"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Beruhigungspille" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 22.11.2005

Wien (OTS) - Der ÖGB hat auf das Kreditdebakel und den Rücktritt des bisherigen Generaldirektors der Gewerkschaftsbank Bawag schnell reagiert. Die Bestellung von Ewald Nowotny zum Generaldirektor ist vor allem als politisches Signal zu verstehen: Der Universitätsprofessor war noch nie operativ in einer österreichischen Kommerzbank tätig, ist aber in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat. Nowotny wird den hochspekulativen Geschäften seiner Vorgänger ein rasches Ende machen. Das soll die Kunden beruhigen, bei deren Kreditanträgen penibel alle Sicherheiten geprüft werden. Im Ausland dagegen hat die Bawag munter drauflos spekuliert. Politisch war das Auffliegen der Refco-Affäre - möglicher Schaden immerhin mehrere hundert Millionen Euro - daher für den ÖGB und seine Mitglieder ein Schlag ins Gesicht.
Ganz freiwillig hat sich das Bawag-Management aber nicht dem "Casino-Kapitalismus" ergeben. Der ÖGB ist in schweren Finanznöten und daher auf die Erträge seiner Bankentochter angewiesen. Das verleitet zu risikoreichen Kreditvergaben, die hohe Erträge abwerfen - falls sie gutgehen.
Damit ist jetzt wohl Schluss. Da der ÖGB unter Mitgliederschwung leidet und keine neuen Einnahmequellen erschließen kann, ist nach dem Finanzdebakel der Bawag wohl ein rigoroser Sparkurs angesagt. Nowotny wird dafür zu sorgen haben, dass die Gewerkschaftsbank jetzt in politisch und wirtschaftlich ruhigeres Fahrwasser kommt.

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