ÖAMTC: Schneebedeckte Bodenmarkierungen geben Rätsel auf - Was ist erlaubt?

Auch im Schneechaos gelten Regeln im Straßenverkehr

Wien (OTS) - Im winterlichen Schneetreiben verschwinden Verkehrsschilder oder Bodenmarkierungen unter der Schneedecke und geben Rätsel auf. Dort, wo am Vortag noch eine Bodenmarkierung den richtigen Weg angezeigt hat, wird im Schneechaos kreuz und quer gefahren. Was gilt im Schneechaos? Was ist erlaubt? "Verkehrszeichen und Bodenmarkierungen, die man nicht sieht oder erkennen kann, können auch nicht beachtet werden. Aber auch im Schneechaos gelten Regeln im Straßenverkehr", warnt ÖAMTC-Juristin Verena Hirtler. Die Expertin hat Antworten auf wichtige Fragen, die Autofahrer im Schneechaos bewegen:

* Wie verhalte ich mich, wenn die Bodenmarkierungen unter der Schneeschicht nicht mehr sichtbar sind?

Bodenmarkierungen, die man nicht sieht, können auch nicht beachtet werden. Sind Richtungspfeile auf der Fahrbahn nicht sichtbar, gelten die allgemeinen Fahrregeln. "Auf jedem Fahrstreifen darf man geradeaus fahren. Nur vom äußeren Fahrstreifen darf nach rechts oder links abgebogen werden", erläutert Hirtler. Ortskundige, die wissen, wie die Richtungspfeile normalerweise verlaufen (wenn z.B. auf der zweiten Spur das Rechtsabbiegen erlaubt ist), dürfen sich nicht darauf verlassen, dass das auch die anderen - möglicherweise Ortsfremde - wissen. Im Schneechaos verhalten sich die Straßenverkehrsteilnehmer anders als unter normalen Umständen.

"Auch Haltelinien vor Kreuzungen und Ampeln sind nicht sichtbar, daher ist vor der Kreuzung bzw. vor der Ampel anzuhalten. Jedenfalls muss man an einer Kreuzung mit Stopptafel stehenbleiben", sagt die Club-Juristin. "Langsam in die Kreuzung vortasten bis man ausreichende Sicht hat und erst dann, wenn dies gefahrlos möglich ist, die Fahrt fortsetzen."

Schnee auf dem Schutzweg bedeutet keinesfalls "Bahn frei" für Autofahrer. Auch wenn die Markierung nicht erkennbar ist, muss aufgrund des Verkehrszeichens "Kennzeichnung eines Schutzweges" oder wegen des blinkenden gelben Lichtes der Fußgänger-Übergang beachtet werden. Den Fußgängern empfiehlt die ÖAMTC-Juristin aber dringend, nur dann den Schutzweg zu betreten, wenn Fahrzeuge noch weit genug entfernt sind, um - auch auf rutschigem Untergrund - rechtzeitig anhalten zu können.

* Darf man ein schneebedecktes Verkehrszeichen, dessen Inhalt nicht erkennbar ist, einfach ignorieren?

Ungültig ist beispielsweise ein nicht identifizierbares rundes Verkehrszeichen. Hinter der Schneeschicht könnte ein Abbiege- oder Einfahrtsverbot verborgen sein. In einem solchen Fall sollte man etwa auf die übliche Parkordnung achten, damit man nicht plötzlich gegen eine Einbahn fährt. Aufgepasst muss man bei einem Verkehrszeichen, dessen äußere Form eindeutig erkennbar ist, wie "Vorrang geben" oder "Halt": "Hier spielt es keine Rolle, ob die Schilder mit Schnee zugeweht sind. Sie müssen trotzdem beachtet werden", erinnert die ÖAMTC-Expertin.

* Wo darf ich im Schneechaos parken?

Kurzparkzonen gelten trotz Schneefalls. "Kurzparkzonen werden ausschließlich durch Verkehrszeichen angezeigt", weiß Hirtler. Die blaue Bodenmarkierung muss weder sichtbar noch vorhanden sein. Die ÖAMTC-Juristin erwartet aber, dass die Überwachung der Kurzparkzonen bei starkem Schneefall kulant gehandhabt bzw. die Überwachung der Kurzparkzone vorübergehend ausgesetzt wird. Das muss allerdings gesondert, zum Beispiel via Rundfunk, bekannt gegeben werden.

Aufgepasst vor Hauseinfahrten: Auch wenn keine Gehsteig-Abschrägung erkennbar ist, darf man sein Auto nicht einfach in einer Hauseinfahrt abstellen. "Selbst wenn kein 'Einfahrt freihalten'-Schild vorhanden ist, kann sich irgendwo unter der Schneedecke eine Gehsteig-Abschrägung befinden", erklärt die Rechtsexpertin des Clubs.

Zu guter Letzt geht es auch um faires Miteinander: Auch wenn das Herz noch so an ihm hängt, darf der mühsam freigeschaufelte Parkplatz nicht mit Leitern, Brettern oder ähnlichem besetzt werden, wenn man wegfährt. Jeder andere darf hier einparken.

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