Lebenslanges Lernen – der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit Unterrichtsausschuss diskutiert bildungspolitische Zukunftsfragen

Wien (PK) - Die Mitglieder des Unterrichtsausschusses
diskutierten heute über Zukunftsfragen sowohl europäischer als auch nationaler Bildungspolitik. Grundlagen dafür waren der
Bericht der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend das Legislativ- und Arbeitsprogramm der Kommission und das Jahresprogramm des Rates 2005 (III-134 d.B.) sowie der OECD-Bildungsbericht.

Bundesministerin Elisabeth Gehrer skizzierte zunächst die Schwerpunkte des EU-Arbeitsprogramms bis 2010. Dieses stehe unter dem Motto: "Die Qualität ist das Ziel". Bildungspolitik liege
zwar im Kompetenzbereich der einzelnen Mitgliedsstaaten, und das
sei auch gut so, auf europäischer Ebene sei es jedoch sinnvoll,
zur Hebung der Qualität Vereinbarungen zu schließen, sagte sie. Die EU habe sich daher in ihrem Arbeitsprogramm fünf Benchmarks
als Ziel für die nächsten fünf Jahre gesetzt:

So soll die Zahl jener Jugendlichen, die die Schule frühzeitig verlassen, auf höchstens 10 % reduziert werden. Darüber hinaus will man insbesondere im Bereich Mathematik, Naturwissenschaften
und Technik die Hochschulabsolventen und vor allem die Absolventinnen um 15 % anheben. Auch die Anzahl der Personen mit Abschluss der Sekundarstufe 2 soll nach den Plänen der EU weiter steigen sowie der Anteil derjenigen, die sich am lebenslangen
Lernen beteiligen. Die Zahl jener Personen mit schlechter Lesekompetenz will man um 20 % senken. Österreich habe in diesem Zusammenhang die Aktion "lesefit" ins Leben gerufen.

Ein besonderes Anliegen sei es, einen europäischen Qualifikationsrahmen zu schaffen, in dem acht verschiedene Abschluss-Levels vorgesehen sind, um die Abschlüsse vergleichbar
zu machen.

Dem lebenslangen Lernen misst die EU für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit einen besonders hohen Stellenwert bei. "Lebenslanges Lernen wird mithelfen, eine Spirale aus besseren Arbeitsplätzen und höherem Wachstum in Gang zu setzen", heißt es in dem Bericht. Man werde daher ein integriertes Programm für das lebenslange Lernen mit entsprechender finanzieller Vorsorge erarbeiten, sagte Gehrer. Die Kommission habe dafür 13,6 Mrd. € vorgesehen, ein endgültiger Beschluss könne aber erst dann
gefasst werden, wenn sich die EU-Staaten auf die finanzielle Vorausschau 2007 bis 2013 geeinigt haben. An dem Programm, das ab 2007 startet und das alle bisherigen Programme, wie ERASMUS oder LEONARDO, weiterführe, werden auch die EFTA-Staaten, die Beitrittsländer Rumänien, Bulgarien und Türkei, die Westbalkanländer sowie die Schweiz teilnehmen. Gehrer kündigte auch eine Ministerkonferenz zu diesem Thema im kommenden März an.

In der daran anschließenden Diskussion, an der sich die Abgeordneten Erwin Niederwieser, Christian Faul (beide S), Dieter Brosz (G), Wolfgang Großruck, Gertrude Brinek (beide V) sowie
Mares Rossmann (F) beteiligten, wurden zahlreiche Detailfragen erörtert.

Der gegenständliche Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis
genommen und im Ausschuss "enderledigt".

Sind statistische Daten wirklich vergleichbar ?

In der danach stattfindenden Aktuellen Aussprache zum Thema "OECD-Bildungsbericht" erörterte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer eingangs die wichtigsten Ergebnisse des Berichts. Dieser bescheinige Österreich ein hohes Bildungsniveau und stelle dem
Land hinsichtlich der Bildungsausgaben ein gutes Zeugnis aus. Das Betreuungsverhältnis Lehrer - Schüler sei sehr gut und an Österreichs Schulen werde relativ viel Unterricht geboten. Besonders positiv sei die Bewertung für die berufliche Ausbildung und Berufsorientierung ausgefallen. Hinsichtlich der
Akademikerquote habe Österreich noch etwas aufzuholen, sagte Gehrer, mit 16 % der Abschlüsse von Diplomstudien liege man
jedoch über dem OECD-Durchschnitt.

