussagekräftige Ergebnisse zur Sicherheit des Rotavirus-Impfstoffes, besonders im Hinblick auf Invaginationen, erzielt werden konnten.

Der Impfstoff oder Placebo wurden den Säuglingen in einem 3-Dosen-Schema verabreicht. Die erste Dosisgabe erfolgte im Alter von sechs bis zwölf Wochen, die nächsten Dosen in vier- bis zehnwöchigen Intervallen. Insgesamt waren 68.038 Säuglinge in die REST Studie eingeschlossen -davon 34.035 in der Impfstoffgruppe und 34.003 in der Placebogruppe. Alle Säuglinge wurdenhinsichtlich schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (inklusive Invagination) kontinuierlich überwacht. Weiterhin wurde untersucht, ob der Rotavirus-Impfstoff die PRG-bedingten Krankenhauseinweisungen und Notfallbehandlungen reduzieren kann. Zusätzlich gab es im Rahmen der groß angelegten Untersuchung Sub-Studien zur allgemeinen Sicherheit und klinischen Wirksamkeit des Impfstoffes gegen PRG.

Wirksamkeit

Ein Teil der Studie mit insgesamt 5.673 Säuglingen, davon 2.834 in der Impfstoffgruppe und 2.839 in der Placebogruppe, untersuchte die klinische Wirksamkeit des Impfstoffes gegen PRG jeglichen Schweregrads und gegen die schwerste Verlaufsform von PRG im Hinblick auf die Serotypen G1, G2, G3 und G4. Im Vergleich zu Placebo verhinderte der Rotavirus-Impfstoff in dieser Untersuchung nach Gabe aller drei Dosen 98 Prozent der schweren und 74 Prozent jeglicher Verlaufsformen einer von den Rotavirus-Serotypen G1, G2, G3 und G4 verursachten PRG. Diese Daten beziehen sich auf die erste Rotavirus-Saison nach der Impfung. Gegenüber 51 Fällen in der Placebogruppe trat in der Impfstoffgruppe lediglich ein Fall von schwerer PRG auf.

Weniger Krankenhauseinweisungen und Notfallbehandlungen

Die Per-Protokoll-Analyse im Rahmen der groß angelegten Studie mit 28.646 Kindern in der Impfstoffgruppe und 28.488 Kindern in der Placebogruppe untersuchte die Wirksamkeit des Impfstoffes in Bezug auf die Vermeidung notwendiger Krankenhauseinweisungen und Notfallbehandlungen aufgrund der Rotavirus-bedingten Gastroenteritis. Der Impfstoff reduzierte durch die Serotypen G1, G2, G3 und G4 verursachte Rotavirus-bedingte Krankenhauseinweisungen um 95,8 und Notfallbehandlungen um 93,7 Prozent. Insgesamt kamen aufgrund der durch die Serotypen G1, G2, G3 und G4 ausgelösten Rotavirus-Infektionen 204 Kinder in die Notfallaufnahme, und 144 Kinder wurden ins Krankenhaus eingewiesen (Notfallaufnahmen: 13 in der Impfstoff- und 191 in der Placebogruppe, Krankenhauseinweisungen:
6 in der Impfstoff- und 138 in der Placebogruppe). Darüber hinaus verringerte der Rotavirus-Impfstoff PRG-bedingte Krankenhauseinweisungen und Notfallbehandlungen, die durch G9 verursacht wurden, um 100 Prozent. Gegenüber 13 Fällen in der Placebogruppe trat in der Impfstoffgruppe kein einziger Fall auf.

Sicherheit

In der groß angelegten Studie (68.038 Kinder - davon 34.035 in der Impfstoff- und 34.003 in der Placebogruppe) wurden die Eltern der in die Studien eingeschlossenen Kinder mindestens dreimal nach Gabe jeder Dosis (nach ein, zwei und sechs Wochen) bezüglich schwerer unerwünschter Ereignisse inklusive Invaginationen befragt. Innerhalb eines Jahres nach Gabe der ersten Dosis folgten alle sechs Wochen weitere Befragungen. Sechs Wochen nach der ersten Dosis konnten keine Invaginationen in der Impfstoffgruppe beobachtet werden. Innerhalb sechs Wochen nach jeder Dosis wurden sechs Fälle einer Invagination in der Impfstoffgruppe und fünf Fälle in der Placebogruppe beobachtet. Ein Ergebnis, das die erste Sicherheitshypothese belegte. Im Zeitraum von einem Jahr nach Gabe der ersten Dosis traten 12 Fälle von Invagination in der Impfstoffgruppe und 15 in der Placebogruppe auf.

