Gusenbauer: Jetziges Schulsystem verstärkt soziale Herkunftsunterschiede

SPÖ für "emanzipatorisches Bildungssystem"

Wien (SK) - Es sei eine Kernaufgabe von Bildungspolitik, dass sie
zu einer sozialen Gerechtigkeit führt, betonte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Mittwochvormittag beim Round Table zum Thema "Bildung zwischen Staat und Markt" anlässlich des 2. Internationalen Alfred-Dallinger-Symposiums im Bildungszentrum der AK. Faktum sei, dass das gegenwärtige Schulsystem die sozialen Herkunftsunterschiede sogar noch verstärkt - was bei einem "zunehmenden Auseinanderdriften von Gesellschaft und einer neuen sozialen Segretation" besonders zu kritisieren sei. Die SPÖ plädiert für ein "emanzipatorisches Bildungssystem, das diese sozialen Herkunftsunterschiede ausgleicht", machte Gusenbauer klar und verwies darauf, dass es eine "Hauptaufgabe des Staates ist, für Gleichheit und Gerechtigkeit zu sorgen". Unter der Moderation von Peter Huemer sprachen weiters: Elke Gruber (Uni Klagenfurt), Sieglinde Rosenberger (Uni Wien), Dwora Stein (GPA), Gerhard Schmid (pib Wien) sowie Gertrude Brinek (ÖVP-Wissenschaftssprecherin). ****

Was es in Österreich brauche, ist die "individuelle Betreuung und Begabungsförderung" wie es sie etwa in den skandinavischen Ländern gibt, forderte der SPÖ-Vorsitzende. Ziel müsse es weiters sein, "bis 2010 100.000 neue Ganztags-Schulplätze zu schaffen" - erst dann könne man von "Wahlfreiheit" sprechen. Klar sei, dass der Markt keineswegs für Gleichheit und Gerechtigkeit sorgte, stellte Gusenbauer fest. Die zunehmende soziale Ungerechtigkeit zusammen mit dem Umstand, dass das österreichische Schulsystem soziale Herkunftsunterschiede verstärkt, werde "früher oder später zu einer sozialen Explosion" führen - hier "sitzt man auf einer riesengroßen Zeitbombe", warnte Gusenbauer und plädierte für eine vernünftige Sozial-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik im Zusammenhang.

Wissen komme heute die Rolle einer "Kernressource der Marktwirtschaft" zu. Angesichts eines "Auseinanderfallens von gesellschaftlichen Zusammenhängen" seien "Grundkompetenzen" (soziale und Sprachkompetenz) immer wichtiger. Man solle sich auch nicht zu sehr auf den Elite-Begriff kaprizieren, vielmehr müsse es darum gehen, sozial Benachteiligten durch Bildung Aufstiegs-Chancen zu geben, hob Gusenbauer hervor.

Solange die Grundversorgung der heimischen Unis nicht gegeben sei, sei es unnotwendig, einer Elite-Universität in Österreich das Wort zu reden - Sinn machten solche Einrichtungen zuvorderst auf EU-Ebene, die dann in Konkurrenz zu den amerikanischen Elite-Unis treten könnten, führte der SPÖ-Vorsitzende aus. Gusenbauer plädiere weiters dafür, das letzte Kindergarten-Jahr als "Vorschule in verpflichtendem Ausmaß zu führen" - denn nur so sei die Finanzierung durch die öffentliche Hand sichergestellt - zudem könnten schon hier wesentliche Integrationsaufgaben angegangen werden, erläuterte Gusenbauer. Der SPÖ-Vorsitzende verwies abschließend darauf, dass viele Eltern in Österreich für die Implementierung von ganztägigen Schulformen seien - offenbar seien die Eltern "klüger als so manche Bildungspolitiker", so Gusenbauer. (Schluss) mb

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