Bildung sei ein Schwerpunkt dieser Bundesregierung, weshalb das Budget kontinuierlich erhöht worden sei, hielt Gehrer fest. Den geringeren Anteil der Bildungsausgaben am BIP erklärte sie mit
der Tatsache, dass das BIP stärker gestiegen sei.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen dann einmal mehr die Ergebnisse von PISA-II sowie die Debatte über Vorteile und Nachteile eines differenzierten Schulsystems. So meinten die Abgeordneten Erwin Niederwieser, Christine Muttonen und Robert
Rada (alle S), trotz guter Kennziffern im OECD-Bericht seien die Ergebnisse keineswegs gut. Man solle daher die Tatsachen nicht schön reden. Auch verstärke eine frühe Differenzierung des Schulsystems den Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und
der schulischen Leistung. Eine frühe Selektion sei daher falsch.

Abgeordneter Dieter Brosz (G) replizierte auf ein Interview eines hohen Ministerialbeamten, wonach die tatsächlichen
Bildungsausgaben in Österreich geringer sind, da die Pensionszahlungen in die Statistik miteinbezogen würden. Auch Schülerfreifahrten oder Gratisschulbücher hätten weniger Einfluss auf die Unterrichtsqualität, seien aber wichtige soziale Maßnahmen, meinte Brosz. Der G-Abgeordnete kritisierte abermals scharf den sinkenden Anteil der Bildungsausgaben am BIP und bezeichnete den 20-Prozent-Anteil jener Schülerinnen und Schüler, die nicht sinnerfassend lesen können, als einen Alarm für das Bildungssystem. Er räumte aber ein, dass die Unterschiede
zwischen PISA-I und PISA-II nicht so groß seien, wie immer in den Medien dargestellt.

Daran knüpfte Abgeordnete Gertrude Brinek (V) an und wies auf die unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen beider Untersuchungen hin, was einen Vergleich unzulässig mache. Ausschussvorsitzender Amon (V) ergänzte, PISA-II weise schwere statistische Mängel auf. Darüber hinaus seien nicht alle Schülerinnen und Schüler berufsbildender Schulen getestet worden, sondern die Hälfte sei gewichtet worden. Man dürfe auch bei der Reihung nicht vergessen, dass diesmal mehr Länder teilgenommen haben. Sowohl Amon als auch Brinek gingen auf die Kritik am differenzierten Schulsystem ein.
So liege mangelnde Förderung keineswegs an der Schulorganisation, meinten sie, da in Deutschland jene Bundesländer mit differenziertem Schulsystem ein besseres Ergebnis erzielt hätten. Amon unterstrich jedoch die Wichtigkeit des Problems sozialer Selektion und legte Wert auf die Feststellung, das Schulsystem
habe soziale Ungleichheiten auszugleichen. Das könne jedoch durch die Reform im System selbst bewältigt werden, keineswegs würde
das Problem durch die Gesamtschule gelöst werden. Die Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen Schichten beginne aber bereits im Vorschulalter und im familiären Bereich.

Abgeordnete Mares Rossmann (F) sprach sich dafür aus, die Schule nicht immer krank zu reden, obwohl sicherlich noch viel zu tun bleibe.

Ähnlich reagierte Bundesministerin Elisabeth Gehrer auf die Wortmeldungen der Abgeordneten und meinte, viele Studien
bewiesen, dass die österreichische Schule gute Leistungen
erziele. Um die Qualität sicherzustellen und zu verbessern, seien Maßnahmen wie Lese-Screenings und die Erarbeitung von Qualitätsstandards gesetzt worden, wodurch es direkte Rückmeldungen für den einzelnen Schulstandort gebe. Förderstunden müssten zielorientiert eingesetzt werden. Gehrer gab zu, dass die Vergleichbarkeit von Daten stets hinterfragt werden müsste, und
sie habe die Notwendigkeit von gleicher Erhebungsbasis daher auch immer wieder auf EU-Ebene moniert. (Schluss)

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