- 27.12.2005, 20:13:36
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wer sich dem Risiko aussetzt, soll dafür auch Vorsorge leisten" (Von Günter Lehofer)
Ausgabe vom 28.12.2005
Graz (OTS) - No risk no fun gilt heute. Wenn aber risk sich als no
fun entpuppt, dann beginnt die Tragödie, zumindest aber der
Katzenjammer. Dann wollen auch jene Hilfe, die vorher sich auf keinen
Fall in ihrer Freiheit einschränken lassen wollten.
So wurden die Entführungen in der Sahara vor einiger Zeit zum Anlass
für die Diskussion, wie die Kosten des Risikos verteilt werden
sollen. Die jüngsten Fälle im Jemen und die ganz anders strukturierte
Affäre um Susanne Osthoff im Irak haben die Bandbreite der
Risikofälle aufgezeigt.
Sicher scheint: Die Risiko-Kosten gehören neu verteilt. Im Einzelfall
wird oft gestritten werden. Bei Unglücksfällen können die Gefühle der
Menschen von großem Mitleid rasch umkippen in die Haltung, das sollen
die auslöffeln, die es sich selbst eingebrockt haben.
Sicher scheint, dass die Frage auch eine nüchterne Mengenfrage ist.
Wenn viele Menschen aus einer Gesellschaft sich häufig in
Risikosituationen begeben, dann hat das eine neue Qualität. Neu ist
auch, dass heute Hilfen fast überall möglich sind. Es geht um den
Aufwand und damit um die Kosten.
Als Heinrich Harrer noch unterwegs war oder Herbert Tichy, da
riskierten sie sich selbst. Kein Krisenstab hätte ihnen im Ernstfall
helfen können. Seit durchschnittliche Menschen in Ausnahmesituationen
geraten und ihnen geholfen werden kann, muss man für diese neue Lage
überlegen, was zu tun ist.
Gefühle für und wider genügen nicht.
Die einfachste Regelung scheint zu sein, dass die Kosten wenigstens
zum größeren Teil über Versicherungsprämien gedeckt werden. Wenn es
im Jemen schon seit Jahren Entführungen von Touristen gibt, dann ist
das ein klarer Fall für eine Eigenvorsorge. Die Solidarität einer
Gesellschaft, ausgedrückt in der Schutzpflicht des Staates für seine
Bürger, hat dann immer noch genug Fälle, in denen sie wird
einspringen müssen.
Wer Mitglied des Alpenvereins wird, zahlt mit dem Mitgliedsbeitrag
auch eine Risikoversicherung. Unter gewissen Bedingungen wird man im
Unglücksfall weltweit gerettet. Das ist eine Antwort darauf, dass
immer mehr Menschen sich in ein solches Risiko begeben. Das Modell
ist eine Insel der Vernunft.
Das Beispiel Verkehr zeigt, wie es bürokratisch einfach gehen könnte.
Alle Autofahrer zahlen Haftpflichtversicherung. Für die Freizeit
sollte das auch für alle gelten. Die Forderung ist nicht neu. Sie
müsste nur umgesetzt werden. Das wäre die minimale und praktikable
Lehre, die zu ziehen ist.****
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