• 27.12.2005, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Leichtsinn zum Nulltarif"

Ausgabe vom 28.12.2005

Wien (OTS) - Die Entführung zweier Österreicher im Jemen ist vor
wenigen Tagen glücklich ausgegangen. Beide sind gesund befreit
worden. Das Außenministerium hat in diesem Fall nicht nur rasch und
erfolgreich gehandelt, sondern im Gegensatz zur Tsunami-Katastrophe
vor einem Jahr auch professionell informiert.
Ein solches Agieren darf sich jeder erwarten, der im Ausland in Not
gerät. Zu Recht haben Politiker aller Parteien aber gestern die Frage
aufgeworfen, ob es Krisenstab und teure Reisediplomatie immer zum
Nulltarif geben muss.
Wer unverschuldet Probleme bekommt, soll für die staatliche Hilfe
nicht noch extra zur Kasse gebeten werden. Wer sich aber bewusst und
leichtfertig in Gefahr begibt, Reisewarnungen ignoriert und
mutwillig in Krisengebiete fährt, sollte auch für die finanziellen
Konsequenzen seines Leichtsinns aufkommen.
Ob Versicherungen bereit wären, das Risiko von solchen
Abenteuerreisen zu decken, ist zweifelhaft. Daher dürfte auch die
politische Forderung nach Abschluss einer Pflichtversicherung für
potenzielle Entführungsopfer ins Leere gehen.
Der Staat sollte den befreiten Geiseln einfach die Kosten seines
Eingreifens in Rechnung stellen. Wie diese das Geld aufbringen,
bleibt ihnen überlassen. Den Steuerzahler zu belasten, ist unfair und
schürt außerdem den Aberglauben, dass der Staat für jede private
Dummheit aufzukommen hat.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

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