WirtschaftsBlatt Kommentar vom 17.11.2005: Offener Sonntag: Jetzt kommt Bewegung - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Begonnen hat alles vor einer Woche mit einem Streitgespräch zwischen Handelsverband-Obmann
Stephan Mayer-Henisch und Angestellten-Gewerkschaftsboss Wolfgang Katzian im WirtschaftsBlatt: "Wenn ich sehe, dass Verkäuferinnen am Montagmorgen damit beschäftigt sind, die Fenster von den Nasenabdrücken der Touristen zu reinigen, die hinein wollen, dann sage ich: Das sind vertane Chancen", hatte der Unternehmervertreter die Diskussion eröffnet. Und der Gewerkschaftsvorsitzende überraschte mit Gesprächsbereitschaft: "Dass es in Wien keine Tourismusregelung gibt - und da können Sie fragen, wen Sie wollen - liegt nicht an der Gewerkschaft. Wir sind bereit, über so eine Regelung zu verhandeln." Zunächst reagierte die Politik auf die überraschende Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft: Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller regte an, reinen Familienbetrieben die Möglichkeit zu geben, am Sonntag aufzusperren. Und Wiens zuständiger Vizebürgermeister Sepp Rieder sieht zwar "momentan keinen akuten Bedarf" für eine Neuregelung, will sich dieser aber auch nicht strikt verschliessen. Eine weitere Liberalisierung sei freilich "nur gemeinsam mit beiden Sozialpartnern möglich".
Eine solche Einigung zeichnet sich jetzt ab. Denn die Wiener Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank, die bisher immer mit einer Umfrage aus dem Jahr 2002 argumentiert hatte, in der 84 Prozent der Händler gegen die Sonntagsöffnung votiert hatten, sieht nun offenbar auch Handlungsbedarf: Handel und Tourismus sollten sich an einen Tisch setzen und einmal festlegen, was sie wollen.
Der Handel hatte bekanntlich auch gegen die Öffnung an Samstag-Nachmittagen, die jetzt einen Grossteil der Gesamtumsätze generiert, seine Bedenken. Angesichts der allgemeinen Konsumzurückhaltung, der wachsenden Konkurrenz in der grenznahen Umgebung der Bundeshauptstadt und der Nachfrage durch Touristen, die in steigender Zahl Wien besuchen, sollte sich aber doch die Erkenntnis durchsetzen, dass Händler ihre Umsätze am besten zu dem Zeitpunkt und an jenen Orten machen, wann und wo die Kunden das wünschen.
Wir sind daher zuversichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis in Wiens Innenstadt am Montag nicht mehr die Nasenabdrücke der Touristen von den Schaufensterscheiben gewischt werden müssen. Die kommende Sommersaison wäre der beste Zeitpunkt für einen ersten Probelauf.

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