Greenpeace fordert Herausgabe von Chemie-Geheimstudie

Wirtschaftsverbände setzen Österreichs Gesundheit aufs Spiel

Wien. (OTS) - Anlässlich der heutigen Sitzung des EU-Unterschusses im Nationalrat, bei der es um eine österreichische Position zur EU-Chemikalienpolitikreform REACH geht, beantragt Greenpeace die Herausgabe einer geheim gehaltenen Studie zu den Auswirkungen der geplanten EU-Chemikalienpolitik-Reform auf Österreich. Die Studie wurde von Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Wirtschafts-und Umweltministerium, der Arbeiterkammer und dem Fachverband der Chemischen Industrie in Auftrag gegeben. Greenpeace stellt heute eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz an das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium um die Herausgabe der Studie zu erwirken. Die Studie wurde 2004 als Entscheidungsgrundlage für eine österreichische Position zu REACH in Auftrag gegeben. Die Anfrage muss innerhalb eines Monats mit einem Bescheid beantwortet werden. "Es ist ein Skandal, dass auf Kosten der österreichischen Steuerzahler eine Studie erstellt wird, die geheim gehalten wird, weil die Ergebnisse den Auftraggebern nicht genehm sind", ärgert sich Greenpeace-Chemieexpertin Nina Thüllen: Die Umweltorganisation fordert die sofortige Veröffentlichung dieser Studie im Interesse der Gesundheit und Umwelt.

Die Studie untersucht Kosten und Nutzen der neuen EU-Chemikalienpolitik für Österreich. Für September 2005 war bereits ein Termin für die Veröffentlichung der Studie angesetzt, der jedoch mit der Begründung wieder abgesagt wurde, die Studie sei "noch nicht frei gegeben". Als wahren Grund für die Nicht-Veröffentlichung der Studie nannte der SPÖ-Umweltsprecher Kai Jan Krainer bereits im August, dass Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung mit den positiven Ergebnissen der Studie "unzufrieden" seien. Greenpeace geht davon aus, dass die Kernaussage der Studie ist, dass der volkswirtschaftliche Nutzen von REACH die Kosten für die Chemie-Industrie um ein Vielfaches übersteigt.

Die EU-Kommission hatte bereits 2003 eine Studie über die Auswirkungen von REACH abgeschlossen. In dieser wurden die Kosten für REACH (für toxikologische Untersuchungen, Anmeldekosten, etc.) für die kommenden elf Jahre auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt. Das sind pro Jahr 209 Millionen Euro oder umgerechnet rund 50 Cent pro EU-Bürger. 209 Mio. Euro sind nicht mehr als 0,04 Prozent des gesamten Jahresumsatzes der chemischen Industrie. Der Nutzen für die menschliche Gesundheit für die kommenden 30 Jahre wurde hingegen mit ca. 50 Milliarden Euro beziffert.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel. 0664-6126721.
Dipl.-Biol. Nina Thüllen, Chemieexpertin Greenpeace, tel. 01-5454580-36.

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