Eine detaillierte Teilstudie untersuchte die Sicherheit im Hinblick auf alle unerwünschten Ereignisse. Generell war der Rotavirus-Impfstoff im Vergleich zu Placebo gut verträglich. Innerhalb von sechs Wochen nach jeder Dosisgabe kamen Fieber, Erbrechen, Durchfall und blutiger Stuhl bei den 9.605 teilnehmenden Kindern (4.806 in der Impfstoff- und 4.799 in der Placebogruppe) in beiden Gruppen vergleichbar häufig vor (Fieber: 40,9 Prozent in der Impfstoff- und 43 Prozent in der Placebogruppe, Erbrechen: 12,8 Prozent in der Impfstoff- und 13,4 Prozent in der Placebogruppe, Durchfall: 19,7 Prozent in der Impfstoff- und 19,1 Prozent in der Placebogruppe, blutiger Stuhl jeweils 0,6 Prozent in der Impfstoff-und Placebogruppe).

Rotavirus-Impfstoff

Der Impfstoff ist eine Entwicklung von Merck & Co. Inc. und wird zukünftig in Europa von Sanofi Pasteur MSD vertrieben. In den USA wurde der Antrag auf Zulassung im April 2005 eingereicht, und die Ergebnisse der Phase III-Studie sind im Dezember 2005 von dem Expertengremium der US-Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) bewertet worden. Dieses Gremium urteilte einstimmig, dass die klinischen Daten der Studie die Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes unterstreichen. In Europa wurde der Antrag auf Zulassung ebenfalls im April 2005 bei der European Medicines Agency (EMEA), der europäischen Zulassungsbehörde, eingereicht.

Am 8. Dezember 2005 gaben Merck & Co. Inc. (USA) und PATH (Program for Appropriate Technology in Health) ihre Zusammenarbeit bekannt. Beide Organisationen werden klinische Studien mit dem Rotavirus-Impfstoff in Afrika und Asien durchführen, um ihn in diesen Regionen so schnell wie möglich verfügbar zu machen. Die Studienzentren werden während der nächsten sechs Monate ausgewählt, mit dem Ziel, vor Ablauf des Jahres 2006 noch mindestens eine Studie zu beginnen.

Über Sanofi Pasteur MSD GmbH

Sanofi Pasteur MSD ist das einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Impfstoffen spezialisiert hat. Dabei kann der Impfstoffexperte auf die Produktinnovationen und die Forschungserfahrungen von Sanofi Pasteur (Frankreich) und Merck & Co. Inc. (USA) zurückgreifen. Beide Anteilseigner halten je 50 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen Sanofi Pasteur MSD. Die deutsche Niederlassung hat ihren Sitz in Leimen bei Heidelberg. Weltweit arbeiten Forscherteams an der Entwicklung neuer Impfstoffe für Europa. Dabei stehen zwei Ziele im Vordergrund: Zum einen die Ausdehnung des Impfschutzes auf Krankheiten, gegen die es bisher keinen Impfstoff gibt. Zum anderen die Verbesserung bestehender Impfstoffe, um die Verträglichkeit, Wirksamkeit und die Akzeptanz von Impfungen zu optimieren.

Internetsite: www.spmsd.at

Rückfragen & Kontakt:

Sanofi Pasteur MSD
2345 Brunn am Gebirge
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Tel.: +43 - 1 866 70 - 22 200
Fax: +43 - 1 866 70 - 22 204

Anfragen Medizin: Dr. Astrid Dworan-Timler
Anfragen Marketing: Mag. Martina Riedlmair
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