Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Die Lust am Sonntag

"Die Landwirtschaft ist nicht in der Lage, Lastesel für die Arbeitsmarktpolitik zu sein." Landwirtschaftskammerchef Schwarzböck bringt es auf den Punkt, wenn auch aus seiner Sicht. Aber im Grund gibt er zu: Die Subventionen für die Bauern sind eine der Ursachen der Arbeitslosigkeit im Land. Was Ökonomen schon lange wissen.
Wenn jedes Produkt dort erzeugt wird, wo es am billigsten möglich ist, hebt das den Wohlstand und die Gesamtssumme der Jobs. Dann würden auch jene Bauern leichter Arbeit finden, die zu oft kärglichen Bedingungen auf ihren Höfen bleiben. Die "Schutzzölle", die die Bauern angeblich schützen, schaden ihnen langfristig. Sie sind nur kurzfristig ein Sedativum gegen den Schmerz des unvermeidlichen Wandels. Dieser ist ja auch bisher Millionen Bauernsöhnen und -töchtern nicht erspart geblieben - zu ihrem Vorteil und zu dem der auf den Höfen Verbliebenen. Und bei gleichzeitiger rapider Steigerung der Lebensmittelproduktion!
Warum kann man den Bauern nicht endlich Mut zur Veränderung machen, statt ständig nur Angst?

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Wieder einmal gibt es Streit um die Geschäftsöffnung an Sonntagen. Dass die Kirche dagegen ist, ist irgendwie verständlich, obwohl noch vor wenigen Jahren in kleinen Orten Raiffeisenkassen und Greißler in harmonischem Nebeneinander (oft nur) am Sonntag nach der Messe offen hatten.
Dass die im Handel Tätigen dagegen sind, ist schon schwerer verständlich. Jedenfalls sollten sie in der Debatte keine falschen Argumente verwenden wie jenes, dass sich dadurch die Umsätze nicht erhöhen, sondern nur verlagern würden.
Denn wenn Familien am Sonntag in Einkaufszentren jenseits der Grenzen fahren, gehen mit ihnen sehr wohl auch Umsätze, Steuern und Jobs über die Grenze. Geschlossenen österreichischen Geschäften entgehen zudem viele Einnahmen durch Spontankäufe lustwandelnder Touristen.
Ja, liebe Freunde von Handel und Gewerkschaft: Auch wenn ihr es noch nicht verstanden habt, einkaufen kann ein Lusterlebnis sein . . .

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