Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Die rechten Anarchisten

SPÖ-Justizsprecher Jarolim tadelt das Fehlen vieler im Staatsvertrag vorgeschriebener zweisprachiger Ortstafeln. Er tut dies zu Recht. Ob das dabei verwendete Wort "Raubritter" passt, ist Geschmackssache. Nicht mehr bloße Geschmackssache ist es hingegen, Österreich deswegen als "Komik-Land" zu bezeichnen und überdies zu verschweigen, dass bisher auch alle SPÖ-Landeshauptmänner in Kärnten den gleichen Sinn für Komik gezeigt haben.

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Die SPÖ-Kandidaten für den ORF-Publikumsrat haben sich wieder geschlossen präsentiert. Sie werden auch wieder geschlossen in jenes Gremium einziehen, weil im Gegensatz dazu die vielen bürgerlichen Kandidaten nicht koordiniert agieren. Die SPÖ-Strategen zeigen damit Professionalität.
Vielleicht hätten sie aber auch ihren (schon etwas betagten) Kandidaten die gefährliche Drohung abtrainieren sollen, ausgerechnet mehr "Kaisermühlenblues" zu verlangen. Peinlich ist auch die Forderung nach weniger Wirtschaft im ORF: Was soll denn da noch abgebaut werden, wenn die einzige im Titel nach Wirtschaft klingende Sendung ohnedies ein reines Konsumentenmagazin ist? Oder will man sich einige unangenehme Fakten auch weiterhin nicht anhören müssen?

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In "Zur Zeit", dem Organ der Freunde von H.C.Strache, wird eine "Rechte Europa-Alternative" präsentiert. Man wolle keinen Zentralstaat, sondern ein Europa der souveränen Nationen. Lassen wir die Frage beiseite, wohin uns dieses Souveränitätsdenken gebracht hat. Lesen wir lieber weiter: "Dieses Europa soll allerdings nach außen hin mit einer starken gemeinsamen Stimme sprechen und sich insbesondere gegenüber den USA," (seit 1945 ist man sich ja rechts-und linksaußen einig, wer der Hauptfeind ist) "aber auch gegenüber der Dritten Welt und China behaupten können."
Widersprüchlicher geht‘s wohl nimmer, als Europa schwächen zu wollen und im selben Atemzug zu verlangen, dass Europa Stärke zeigt. Das ist, wie wenn Anarchisten nach Recht und Ordnung rufen.

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