Kuntzl zu Universitäten: "Von Weltklasse weit entfernt"

Möglichst viele Menschen in Qualifikation bringen, statt Zugangsbeschränkungen

Wien (SK) - Auch mit der jetzt beschlossenen "Finanzspritze" für die österreichischen Universitäten seien diese nach wie vor "von Weltklasse weit entfernt", betonte SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl am Dienstagabend anlässlich des vom "Standard" und der ÖH veranstalteten "Unistandard-Talks" mit dem Thema "Neue Chancen auf Weltklasse?". Die SPÖ sei "gegen jede Form von Zugangsbeschränkungen" - vielmehr müsse es Ziel sein, möglichst viele Menschen in Qualifikation zu bringen. Das zusätzliche Budget ändere im Übrigen nichts an "überfüllten Hörsälen", auch werde es deshalb "nicht mehr Lehrende geben", die Zugangsbeschränkungen blieben ebenfalls bestehen, übte Kuntzl harsche Kritik und verwies darauf, dass es wichtig sei, in Forschung, Lehre und Entwicklung - und damit in den Wirtschaftsstandort Österreich - zu investieren, statt "sich darauf zu beschränken, junge Menschen auszusieben". Seit Antritt der Schüssel-Regierung würden die Unis unter einer "sehr schwierigen Finanzsituation" leiden - die Studierenden verspürten die Auswirkungen des Mottos "Weniger Budget für mehr Kosten", so Kuntzl. Unter der Moderation von Bettina Reicher diskutierten weiters:
Gertrude Brinek (ÖVP-Wissenschaftssprecherin), Sabine Herlitschka (Vizerektorin Medizin-Uni Graz) sowie Rosa Nentwich-Bouchal (ÖH-Vorsitzende). ****

In den Jahren 1990 bis 1999 sei das Hochschul-Budget "jährlich um ca. sieben Prozent gestiegen", unter Schüssel und Gehrer "nur mehr um ein Prozent", kritisierte Kuntzl die "Hungerjahre für die Unis" seit 2000 und verwies auf eine Umfrage der AK, wonach "jeder zweite Studierende keine Chance sieht, das Studium in der Mindest-Studienzeit abzuschließen". Jeder dritte Studierende sei weiters überzeugt, dass "die Studiensituation schlechter geworden ist". Von der geplanten Finanzspritze fließe die Hälfte - nämlich rund 500 Millionen Euro - in die Gebäudesanierung -, dies trage zwar zur "Ankurbelung der österreichischen Bauwirtschaft" bei, ändere aber nur wenig an den Studienbedingungen, machte Kuntzl klar.

"Soziale Hürden abbauen"

Die von der Regierung eingeführten Zugangsbeschränkungen hätten mit den Studiengebühren begonnen - diese hätten zu einem "massiven Einbruch der Studierendenzahlen" geführt, auch die Zahl jener, die neben dem Studium arbeiten müssten, habe sich erhöht, verdeutlichte Kuntzl. Ministerin Gehrer habe in Sachen EuGH-Urteil lange geschlafen und so das "vermeidbare Chaos" heraufbeschworen - dabei wäre eine "faire Lösung für Europas Studierende" durchaus zu finden gewesen. Darüber hinaus sei es "nicht notwendig gewesen, sofort Zugangsbeschränkungen zu erlassen" - vernünftiger und auch machbar wären "erträgliche Übergangsbestimmungen" gewesen, zeigte die SPÖ-Familiensprecherin auf. Vor dem Hintergrund, dass Österreich bei der Akademiker-Quote "massiven Aufholbedarf" habe, müsse man "soziale Hürden abbauen", um mehr Studierende und mehr AkademikerInnen im Land zu haben. Es dürfe für den Bildungs- und Karriereweg eines Kindes nicht entscheidend sein, in welche Familie, in welche finanziellen Verhältnisse es geboren wurde - Ziel müsse die Beseitigung sozialer Hürden sein. Schon in den Schulen müsse damit begonnen werden, die SchülerInnen durch Module und Schwerpunkt-Setzungen "unifit" zu machen.

Es sei "schmerzhaft", wenn man jetzt nur mehr darüber rede, "wie man junge Menschen hinausprüft und aussiebt" - statt möglichst vielen Menschen "Orientierung zu geben", und sie in Qualifikation zu bringen, unterstrich Kuntzl. Bevor man in Österreich das Wort Elite-Universität in den Mund nehme, müsse man zuerst "die Grundversorgung der heimischen Unis" sicherstellen, forderte die SPÖ-Familiensprecherin. Es gelte, "möglichst viele Menschen mit möglichst viel Wissen auszustatten", so Kuntzl mit Blick auf die Zukunftsressource Bildung.

Die Beschneidung des Mitwirkungsrechts von Studierenden im Zuge der Uni-Reform sei scharf zu kritisieren, so Kuntzl, die entschieden ÖVP-Wissenschaftssprecherin Brinek widersprach, die meinte, dass man hier bloß "die Mitbestimmung internationalisiert" habe. Österreich solle eine "Vorreiter-Rolle" einnehmen, statt eine "Angleichung nach unten vorzunehmen", bekräftigte die SPÖ-Familiensprecherin. Man müsse vor dem Hintergrund der zugesagten Finanzspritze für die Unis auch an den Wahrheitsgehalt von Schüssels Versprechen erinnern, warnte Kuntzl mit Verweis etwa auf die ominöse Wirtschaftsplattform, die laut Schüssel für die Eurofighter aufkommen sollte. Es sei aber durchaus möglich, dass dieses Versprechen umgesetzt wird, "wenn es Schüssel nach den nächsten Nationalratswahlen nicht mehr gibt", schloss Kuntzl. (Schluss) mb

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