Mammographie bald nur mehr in Spitälern?

Ärztekammer spricht vom Ruin des niedergelassenen Bereichs und einer Verstaatlichung der Medizin

Wien (OTS) - In der morgen, Freitag, stattfindenden Sitzung der Bundesgesundheitskommission soll beschlossen werden, Mammographie-Screenings zukünftig und gezielt nur mehr in einigen Wiener Spitälern und bei einem Radiologen, und nicht mehr - so wie bisher - generell bei niedergelassenen Fachärzten für Radiologie durchzuführen. Ärztekammerpräsident Walter Dorner warnt ausdrücklich vor diesem Schritt in Richtung Zwei-Klassen-Medizin und Verstaatlichung.****

Dorner ärgert sich vor allem darüber, dass mit dieser Regelung "wieder ein Schritt gegen die niedergelassenen Ärzte gemacht wird", obwohl immer wieder betont werde, diesen Bereich zu stärken. Dorner:
"Der Obmann der Wiener GKK, der immer so darauf bedacht war, dass es eine optimale Versorgung im niedergelassenen Bereich gibt, schließt jetzt auf einmal diese Gruppe aus." Das Hanusch-Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse ist beispielsweise als Referenzspital angeführt, obwohl das Wilhelminenspital 15 Gehminuten entfernt ist und ebenfalls als Referenzzentrum angeführt wird und hervorragend ausgestattet ist.

Die Ärztekammer und die niedergelassenen Radiologen waren in dieses Projekt nicht einmal eingebunden. Dorner: "Ich frage mich auch, woher die angestellten Radiologen in den Spitälern die Zeit nehmen sollen, weitere Screenings durchzuführen, wenn man bedenkt, dass das Spitalsarbeitszeitgesetz schon jetzt nur schwer eingehalten werden kann und eigentlich keine Kapazitäten in den Spitälern mehr vorhanden sind." Zudem sei es auch nicht die Aufgabe der Spitäler, Routine-Screenings durchzuführen, so Dorner.

Ausgezeichnete Mammographie-Versorgung in Wien

Wien hätte einen solchen Schritt auf jeden Fall nicht nötig, da die Versorgung der Wienerinnen mit Brust-Screenings ausgezeichnet funktioniere. Dorner: "Wir haben vor zwei Jahren gemeinsam mit der Stadt Wien und der Gebietskrankenkasse ein effizientes Mammographie-Projekt ins Leben gerufen, und plötzlich will man mit einem Antrag bei der Bundesgesundheitskommission alles ändern und gleichzeitig die niedergelassene ambulante Versorgung ruinieren. Für mich ist das völlig unverständlich."

Die Ärztekammer hat Gesundheitsministerin Rauch-Kallat bereits schriftlich dazu aufgefordert, diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen und Gespräche mit allen von dieser Regelung Betroffenen einzuberufen. Dorner: "Ich hoffe, dass die Ministerin Wort hält und keine Maßnahmen setzt, gewisse Untersuchungen nur mehr in Spitälern zu monopolisieren."

Auch Johannes Steinhart, Verhandlungsführer bei den momentan stattfindenden Kassenverhandlungen, kritisiert das Projekt auf das Schärfste: "Es stimmt mich bedenklich, dass wir noch vor wenigen Tagen versucht haben, der Krankenhasse die Notwendigkeit der Versorgung mit niedergelassenen Ärzten zu erklären, und dann kommen wir durch Zufall dahinter, dass bei einer wichtigen Untersuchung die WGKK ihre Vertragspartner ausschließt. Das ist kein vertrauenserweckender Verhandlungsstil." (th/bb)

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