Gusenbauer: Jugendarbeitslosigkeit - Soziale Bombe tickt auch in Österreich

Aktuelle Stunde zum Thema "Frankreich zeigt: Jugend braucht Bildung, Beschäftigung und Chancen"

Wien (SK) - "Die "soziale Bombe Jugendarbeitslosigkeit" ticke auch in Österreich. "Wir müssen die soziale Krise an den Wurzeln packen und der Jugend Bildung, Arbeitsplätze und Chancengerechtigkeit bieten, dann können wir gewalttätige Ausschreitungen wie in Frankreich vermeiden", erklärte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Mittwoch anlässlich der Aktuellen Stunde zum Thema "Frankreich zeigt:
Jugend braucht Bildung, Beschäftigung und Chancen" im Nationalrat. Auch wenn es die tiefe Krise, wie es sie derzeit in Frankreich gebe, in Österreich glücklicherweise noch nicht gibt, so seien dennoch auch bei uns bereits Bedrohungspotenziale zu erkennen, so Gusenbauer mit Verweis auf 62.000 arbeitslose Jugendliche in Österreich. Für den SPÖ-Vorsitzenden ist es "erschreckend", dass die Regierung aus PISA und den Warnzeichen aus Europa nicht die richtigen Schlüsse zieht. ****

Der SPÖ-Vorsitzende sieht insgesamt drei Ursachen für die Gewaltausschreitungen in den Pariser Vorstädten: Die hohe Arbeitslosigkeit, eine schlechte Bildung und geringe Perspektiven der Jugend sowie die Ghettobildung. Diese tiefe soziale Krise müsse erfasst werden, und Europa müsse seine Wirtschafts- und Sozialpolitik ändern. Auch wenn die Ausschreitungen erst auf einige Teile in Europa beschränkt seien, so solle dennoch niemand glauben, dass der Rest Europas immun ist. Wenn dieselben Gründe wie in Frankreich schlagend werden, könnten solche Ausschreitungen überall passieren.

"Wir in Österreich müssen daher verhindern, dass es zu einer solchen tiefen sozialen Krise kommt", fordert Gusenbauer. In der hohen Jugendarbeitslosigkeit ticke bereits eine "soziale Bombe". Immerhin seien heute 62.000 junge Menschen ohne Arbeit, um 25.000 mehr als noch vor fünf Jahren.

Ein weiteres Problem sieht der SPÖ-Vorsitzende im derzeitigen Schulsystem, das soziale Herkunftsunterschiede verstärke und das auf die PISA-Ergebnisse nicht adäquat reagiere. "Ein Fünftel der österreichischen 15-Jährigen kann nicht ordentlich lesen, ihre Chancen auf eine weiterführende Schule oder eine Lehre sind sehr gering. Dies ist ein Anzeichen, dass der soziale Aufzug nicht funktioniert", so Gusenbauer. Aufgabe der Politik sei es, die soziale Durchlässigkeit der Gesellschaft zu 100 Prozent zu garantieren. Zur Verdeutlichung der sozialen Ungerechtigkeit erklärte der SPÖ-Vorsitzende, dass ein Mädchen aus der Stadt, dessen Eltern beide Akademiker sind, eine 83-prozentige Chance auf eine akademische Ausbildung hat. Ein Bub vom Land, dessen Eltern Arbeiter sind, habe nur eine siebenprozentige Chancen auf eine akademische Bildung.

Gusenbauer forderte darum, dass die Politik Verantwortung übernimmt. "Wenn man die Probleme sieht, wie kann man dann die Begleitlehrer, die den Kindern beim Erlernen der deutschen Sprache helfen, streichen?", so der SPÖ-Vorsitzende mit Verweis darauf, dass in den letzten fünf Jahren 5.500 Pflichtschullehrerstellen in Österreich gestrichen wurden. "Dies ist sicher nicht der richtige Weg: Mit jeder Lehrerstelle, die Sie streichen, kürzen Sie auch die Chancen unserer Jugend", so Gusenbauer in Richtung Regierung. Die SPÖ unterstütze aus diesem Grund die Forderung der Landeshauptleute nach 800 zusätzlichen Begleitlehrern.

Für den SPÖ-Vorsitzenden ist es insgesamt "erschreckend", dass aus PISA und den Warnzeichen aus Europa nicht die richtigen Schlüsse gezogen werden. Die Schulpakete I und II würden an der Situation nichts ändern, was wieder einmal beweise, dass "der finnische Weg besser ist als der Gehrer-Weg". (Schluss) cs

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