Wehsely/Jank: Die Wirtschaft braucht MigrantInnen

Projekt InterCulturExpress unterstützt MigrantInnen bei der beruflichen Qualifizierung

Wien (OTS) - "Arbeitslosigkeit bedeutet für den Einzelnen in der persönlichen Wahrnehmung oft Aussichtslosigkeit. Das muss nicht so sein: Der Schlüssel, um am Arbeitsmarkt reüssieren zu können, heißt berufliche Qualifizierung - für alle Menschen, wo auch immer sie geboren wurden. Maßnahmen wie der InterCulturExpress, der vom Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen koordiniert wird, oder die zahlreichen Qualifizierungsmaßnahmen des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff), die auch MigrantInnen zu Gute kommen, helfen hier nachhaltig. Arbeitslosigkeit darf nicht als unausweichliches Ergebnis des Wettbewerbs am Arbeitsmarkt gesehen werden. Deswegen tritt die Stadt Wien hier als strategische Partnerin auf", betonte die Wiener Integrationsstadträtin Sonja Wehsely am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Brigitte Jank, Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, und Sonja Sari, der Projektverantwortlichen des InterCulturExpress. "Fast ein Sechstel aller Arbeitnehmer Wiens und zehn Prozent aller Lehrlinge sind Menschen mit einer anderen als der österreichischen Staatsbürgerschaft. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund ist sicherlich noch weitaus höher. Das macht deutlich, wie unverzichtbar Zuwanderer für die Wiener Wirtschaft sind", betonte die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank.****

Einzelne Branchen könnten ihren Arbeitskräftebedarf ohne Zuwanderer kaum decken, so Jank. Daneben suchen aber gerade international tätige Firmen immer öfter ausländische High Potentials aufgrund deren Kompetenz in sprachlicher und kultureller Hinsicht.

Beruflicher Erfolg ist unmittelbar verbunden mit einer qualifizierten Ausbildung und der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. "Die Wirtschafskammer Wien als strategischer Partner des Projektes InterCulturExpress stellt ihr gesamtes Angebot zur Förderung beruflicher Chancen allen Personen ungeachtet ihrer Herkunft zur Verfügung", unterstrich Jank. Die Angebotspalette reicht von der Berufsinformation der Wiener Wirtschaft über die Lehrlingsbetreuung bis zum vielfältigen Kursangebot des WIFI Wien.

"Die Selbstständigkeit bildet ebenfalls eine interessante Alternative für Zuwanderer, was auch die aktuellen Neugründungszahlen bestätigen", betonte Jank. Im ersten Halbjahr 2005 lag der Anteil der ausländischen Jungunternehmer in Wien bei rund 17 Prozent. "Diese Unternehmer tragen viel zum weiteren Wachstum unserer Wirtschaft bei", so Jank. Die Beratung für angehende Selbstständige beim Gründer-Service der Wirtschaftskammer Wien erfolgt umfassend und kompetent, bei Bedarf auch fremdsprachig.

2004 lebten in Wien 286.907 Menschen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft. Bei einer Gesamtbevölkerung von 1.627.173 Menschen bedeutet dies einen Anteil von 17,6 Prozent.

Von durchschnittlich 753.000 unselbstständig Beschäftigten im Jahr 2004 waren rund 115.000 AusländerInnen. Das entspricht einem AusländerInnenanteil an den unselbstständig Beschäftigten von 15,2 Prozent. Die unselbstständig Beschäftigten mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft stammen zu etwa 20 Prozent aus Ländern der Europäischen Union bzw. der EFTA, zu 50 Prozent aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, zu 15 Prozent aus der Türkei, der Rest aus anderen Ländern. Die Arbeitslosigkeit von AusländerInnen ist im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich hoch.

Mitgebrachte Qualifikationen nützen

Ziel der Entwicklungspartnerschaft InterCulturExpress ist die Förderung der beruflichen Chancen von Migrantinnen und Migranten, die eine fundierte Ausbildung bzw. Berufserfahrungen in ihrem Herkunftsland gemacht haben. Ihnen werden konkrete Angebote gemacht, ihre Position am Wiener Arbeitsmarkt zu verbessern.

Angesprochen sind Personen, welche ihre im Heimatland erworbene Berufsausbildung oder ihren mitgebrachten Bildungsabschluss in Wien adäquat verwerten wollen oder eine Qualifikation anstreben und einen beruflichen Einstieg planen. Die Förderung der beruflichen Mobilität von MigrantInnen am Arbeitsmarkt steht dabei im Vordergrund. Durch das Sichtbarmachen von Qualifikationen soll ein rascherer Eintritt in ausbildungsadäquate Berufsfelder geschehen.

Mehrsprachigkeit und Migrationshintergrund als Potenzial

Die Angebote des InterCulturExpress nehmen in besonderem Maße Rücksicht auf die Mehrsprachigkeit und den Migrationshintergrund der Zielgruppe und richten sich nicht nur an die genannte Zielgruppe selbst, sondern auch an Multiplikatoren, MitarbeiterInnen der beruflichen Erwachsenenbildung, MentorInnen und Betriebe. Der InterCulturExpress möchte die Zielgruppe rasch erreichen, um Dequalifizierungsprozesse zu vermindern.

InterCulturExpress hilft bei Dequalifikation

Bei Dequalifizierung wird eine Berufstätigkeit angenommen, die geringere formale Bildungsabschlüsse erfordert, als erworben wurden. In Wien waren bei der Volkszählung 2001 104.000 Berufstätige (13 Prozent) in Berufen beschäftigt, die unter ihrem Ausbildungsniveau liegen. 41 Prozent davon waren Menschen mit Migrationshintergrund. "Gerade MigrantInnen sind häufig mit 'Dequalifikation' konfrontiert. Sie finden sich also in einem Job wieder, der eine geringere Qualifikation verlangt als ursprünglich von ihnen erworben wurde. Der InterCulturExpress setzt auch hier an", stellte Wehsely klar.

Die Wiener Entwicklungspartnerschaft InterCulturExpress wird inhaltlich vom Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen und finanziell von der waff Programm Management GmbH koordiniert und im Rahmen der europäischen Gemeinschaftsinitiative EQUAL aus Mitteln des europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gefördert.

Strategische PartnerInnen des InterCulturExpress sind der Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff), die Wirtschaftskammer Wien, die Arbeiterkammer Wien sowie die Magistratsabteilung 17 (Integrations- und Diversitätsangelegenheiten) und die Magistratsabteilung 20 (Fremdenrechtliche Angelegenheiten) der Stadt Wien. Das Arbeitsmarktservice Wien ist Kooperationspartner.

o Webtipp: http://www.interculturexpress.at/

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