Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Die Kulturposse

Wien (OTS) - Wer nicht in den letzten Stunden auf der Bühne der kulturpolitischen Aufgeregtheit seine Meinung zu "Pornografie im öffentlichen Raum" abgesondert hat, ist wohl ins Tsunami-Gebiet gereist - in der Hoffnung, wenigstens dort von einer ORF-Kamera bedeutungsvoll-betroffen gefilmt zu werden.

Sicherer Gewinner der jüngsten Erregung sind die beteiligten Maler: Ihr Marktwert steigt mit jeder Affäre. Was wäre etwa ein Nitsch ohne Skandale? Ein frömmelnder Provinz-Fleischhauer mit einer Phobie vor weißen Leintüchern.

Der Rest ist amüsant. Etwa die Tatsache, dass hier eine hochsubventionierte Aktion stattfindet - aber offenbar niemand dafür auch zahlt. Etwa wie die Regierung die Aktion der Subventionsprofis Springer und Lorenz zwar mitfinanziert, aber eben gerade nicht die zwei Aufreger-Sujets.

Besonders heiter ist die Aufregung der SPÖ über die geschmacklosen Plakate. Hat sie doch sonst immer innige Sympathie für derlei Provokationen gezeigt: von "Babyficker" über das "Liebeskonzil" bis zur Mühl-Kommune. Immer verteidigten ihre Kulturminister und -Stadträte mit Pathos die Freiheit der Kunst. Sofern deren Freiheit ganz zufällig eng mit Sympathie-Erklärungen für die SPÖ und Unterleibsattacken auf Kirche oder von der Partei ungeliebte traditionelle Werte verbunden war.

Aber alle Parteien können ja dazulernen und die richtigen Konsequenzen ziehen: Erstens, was Kunst im Museum oder Theater oder Buch darf, hat nicht immer im öffentlichen Raum etwas verloren (obwohl manche Künstler diesen intensiv suchen, seit ihnen die Zuschauer davonlaufen).

Und zweitens: Machen wir endlich Schluss mit der Subventionierung von Kunst durch Steuergelder. Der Staat ist nicht dazu da, Kunst zu definieren oder zu bewerten. Der Staat ist erpressbar und er ist strukturell immer ein Monopolist. Nur ohne ihn ist Kunst wirklich frei. Ihre Finanzierung soll sie sich jedoch bei Sponsoren holen (die ihre Gabe dann wohl steuerlich abschreiben können sollten).

Das schafft Pluralismus und würde den unsäglichen Beruf der Kulturpolitiker unnötig machen.

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