Dallinger Symposium: Lacina - Skandinavien als "Best-practice-Beispiel" für Alternativen zum Neoliberalismus

Nowotny - "Märkte brauchen Regeln"

Wien (SK) - "Es geht mir ungeheuer auf die Nerven, dass Spielräume kleiner Staaten kleingeredet werden" - gerade die skandinavischen Länder zeigten, dass es sehr wohl "Best-practice-Beispiele" und Alternativen zur neoliberalen Globalisierung gibt, betonte der ehemalige Finanzminister Ferdinand Lacina am Montagabend anlässlich des Festvortrags zum Thema "Alternativen zur neoliberalen Globalisierung" im Rahmen des 2.Internationalen Alfred Dallinger Symposiums im Bildungszentrum der AK. Ein Sozialstaat, der auf dem "gesellschaftlichen Konsens von Solidarität" beruhe, vermittle den Menschen Sicherheit - dies wiederum verhindere "Angstsparen", wodurch auch das Wirtschaftswachstum angekurbelt werde, so Lacina, der für Bildungsinvestitionen und für ein "nicht diskriminatorisches Bildungssystem" plädierte. "Märkte sind wichtige Steuerungselemente, aber sie brauchen auch Regeln", unterstrich der neue Vorstandsvorsitzende der BAWAG und Vizerektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Ewald Nowotny mit Blick darauf, dass regellose Märkte zu "Verarmung und sozialem Elend" führen. Der Neoliberalismus versuche, "alles in Ware zu transformieren", kritisierte die Politologin Claudia von Werlhof. Auch die EU betreibe eine Politik, wo das Primat "unendlichen Wachstums auf eine endliche Natur" treffe, so Werlhof. Die Podiumsdiskussion wurde von Eva Pfisterer moderiert. ****

Es gehöre in die Abteilung "Märchen von der Wirtschaft, dass Arbeitszeitverkürzung unaktuell ist", zudem müsse es möglich sein, dass Betriebe ihren Mitarbeitern freie Bildungszeiten für Weiterbildung zur Verfügung stellten, hob der ehemalige Finanzminister Ferdinand Lacina hervor. Faktum sei, dass "weniger Lohn und mehr Arbeit nur kurzfristige Entlastungen bringen", so Lacina mit Blick darauf, dass dies nicht die Konsumkraft erhöhe. Zu kritisieren sei, dass sich in den Firmenbilanzen nicht das "geistige Kapital und das so genannte Humankapital" wiederfänden - dies mache Entlassungen leichter. Die Verschwendung dieser Ressourcen sei ein "Hauptproblem in der Europäischen Union", zeigte Lacina die Probleme im Zusammenhang mit der hohen Arbeitslosigkeit auf.

Darüber hinaus gelte es, darauf hinzuweisen, dass die Qualität eines Standortes auch vom Wissen der Menschen abhängt - klar sei, dass in guten PISA-Ländern auch bessere Wettbewerbsfähigkeit und höheres Wirtschaftswachstum festzustellen sei, so Lacina mit Hinweis auf das Best-Practice-Beispiel Skandinavien, wo man den "Staat nicht verschlankt hat" - im Gegenteil: in diesen Ländern gebe es eine hohe Staatsquote. Die "gesellschaftliche Stabilität hängt davon ab, ob die Menschen den Eindruck haben, dass die Erträge der Arbeit gerecht verteilt sind", gab Lacina zu bedenken und erinnerte daran, dass es "viele Modelle zur Organisation von Ökonomie und Gesellschaft gibt".

Nowotny - "Neoliberalismus hat viel mit Sozialdarwinismus zu tun"

Der Neoliberalismus in seiner heutigen Ausprägung "hat viel mit dem Sozialdarwinismus" und seinem Motto "Der Stärkere hat Recht" zu tun, betonte der neue Vorstandsvorsitzende der BAWAG und Vizerektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Ewald Nowotny und verwies darauf, dass sich ökonomische Theorien "nicht linear entwickeln" - vielmehr gebe es immer "Gegenströmungen und Positionsveränderungen". Die EU solle einen "zivilisatorischen Einfluss" auf die Weltgesellschaft und die Kapitalmärkte ausüben, forderte Nowotny, der sich für eine Angleichung und Gleichberechtigung der WTO- und ILO-Regeln aussprach.

Von Werlhof - "Kapitalismus heißt, aus allen Dingen eine Ware zu machen"

"Kapitalismus heißt, aus allen Dinge eine Ware zu machen", übte die an der Uni Innsbruck lehrende Politologin Claudia von Werlhof Fundamentalkritik an der neoliberalen Globalisierung. Das Primat des Marktes und der "Kapitalismus mit patriarchalischem Charakter" führten zur "Vernichtung der Natur, zu Klimawandel und Genmodifikation" sowie "zum Raub am Eigentum an den Produktionsmitteln". Alternativen hierzu seien: Ein "freundliches Naturverhalten", die Erhaltung von Ressourcen sowie "egalitäre Verhältnisse statt pyramidiale Herrschaftsverhältnisse", zeigte Werlhof abschließend auf. (Schluss) mb

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