"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Euro-Pornos" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 29.12.2005

Wien (OTS) - Kunst muss auffallen, sie darf auch provozieren.
Nichts ist schlimmer als langweilige Literatur, langweilige Bilder, langweilige Skulpturen, langweilige Ausstellungen.
Auch Europa sollte auffallen: Durch innovative Politik, eine innovative Kulturszene, durch wirtschaftliche Erfolge.
Wie gut passen aufregende Kunst und innovatives Europa zusammen, hat man sich gedacht und ließ 75 Künstler aus ganz Europa ans Werk gehen. Das Ergebnis waren 150 Motive, die in Wien und Salzburg auf Großbild-Leinwänden gezeigt werden. "Gefördert durch: Republik Österreich/Bundeskanzleramt" steht unter den Bildern, obwohl ein Großteil des Geldes von Sponsoren kommt.
Zwei Künstler waren besonders kreativ. Sie zeigen den provozierend dargebotenen Unterleib einer nur mit einem europa-blauen Slip bekleideten Dame und Gruppensex-Szenen mit George W. Bush, der Queen und dem französischen Staatschef Chirac.
Wenn die Beiden Aufmerksamkeit erregen wollten, ist ihnen das gelungen. Werden ihre Bilder gezeigt, wird (zu Recht!) das öffentliche Zur-Schau-Stellen von Euro-Pornos kritisiert. Hätte man sie nicht gezeigt, könnten die Künstler "Zensur" brüllen und Österreich als verzopft an den Kultur-Pranger stellen.
Das Gescheiteste ist, die Provokation zu ignorieren. Nackte Körper und Sexszenen gibt es anderswo auch zu sehen; jede Aufregung spielt nur den Künstlern in die Hände, die dadurch bekannt werden wollen.

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