Morak: Das Erreichte ist Anlass für eine Politik des Optimismus

Dritter Band der Ministerratsprotokolle der Zweiten Republik, Kabinett Figl I präsentiert

Wien (OTS) - Gestern Abend wurde im Bundeskanzleramt der 3. Band
der Protokolle des Ministerrats der 2. Republik vorgestellt. Er umfasst den Zeitraum vom 17.7.1946 bis 19.11.1946. Staatssekretär Franz Morak bezeichnete die Edition als "nachhaltiges Gedächtnisprojekt und außergewöhnliches Zeitdokument, das in seiner Schärfe und Dichte Antworten auf Fragen geben kann, die uns heute bewegen." Morak unterstrich die Bedeutung der Quellensammlung für die österreichische Geschichtsforschung und versicherte seine Unterstützung für die Herausgabe der weiteren Bände über das Gedankenjahr hinaus.

Über das Gedankenjahr selbst zog Morak eine positive Bilanz. So haben alleine die beiden Ausstellungen im Schloss Belvedere und auf der Schallerburg rund 400. 000 Besucher verzeichnen können. Darüber hinaus wurde bei einer großen Anzahl von wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen versucht, die großen Entwicklungslinien der österreichischen Nachkriegsgeschichte nachzuzeichnen. Gleichsam als Lehre aus dieser Phase der eigenen Vergangenheit rief Morak zu einer "Politik des Optimismus" auf. Morak: "Wenn Österreich trotz schlechtester Ernährungs- und Versorgungslage 1946 Optimismus aufbringen konnte, so müssen wir uns heue berechtigter Weise fragen, ob angesichts des erreichten materiellen Wohlstandes heute Zukunftspessimismus und Zukunftsängste angebracht sind."

Der Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs Lorenz Mikoletzky dankte Staatssekretär Morak für die Unterstützung des Projekts und wies auf die Bedeutung der Edition von Ministerratsprotokollen hin, die nun die gesamte Zeit von 1848 bis zu Beginn der 2. Republik umfassen. Herbert Gottweis vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung bezeichnete die Edition als "wichtiges kulturelles Erbe Österreichs". Gertrude Enderle-Burcel wies in ihrer Darstellung auf einzelne Diskussionen in der Nachkriegszeit mit aktuellem Bezug hin. So wurde bereits 1946 die Entschädigung für verlorenes Mietrecht problematisiert. Einer Lösung wurde diese Frage aber er st in jüngster Zeit zugeführt. Enderle-Burcel erinnerte auch daran, dass 1946 eine mehrfache Teilung Österreichs für möglich gehalten wurde.

Professor Wolfgang Mantl schließlich ging in seinem Festvortrag auf die Bedeutung der ersten Nachkriegsjahre für die gesamte strukturgeschichtliche Werdung der 2. Republik ein. In diesen entwickelte sich die Republik zu einer "Solidargemeinschaft der Freien und Gleichen" und der Elitekonsens wurde allmählich zu einem Grundkonsens. Kritisch stellte Mantl fest, dass Österreich erst in den achtziger Jahren seine "Täterrolle" zu diskutieren begann nachdem zuvor ausschließlich die "Opferrolle" im Mittelpunkt des offiziellen Geschichtsbilds gestanden war. Mittlerweile sei man sich der "Ambivalenz" der österreichischen Rolle sowohl als Oper als auch der Täter deutlicher bewusst, so Mantl.

Staatssekretär Morak dankte dem gesamten Team der Edition der Ministerratsprotokolle, allen voran den Herausgebern, Frau Dr. Gertrude Enderle-Burcel, Dr. Rudolf Jerabek. Und Prof. Lorenz Mikoletzky, dem Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, unter dessen wissenschaftlicher Leitung die Edition der Protokolle erfolgt sowie den Bearbeitern des Bandes, Mag. Peter Mähner und Dr. Walter Menzel für deren engagierte Arbeit.

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