Grossmann zu Frankreich-Krawallen: "Täter sind in Wahrheit Opfer"

Weg für soziale Politik freimachen

Wien (SK) - "Gewalt lässt sich durch nichts und niemanden rechtfertigen, wohl aber erklären und vorbeugen; diejenigen die heute als Täter dieser schrecklichen Gewalttaten verfolgt werden, sind in Wahrheit die Opfer", so SPÖ-Jugendsprecherin Elisabeth Grossmann am Mittwoch im Nationalrat zu den Krawallen in Frankreich. Die Jugendlichen seien Opfer einer Leistungsgesellschaft, die weder Chancengleichheit noch Chancengerechtigkeit biete, sagte Grossmann. "Seit dem Amtsantritt dieser unheilvollen Bundesregierung verliert Österreich nahezu alles, was uns im internationalen Vergleich ausgezeichnet und den sozialen Frieden gebracht hat", kritisierte Grossmann und forderte, sie auf, den Weg für soziale Politik freizumachen. ****

"Wenn Kinder die Unterrichtssprache nicht verstehen und keinerlei Förderung erfahren, sich auch emotional niemand mit ihren Problemen auseinandersetzt, dann ist menschliches Leid und soziales Elend vorprogrammiert", zeigte sich Grossmann überzeugt. In Frankreich habe sich über die Jahre ein Klassensystem etabliert: Jene, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder in Privatschulen, das Auffangbecken für den Rest sind die Ecole publique. Die Kinder würden so in völlig verschiedene Welten mit völlig verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten aufgeteilt, kritisierte die Jugendsprecherin. Dieses System schwebe auch der Bundesregierung vor, so Grossmann.

"Spätestens jetzt müssten jene, für die soziale Gerechtigkeit kein Wert an sich ist, kapieren, dass soziale Gerechtigkeit wenigstens eine Investition in die eigene Sicherheit ist", stellte Grossmann klar. In Österreich habe niemand einen Grund mit den Finger auf Frankreich zu zeigen, so Grossmann in Richtung Bartenstein. Dass es sich in Österreich noch nicht so zugespitzt habe, sei darauf zurückzuführen, dass Österreich keine ehemalige Kolonialmacht sei und nach wie vor die Bildungsoffensive der 70er Jahre nachwirke, unterstrich Grossmann.

"Im Jahr 2000 war Österreich noch das EU-Land mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit, bis heute hat sich diese verdoppelt", empörte sich Grossmann. Sie kritisierte außerdem, dass die Lehrstellenlücke immer größer geworden sei und in der Bildungspolitik ein "Kahlschlag" stattgefunden habe. Was es für die Jugendlichen bedeute, wenn man ihnen vermittelt, dass es für sie keinen Platz gibt, werde nun in Frankreich dramatisch vor Augen geführt: "Lernen wir daraus!", so Grossmann, die die Bundesregierung aufforderte, endlich den Weg für eine soziale Politik freizumachen. (Schluss) sk

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