DER STANDARD-Kommentar: "Fördern rechnet sich" von Karin Moser

Ausgabe vom 24. November 2005

Wien (OTS) - In einem sind sich ja alle einig: Gezielte
sprachliche Förderung von Beginn an sei wichtig, am besten schon mit Kindergarteneintritt. Gerne wird in dem Zusammenhang auf die Unruhen der vergangenen Wochen in Frankreich verwiesen. Die Sache sei also nicht nur notwendig, sondern auch äußerst dringend - befindet sogar die Bildungsministerin. Und das ist ja nicht immer so selbstverständlich.

Umso unverständlicher ist ihre Reaktion auf den von den Landeshauptleuten angemeldeten Mehrbedarf an Förderlehrern: 700 bis 800 wünscht man sich dort, 300 bekam man ursprünglich via Schulpaket II bereits zugesichert. Plötzlich ist alles anders: An die Passage im Erläuterungsteil des Gesetzesentwurfes will sich Gehrer nun nicht mehr erinnern. Dort hieß es noch unter dem Punkt Sprachförderkurse, der Bund "stellt zusätzlich 300 Lehrerstellen zur Verfügung". Stattdessen soll nun erst einmal evaluiert werden. Dass die meisten Landesschulratspräsidenten bereits jetzt wissen, wie viele Förderlehrer sie benötigen, tut der Zählleidenschaft Gehrers keinen Abbruch. Dass sie sich damit dem Vorwurf der taktischen Verzögerung aussetzt, scheint miteinkalkuliertes Risiko. Schließlich gilt es, den budgetären Brocken erst einmal mit dem Finanzministerium abzurechnen. Und dort heißt es, für zusätzliche Planstellen müsse das Bildungsministerium eben umschichten.

Gut, monetäre Begehrlichkeiten abzuwehren, gehört wohl zur Job-Description eines Finanzministers. Grassers Prioritätensetzung hat nur einen Haken: Die schulischen Probleme von heute bezahlt der Staat später einmal doppelt. Was hingegen jetzt in eine entsprechende Schulbildung gesteckt wird, gilt als sichere Investition in die Zukunft. Und die sprachliche Förderung und Integration ist dabei nur ein erster Schritt.

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