"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Spießbürger im Rathaus strafen den 'Gouvernator'" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 16.12.2005

Graz (OTS) - Lebenden ein Denkmal zu setzen, ist unüblich. Und möglicherweise auch peinlich, wenn sich herausstellt, dass der Geehrte die Ehre, Namensgeber eines Platzes, einer Straße oder eines Gebäudes zu sein, nicht verdient.

Derzeit gehen in Graz die Wogen der Leidenschaft hoch: vom Stadion soll der Schriftzug "Arnold Schwarzenegger" entfernt werden. Eine Mehrheit im Stadtsenat und Gemeinderat will damit den Gouverneur von Kalifornien bestrafen, weil er einen zum Tode verurteilten Mörder nicht begnadigt hat.

Solche Sanktionen sind aus dem alten Rom überliefert. Die Imperatoren ließen die Büsten und Statuen ihrer Vorgänger zerstören, mit denen sich die Cäsaren unsterblich machen wollten.

Bevor Graz zur neuzeitlichen Säuberung schreitet, sollten sich die Stadtväter daran erinnern, wie es zur Namensgebung gekommen ist. Dass Schwarzenegger zum Patron der Kicker werden konnte, war keine logische Sache. Der Muskelmann hatte mit dem runden Leder nie etwas zu tun. Bloß der Umstand, dass Graz keinen Fußballer vom Ruhm eines Ernst Happel hervorgebracht hat, beflügelte mit medialem Rückenwind die Idee, den Hollywood-Star in seiner Heimatstadt durch ein Stadion zu verewigen. Schwarzeneggers Engagement für die öffentliche Anerkennung behinderter Sportler durch die Special Olympics war wohl nur das Feigenblatt für die Begründung.

Verschwiegen soll auch nicht werden, dass es schon 1997, als das Stadion Schwarzeneggers Namen erhielt, Widerstand gab. Die Vorbehalte waren ganz anders als die jetzigen Proteste. In der SPÖ hatte man nicht vergessen und nicht verziehen, dass Arnie einst in einem Wahlkampf seinen Freund Joschi Krainer unterstützte. Der damalige Bürgermeister Alfred Stingl zögerte mit der Entscheidung, stand aber dann dazu. Nicht nur in Feierstunden, als die Stadt Schwarzenegger den Ehrenring verlieh.

So weit die Geschichte, wie Graz zum Schwarzenegger-Stadion gekommen ist. Während sonst der Denkmalschutz selbst bei architektonisch missratenen Bauwerken eingreift, um Stilelemente einer Epoche zu bewahren, soll dies für den Namen nicht gelten, obwohl Schwarzenegger erst 2003 in die Politik gegangen ist. Die geplante Bestrafungsaktion ist keine Heldentat, auch wenn sich die Spießbürger im Rathaus für Moralapostel halten.

Als Graz die "Stadt der Volkserhebung" war, gab es einen Adolf-Hitler-Platz. Jetzt heißt er wieder Hauptplatz. Zwischen dem "Führer" und dem "Gouvernator" besteht ein Unterschied.****

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