Siebzig Prozent Gift in Babyprodukten

Greenpeace: Pröll muss sich für EU-weite Verbote einsetzen

Wien (OTS) - Greenpeace hat heute, einen Tag vor der Abstimmung
zur neuen Chemikalienpolitik im EU-Parlament, Analysen von sieben Baby- und Kinderprodukten auf Risiko-Chemikalien veröffentlicht, darunter eine Wickelauflage, ein Regenschutz für Kinderwägen und mehrere Puppen. Die vorliegenden Ergebnisse sind mehr als erschreckend: Alle sieben Produkte enthalten stark gesundheitsgefährdende Substanzen.

Den negativen Rekordwert erreichte ein Hüpfball mit einem Anteil von rund siebzig Prozent des fruchtbarkeitsschädigenden Phthalat-Weichmachers DINP, der für Kleinkinder-Spielzeug bereits seit Jahren verboten ist. Das Hormongift Nonylphenol wurde in allen Produkten in überaus hoher Konzentration nachgewiesen, das aufgrund seiner fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften längst in Verruf geratene Bisphenol-A in vier Produkten. "Die Ursache für die hohen Giftwerte ist das Versagen der EU-Chemikalienpolitik. In Europa ist derzeit nicht einmal ein Mindestmaß an Sicherheit für Babyprodukte garantiert", stellt Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster fest. Die Umweltorganisation fordert von Bundesminister Pröll einen kompromisslosen Einsatz für rasche Verbote von besonders gefährlichen Chemikalien innerhalb der EU.

Greenpeace hatte im September sieben Produkte - drei Puppen, ein Quietschtier, eine Wickelauflage, einen Hüpfball und einen Kinderwagen-Regenschutz - bei den Firmen Leiner, Lutz, Interspar, Toys`R´Us und Gerngross gekauft und nach einer selbst durchgeführten Voranalyse auf PVC zu einer Analyse auf vier Schadstoffgruppen an ein niederländisches Speziallabor geschickt. Dieses wurde beauftragt, nach folgenden Chemikalien zu suchen: Phthalate (Weichmacher, u. a. fruchtbarkeitsschädigend), Nonylphenol und Bisphenol-A (beide Antioxidantien, Hormongift bzw. fortpflanzungsgefährdend), Blei (Stabilisator, nervenschädigend) und Cadmium (Farbstoff und/oder Stabilisator, krebserregend).

Der bei Toys`R´Us gekaufte Hüpfball führt die Negativ-Liste mit siebzig Prozent Anteil des Weichmachers DINP an, zwei Puppen enthalten mehr als dreißig Prozent dieses Gifts, und auch die Wickelauflage und der Regenschutz kommen auf über zehn Prozent. "Diese Weichmacher sind für Beißringe und Quietschenten schon seit Jahren EU-weit verboten", ruft Schuster in Erinnerung. "Für Wickelauflagen und andere Babyprodukte darf dieses Gift immer noch eingesetzt werden, und der Einsatz des Hormongiftes Nonylphenol in diesen Produkten ist ebenfalls verantwortungslos." Überrascht zeigt sich Schuster auch darüber, dass 2005 nach wie vor Blei und Cadmium in Spielzeug gefunden werden.

Die Ursache für das Problem liegt im Versagen der EU-Chemikalienpolitik. Morgen findet im EU-Parlament in Straßburg die erste Lesung zur Reform dieser Chemikalien-Richtlinie statt. Herwig Schuster: "Ich appelliere nachdrücklich an Österreichs EU-Parlamentarier: Stimmen Sie für eine Chemikalienpolitik, die es unseren Kinder ermöglicht, eine giftfreie Zukunft zu erleben." Und den Konsumenten rät Greenpeace: "Finger weg von riskanten PVC-Produkten", solange die besonders gefährlichen Chemikalien nicht EU-weit verbannt sind."

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Greenpeace, Attila Cerman
Mobil: 0664-3435354
Greenpeace, DI Herwig Schuster
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