WirtschaftsBlatt Kommentar vom 24.11.2005: OMV: Eine Expansion, die Mut macht - von Arne Johannsen

Wien (OTS) - Wohin mit dem Geld? Diese Frage stellte das WirtschaftsBlatt gestern angesichts der 1,6 Milliarden Euro, die die OMV in den ersten neun Monaten dieses Jahres an Gewinn eingespielt hat. OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer hat offensichtlich ähnliche Gedanken: Der österreichische Öl- und Gaskonzern arbeitet intensiv an der Übernahme der Mehrheit an der staatlichen Pakistan Petroleum. Der Deal dürfte rund 850 Millionen Euro kosten - mehr wurde bisher nur für die rumänische Petrom ausgegeben.
Auch wenn bei Pakistan viele an bewaffnete Konflikte und Erdbeben denken: Das OMV-Interesse an dieser Region ist weniger exotisch als es klingt. Die OMV ist bereits seit fast 15 Jahren in Pakistan aktiv, hat dort schon 150 Millionen US-Dollar investiert und ist der grösste ausländische Betreiber von Gasfeldern. Der Clou: Kommt der Deal zu Stande, sichert sich Ruttenstorfer den Zugriff auf ein gewaltiges Erdgasvorkommen.
Die Strategie des OMV-Chefs ist konsequent auf Wachstum ausgelegt -und vorbildlich. Statt sich bequem zurückzulehnen und sich auf stetig steigende Ölpreise und den nie endenden Wunsch der Menschen nach Mobilität zu verlassen, investiert Ruttenstorfer gezielt in die Zukunft und sichert für das Unternehmen wichtige Ressourcen.
Der OMV-Chef demonstriert damit auch, warum Unternehmen Gewinne machen müssen und wofür diese verwendet gehören: um sich heute das Geschäft von morgen zu sichern.
Psychologisch wichtiger Nebeneffekt der OMV-Expansion: Sie widerlegt auch latente, oft nicht ausgesprochene Bedenken vieler Unternehmer und Manager, dass ein kleines Land wie Österreich keine Global Player hervorbringen könne. Die OMV ist mittlerweile der grösste Öl- und Gaskonzern in Zentraleuropa. Da stört es auch nicht, dass das neue Akquisitionsziel Pakistan zwanzigmal so viele Einwohner hat wie Österreich.
Dass eine solche rasante Expansion nicht ohne Risiko ist, ist so selbstverständlich wie der Warnhinweis auf jedem Zigarettenpackerl. Selbstläufer sind solche Übernahmen nie. Die Integration von 50.000 Petrom-Mitarbeitern ist eine Herkules-Aufgabe, die die Managementkapazitäten der OMV bis an die Grenzen belastet. Dennoch:
Investitionen können Cash Flow und Gewinn kosten, Nicht-Investitionen die Zukunft. Insofern macht die erfolgreiche Expansion der OMV Mut. Sie kann vielleicht mehr bewegen als der Treibstoff, den das Unternehmen verkauft.

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