Neuberechnung der Infrastrukturinvestitionen nach Wirtschaftsbereichen 1995 bis 2004

Wien (WIFO) - Infrastrukturinvestitionen sind entscheidend für die volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Standortqualität und bilden eine wichtige Grundlage für die öffentliche Daseinsvorsorge. Das WIFO hat auf der Basis eines eigenen Erfassungskonzeptes die gesamtwirtschaftlichen Infrastrukturinvestitionen in Österreich für den Zeitraum 1995 bis 2004 ermittelt. Langfristig wurde demnach das Niveau der Investitionen in die gesamtwirtschaftliche Infrastruktur in Österreich gehalten, weil in den letzten Jahren verstärkt in die Transportinfrastruktur investiert wurde. Der Rückgang der Bruttoinvestitionsquote weist allerdings auf einen Nachholbedarf hin, dessen Deckung in den nächsten Jahren vor dem Hintergrund der Konjunkturschwäche Impulse für Wachstum und Beschäftigung setzen und die Standortbedingungen in Österreich etwa durch den Ausbau der Verkehrsverbindungen zu den neuen EU-Ländern verbessern kann.

Als Infrastruktur gelten die für die Produktion und den Konsum einer Volkswirtschaft wichtigsten Einrichtungen, welche die Leistungsfähigkeit des Verkehrs, der Energieversorgung, von Schulen, Gesundheitseinrichtungen usw. bestimmen. In der Vergangenheit schien der "öffentliche" Charakter der Infrastruktur selbstverständlich, da ihre Bereitstellung öffentlich erfolgte und die Nutzung weitgehend unentgeltlich war. Heute wird Infrastruktur zunehmend privat oder zumindest durch ausgegliederte Unternehmen erstellt, die Nutzung setzt teilweise (Mauten, Studiengebühren) oder vollständig die Leistung eines Entgelts voraus, oft auch an private Unternehmen (z. B. Elektrizitäts- oder Telekommunikationsunternehmen). Dennoch spielen nach wie vor der Charakter des öffentlichen Gutes, beträchtliche Größenvorteile, positive externe Effekte und die Prioritäten des Staates für bestimmte Ausgaben eine gewisse Rolle, sodass sich der öffentliche Sektor aus bestimmten Infrastrukturbereichen nicht völlig zurückzieht.

Anhand der vorhandenen Daten zu den Investitionen des öffentlichen Sektors lassen sich die Infrastrukturinvestitionen nicht von den sonstigen öffentlichen Investitionen trennen. Die Infrastrukturausgaben der Gebietskörperschaften wiederum können nicht nach investiven und laufenden Ausgaben aufgeteilt werden. Beide Ansätze erfassen zudem außerbudgetär bzw. durch den privaten Sektor getätigte Infrastrukturinvestitionen nicht (vollständig).

Das WIFO hat deshalb auf der Basis eines eigenen Erfassungskonzeptes die gesamtwirtschaftlichen Infrastrukturinvestitionen in Österreich für den Zeitraum 1995 bis 2004 ermittelt. Die Berechnung beschränkt sich auf die materielle bzw. physische Infrastruktur, unabhängig davon, ob die damit verbundenen Investitionen durch den Staat, die staatsnahen Unternehmen oder den privaten Sektor erfolgen. Als Infrastrukturinvestitionen gelten somit in der Untersuchung des WIFO Investitionen in Maschinen und Geräte sowie in Bauten, nicht aber in Fahrzeuge sowie immaterielle Anlagen. Die wichtigsten Bereiche der physischen Infrastruktur sind die Verkehrsinfrastruktur (für den öffentlichen und den Individualverkehr), die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Telefon, Rundfunk, Fernsehen, Internet), die Versorgung mit Energie (Strom, Gas, Fernheizung) und Wasser, die Entsorgung (Müll- und Abwasserentsorgung sowie Wertstoffverwertung) und Teile des öffentlichen Bereichs (Verwaltung, Landesverteidigung, Bildung, Gesundheitswesen, Kultur, Sport und Erholung).

Die so definierten Infrastrukturinvestitionen nahmen zwischen 1995 und 2004 im Durchschnitt um 0,5% pro Jahr zu. Die Entwicklung der gesamten Infrastrukturinvestitionen wird maßgeblich durch die Investitionen im Bereich der Nachrichtenübermittlung bestimmt, die bis 2000 massiv ausgeweitet und anschließend deutlich gedrosselt wurden. Im Untersuchungszeitraum steigerten insbesondere die Bereiche Verkehr (Straße und Bahn), Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen ihre Infrastrukturinvestitionen, während sie vor allem in den Bereichen Energieversorgung, Nachrichtenübermittlung, Öffentliche Verwaltung, Landesverteidigung und Sozialversicherung eingeschränkt wurden. Das Gewicht der Infrastrukturinvestitionen verringerte sich zwischen 1995 und 2004 (je nach Definition) um rund -1,2 Prozentpunkt auf 3,5% bis 4% des BIP; Ausnahmen sind insbesondere die Bereiche Straße und Bahn.

Langfristig wurde das Niveau der Investitionen in die gesamtwirtschaftliche Infrastruktur in Österreich gehalten, weil in den letzten Jahren verstärkt in die Transportinfrastruktur investiert wurde. Der Rückgang der Bruttoinvestitionsquote weist allerdings auf einen Nachholbedarf hin, dessen Deckung in den nächsten Jahren vor dem Hintergrund der Konjunkturschwäche Impulse für Wachstum und Beschäftigung setzen und die Standortbedingungen in Österreich etwa durch den Ausbau der Verkehrsverbindungen zu den neuen EU-Ländern verbessern kann. Mit der Bedeutung der Infrastruktur als Standortfaktor mit Nachfragewirksamkeit befasst sich das WIFO derzeit ausführlich in seinem "Weißbuch: Wachstum und Beschäftigung in Österreich", das im Auftrag der Sozialpartner, der OeNB und von Androsch International Consulting bis Ende 2006 erarbeitet wird.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 12/2005!

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Mag. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
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