Bulgarien: Vollgas auf holprigen Strassen in die EU

Schenz: Bulgarien verlässlicher Wirtschaftspartner - Österreich ist Top-Auslandsinvestor, bilateraler Handel boomt in beide Richtungen

Wien (PWK928) - Nach der EU-Beitrittsrunde 2004 stehen die Staaten Südosteuropas an der Schwelle zur EU. Mit einigen dieser Länder setzt sich die Veranstaltungsreihe "Horizonte" der Außenwirtschaft Österreich (AWO) unter dem Slogan, "EU - The Next Generation" auseinander. Gestern stand Bulgarien am Programm. Bulgarien, ein Land das mit "Vollgas auf holprigen Strassen vom Balkan nach Brüssel unterwegs ist", wie der Titel der Veranstaltung lautete. In einer Podiumsdiskussion mit Valentin Ivanov (Vizeminister für Wirtschaft und Energie), Josef Taus (Gründungsmitglied und Aufsichtsrat der Management Trust Holding AG; ehemaliger ÖVP-Bundesparteiobmann), Betty Ganeva (Herausgeberin und Chefredakteurin der deutschsprachigen Zeitung "Bulgarisches Wirtschaftsblatt") und Dimitre Dinev (Bulgarischer Autor, seit 1990 in Österreich, u.a. "Engelszungen") wurde die aktuelle Entwicklung Bulgariens beleuchtet.

Richard Schenz, Vizepräsident der WKÖ, wies in seinem Eingangstatement darauf hin, dass "Bulgarien für Österreich ein wichtiger und verlässlicher Wirtschaftspartner" sei. Sowohl die Exporte als auch die Importe boomen. Im vergangenen Jahr machte das Exportplus nach Bulgarien 31,6% (Volumen: 389 Mio. Euro) aus und die Importe legten um 32,2% (Volumen: 209 Mio. Euro) zu. Eine Entwicklung, die sich leicht abgeschwächt, heuer wieder fortsetzt. In den ersten neuen Monaten stiegen die Exporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18,9%, die Importe um 13,5%.

Österreich spielt auch als Investor in Bulgarien eine wichtige Rolle. Schenz: "Bei den ausländischen Direktinvestitionen in Bulgarien nimmt Österreich mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 1,8 Mrd. US-Dollar die Spitzenposition ein." Die österreichische Investitionstätigkeit in Bulgarien ist äußerst diversifiziert. So finden sich umfangreiche Engagements österreichischer Firmen sowohl im Einzelhandel, in der Energiedistribution als auch im Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Speditionen). In der Produktion sind österreichische Investitionen unter anderem im Baustoffsektor sehr stark vertreten. "Wie auch die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Bulgarien sich in einem stetigen Aufwärtstrend befinden, geht es auch mit der bulgarischen Wirtschaft allgemein nach oben", so Schenz weiter. Mit einem BIP-Wachstum von über 5% werde die bulgarische Wirtschaft auch heuer und in den kommenden Jahren stärker als der europäische Durchschnitt zulegen. Die AWO setzt in diesem Zusammenhang auch verstärkte Initiativen für österreichische Unternehmen, die im Boommarkt Bulgarien Fuß fassen wollen. Schenz:
"Die Schwerpunkte der Veranstaltungen, die auch im Rahmen der Internationalisierungsoffensive ‚go international’ abgehalten werden, liegen in den Bereichen Agrar und Lebensmittel, Verkehr und Infrastruktur sowie im Energiesektor."

Valentin Ivanov stellte die Prioritäten der bulgarischen Regierung in der Wirtschaftspolitik dar. Oberstes Ziel sei selbstverständlich der Vollbeitritt zu EU spätestens mit 1. Jänner 2008. Am Weg dorthin stehe unter anderem noch "eine beschleunigte Gerichtsreform an, die eine schnelle, effektive, transparente, gerechte und zugängliche Rechtsprechung gewährleistet." Ziele seien weiters die Aufrechterhaltung eines hohen und stabilen Wirtschaftswachstums von jährlich 6-8%, eine Modernisierung des Staates, der Aufbau einer Wirtschaft des Wissens, die Erhöhung des Beschäftigungsgrades und der Qualifikation der Arbeitskräfte sowie die Stimulierung der Privatinitiative und des Unternehmertums. Einigkeit herrschte unter den Diskutanten über den bevorstehenden EU-Beitritt. Ganeva: "Der eingeschlagene Weg ist richtig und es gibt keine Alternative." Taus gab zu bedenken, dass "die Reformen in Südosteuropa im Vorfeld des EU-Beitritts der Länder auch eine große Last für uns sind, weil wir die Finanzierung übernehmen müssen." Aber es sei eine Notwendigkeit, da sich diese Staaten entwickeln müssen, um gleichwertige europäische Partner werden zu können. "Die EU-Perspektive vermittelt den Bulgaren auch Hoffnung", so Dinev abschließend. Es wäre falsch und für die Bulgaren eine Katastrophe, ihnen diese Hoffnung zu nehmen. (BS)

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