- 15.11.2005, 10:42:53
- /
- OTS0093 OTW0093
AWI-Studie: Zuckerrübenbauern droht Existenz-Verlust
Zweistellige Einkommensrückgänge durch Reform erwartet
Wien (AIZ) - Jeder österreichische Rübenbetrieb könnte im
Durchschnitt 12,2% und im Extremfall sogar 20% seines Einkommens
verlieren, wenn die geplante EU-Zuckermarktordnungsreform in ihrer
derzeit vorliegenden Fassung beschlossen werden sollte. Das dürfte
innerhalb von fünf Jahren zu einem Ausstieg von einem Drittel der
Betriebe aus dem Rübenanbau führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im
Auftrag der österreichischen Rübenbauern von der Bundesanstalt für
Agrarwirtschaft (AWI) durchgeführte Studie, die erstmals am
10.11.2005 in Brüssel präsentiert wurde. Wie viele Betriebe nach
In-Kraft-Treten der Reform überhaupt aus der Agrarproduktion
aussteigen werden, sei jedoch noch nicht abzusehen, sagten der
Präsident der Rübenbauern, Ernst Karpfinger, und Geschäftsführer
Josef Pinkl gestern bei einem Pressegespräch. Auf alle Fälle zeige
die Studie aber, dass die Auswirkungen der Reform auf die
Betriebseinkommen viel deutlicher wären, als es die meisten erwartet
hätten.
Einkommensverlust EUR 4.300,- pro Rübenbetrieb
Im Durchschnitt dürfte der Einkommensverlust bei In-Kraft-Treten
der Reform EUR 4.300,- pro Rübenbetrieb betragen, was 12,2% des
Einkommens entspricht. Betriebe, die sich besonders auf den Rübenbau
spezialisiert haben, also mehr als 10% ihrer Agrarnutzfläche für
diese Kultur verwenden, würden nach der Reform EUR 7.000,- verlieren.
Die von der EU-Kommission in Aussicht gestellten
Kompensationszahlungen seien in diese Werte bereits inbegriffen, so
Karpfinger.
60%iger Einkommensausgleich unrealistisches Best-Case-Szenario
Gerade bei den spezialisierten Betrieben müsse man damit rechnen,
dass die 60%igen Kompensationszahlungen für die Preissenkungen im
Endeffekt nicht auch den gleichen Einkommensausgleich ergeben werden.
"60% ist ein Best-Case-Szenario, das unrealistisch ist. Die
Kommission negiert immer wieder, dass es mit einer
Kompensationszahlung für den Rübenpreis nicht getan ist", so Pinkl.
Wenn man die vielen Nebenkosten für Transport und Lagerung
miteinbeziehe, sinke der Einkommensausgleich - gerade bei
spezialisierten Betrieben - auf rund 40% hinunter.
Quoten sollen in Österreich gehalten werden
Insgesamt rechnen die Rübenbauern damit, dass Betriebe mit einer
Produktion unter 60 t Rüben pro ha nicht mehr konkurrenzfähig sein
werden. Heuer liege man auf Grund der Witterungsverhältnisse zwar
überall im Land darüber, jedoch gebe es bestimmte Lagen, die im
langjährigen Durchschnitt darunter lägen. Allerdings hofft man, die
Quoten für Österreich insgesamt halten zu können.
Für die Studie wurden insgesamt 291 buchführende Betriebe und 124
Arbeitskreisbetriebe herangezogen. Erstere wurden zur Berechnung der
Einkommensänderung herangezogen, da sie gerade im Hinblick auf die
Rübenanbaufläche und den Zuckergehalt Durchschnittsbetriebe
darstellen. Die Arbeitskreisbetriebe stehen vielmehr für die
spezialisierten Rübenbauern.
Karpfinger: Kämpfen um jedes Prozent weniger Preissenkung
Zwischen 22. und 24.11. wird das von der Generaldirektion
Landwirtschaft der EU-Kommission entworfene Reformpapier der
Beschlussfassung vorgelegt. Dieses wird - unter anderem wegen
geplanten Senkungen von 39% des Zuckerpreises und 42,6% des
Rübenpreises - von vielen Seiten als zu radikal kritisiert. Die
österreichischen Rübenbauern hoffen jedenfalls darauf, dass die
Preissenkungen nicht so dramatisch ausfallen werden. "Wir kämpfen um
jedes Prozent Preissenkung weniger", so Karpfinger. Insgesamt gibt es
in Österreich 9.500 Rübenbauern.
(Schluss) leith
Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:pressedienst@aiz.info
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ






