Schüssel: "Versöhnungsfonds ist Geste des Respekts und der Solidarität gegenüber den ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeitern"

Wien (OTS) - Wien (OTS)- Bundeskanzler Wolfgang leitete heute die zwölfte und letzte Sitzung des Versöhnungsfonds. Er dankte den zahlreichen Mitarbeitern, die sich für den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen einsetzten, insbesondere Botschafter Ludwig Steiner, Generalsekretär Botschafter Richard Wotava und der Regierungsbeauftragten Maria Schaumayer. "Ihr ist es in weniger als fünf Monaten gelungen, die internationalen Verhandlungen abzuschließen und das Versöhnungsfonds-Gesetz fertig zu stellen, das einstimmig vom Parlament verabschiedet wurde", betonte Schüssel. "Auch den Partnerorganisationen die vielfach ehrenamtlich tätig waren, will ich Dank zollen."

Der Bundeskanzler bezeichnete den mit rund 436 Millionen Euro dotierten Fond als "Geste des Respekts und der Solidarität gegenüber den ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeitern. 55 Jahre lang galt das Schicksal der vom NS-Regime auf österreichischem Boden eingesetzten Sklaven- und Zwangsarbeiter nicht als österreichisches Problem. Heute haben wir einen umfassenden Konsens, dass unser Land auch für diese Opfergruppe eine moralische Verantwortung hat - nicht zuletzt wegen der Mittäterschaft zahlreicher Österreicher. Die freiwilligen Leistungen Österreichs, seiner Wirtschaft und seiner Bürger haben auch international große Anerkennung gefunden."

In Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen in der Ukraine, Russland, Polen, Tschechien, Ungarn und Weißrussland seien seither an etwa 132.000 ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter rund 352 Mio. Euro ausbezahlt worden. "Die verbleibenden Mittel werden für humanitäre medizinische Projekte in den Partnerstaaten und für ein Stipendienfonds eingesetzt, der auch den Nachkommen ehemaliger Zwangsarbeiter zugänglich gemacht werden soll. Weiters wird ein Zukunftsfonds geschaffen, der konkrete Projekte zur Aufarbeitung der Vergangenheit und zur Versöhnung fördern soll. So wird das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes gemeinsam mit dem Vogelsang Institut eine Namensdokumentation sämtliche Opfer erstellen, für jüdische Mitbürger in Israel wird eine Clubförderung bewilligt und die Stiftung Hartheim in Oberösterreich, wo insbesondere Kinder schreckliches Leid erlitten haben, wird gefördert. Das wird morgen vom Parlament endgültig beschlossen", erläuterte Schüssel.

Botschafter Ludwig Steiner, Vorsitzender des Komitees des Österreichischen Versöhnungsfonds, schilderte in der Pressekonferenz nach der Sitzung die Arbeit des Komitees. "In 42 Sitzungen haben wir etwa 100.000 Anträge der Partnerorganisationen und etwa 30.000 Einzelanträge geprüft. In der Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen wurden Kontrollen durchgeführt. Unser Bemühen war und ist, jeden einzelnen Betroffenen zu erreichen." Generalsekretär Botschafter Richard Wotava, Generalsekretär des Österreichischen Versöhnungsfonds, betonte, dass 136.000 medizinisch-humanitäre Leistungen für etwa 70.000 Zwangsarbeiter durchgeführt wurden. "Der Verwaltungsaufwand des Versöhnungsfonds und der Partnerorganisationen wurde durch die Zinsen zu 80 Prozent gedeckt. Außerdem können weitere sechs Millionen Euro, die durch die Verzinsung angefallen sind, für die Zwangsarbeiter eingesetzt werden."

Rückfragen & Kontakt:

Heidemarie Glück
Pressesprecherin des Bundeskanzlers
Tel.: (01) 531 15 / 2917

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0003