"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Klimaschutz rast erfolglos der Erderwärmung hinterher" (von Helena Wallner)

Ausgabe vom 29.11.2005

Graz (OTS) - Tauwetter rund um die Pole, der Amazonas, die grüne Lunge des Erdballs, stellenweise am Austrocknen, 125 sibirische Seen verschwunden und die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre bewiesenermaßen höher als in den vergangenen 650.000 Jahren: Bei dieser Fülle von Indizien tun sich selbst Klimaskeptiker schwer, die globale Erwärmung länger zu leugnen oder herunterzuspielen.

Jetzt blickt die Welt im wahrsten Sinne des Wortes mit hoch rotem Kopf nach Montreal: Die größte Klimakonferenz nach der historischen, aber wenig effizienten Einigung von Kyoto 1997 geht dort seit gestern über die Bühne. Mehrere tausend Delegierte und Experten sind angereist, um zu beraten, wie es mit den Klimaschutzmaßnahmen in sieben Jahren, wenn das Regelwerk aus der japanischen Kaiserstadt ausläuft, weitergehen soll.

Damit sich die Bewohner des fiebernden Globus nicht zu viele Hoffnungen machen, wurde schon im Vorfeld die Kunde verbreitet, dass keinesfalls mit konkreten Beschlüssen zu rechnen sein wird.

Das hat nach dem Lehrbeispiel des Kyoto-Protokolls, das erst im vergangenen Februar nach der Ratifizierung durch Russland in Kraft trat und mehr Taktik denn Klimaschutz war, ohnehin niemand erwartet. Zur Präzisierung: Dort verpflichteten sich 38 führende Industrieländer bis 2012 auf eine Ausstoß-Verringerung von sechs klimaschädigenden Gasen um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990.

Doch die meisten Unterzeichner-Staaten kommen ihren Verpflichtungen gestern wie heute nicht nach. Selbst die Europäische Union, die sich gerne als Umwelt-Musterknabe aufspielt, hat von den acht Prozent Treibhausgas-Reduzierung nach jüngsten Daten gerade einmal 1,4 Prozent geschafft.

Ein Kapitel für sich sind die USA - für ein Viertel des globalen Treibhausgases verantwortlich und jene Nation, für die in Kyoto extragroße Schlupflöcher geknüpft worden sind. Mit dem Erfolg, dass die Amerikaner das Klimaschutzabkommen dennoch ablehnten. In Montreal soll nun der große Verweigerer USA hinter den Kulissen für den Klimaschutz gewonnen werden. Die Zeit ist nicht ungünstig: Die Wirbelstürme Katrina und Rita ließen im eigenen Land den Widerstand gegen die Klimapolitik von Bush wachsen.

Sollte Montreal ganz ergebnislos verlaufen, wäre es wahrscheinlich besser, die Gipfelteilnehmer blieben daheim und ersparten der Welt so wenigstens die Schadstoffe ihrer Reisediplomatie. ****

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