- 15.11.2005, 10:30:00
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LKW-Ladungen: Gut gesichert oder rollendes Risiko?
LKW rollen oft als tickende Zeitbomben über Österreichs Straßen, denn ihre Ladung ist häufig mangelhaft gesichert. Das KfV untersuchte wie es um Ladungssicherung wirklich steht.
Wien (OTS) - Täglich sind tausende LKW auf Österreichs Straßen
unterwegs und täglich passieren Unfälle, an denen Schwertransporter
beteiligt sind. Die oft tonnenschwere Ladung kann bei schlechter
Sicherung zu einem großen Risiko für alle Verkehrsteilnehmer werden.
Um festzustellen, wie gut gesichert LKW-Ladungen auf Österreichs
Straßen transportiert werden, führte das Kuratorium für
Verkehrssicherheit (KfV) eine Untersuchung durch. "Oft wird
unterschätzt, welche fatalen Folgen schlecht gesicherte Ladungen nach
sich ziehen können", berichtet Mag. Armin Kaltenegger,
Institutsleiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit.
Ladungssicherung als Unfallfaktor
Im Jahr 2004 ereigneten sich 4.337 Unfälle in Österreich mit
LKW-Beteiligung, bei denen 196 Menschen ums Leben kamen. Rund ein
Viertel aller Schwerverkehr-Unfälle sind auf mangelhafte
Ladungssicherung zurückzuführen. Und verloren wurden Ladungen oft: So
gab es im Jahr 2004 287 Ö3-Verkehrsmeldungen, in denen auf verlorenes
LKW-Ladegut hingewiesen wurde. Wenn man bedenkt, dass die
Fahrleistung des Schwerverkehrs von 2000 bis 2004 auf Autobahnen und
Schnellstraßen um 14 Prozent zugenommen hat, wird auch klar, welche
Gefahr LKW mit schlecht gesicherter Ladung für alle
Verkehrsteilnehmer bedeuten.
40 Prozent der LKW: Ladungssicherung mangelhaft
Das KfV führte mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr,
Innovation und Technologie eine Studie durch, in der 142 LKW auf
Ladungssicherung überprüft wurden. Das erschreckende Ergebnis: Bei 40
Prozent der untersuchten LKW wurden Mängel in der Ladungssicherung
festgestellt. In 35 Prozent der beanstandeten LKW war die Ladung gar
nicht gesichert, in 33 Prozent die Ladung falsch gesichert und in 32
Prozent zwar richtig, aber unterdimensioniert gesichert. Häufige
Fehler waren unzweckmäßige Freiräume zwischen den Ladungsstücken oder
zur Stirnwand und schlechte Stapelung. Bei sechs LKW war die Fracht
sogar so unprofessionell verstaut, dass die Lenker eine Anzeige
bekamen bzw. das Fahrzeug abstellen mussten. Sicherungsmittel waren
in rund 20 Prozent der mangelhaft gesicherten LKW entweder gar nicht
vorhanden oder kaputt und zerschlissen - das heißt eine
ordnungsgemäße Sicherung war in diesen Schwertransportern gar nicht
möglich. Besonders schlecht gesichert waren große Einzelstücke,
Rohre, Rollen und Fässer.
Schlecht ausgebildet
In der Regel haben weder Lenker noch tatsächlicher Belader eine
entsprechende Ausbildung im Bereich der Ladungssicherung. Nur etwa 30
Prozent der Lenker beladen ihre LKW selbst. Aber auch sie sind meist
nicht sehr versiert: Rund 70 Prozent aller befragten LKW-Lenker
hatten keine Schulung außerhalb der Fahrschule zum Thema
Ladungssicherung erhalten. Bei durchschnittlich etwa einer halben
Stunde Zeitaufwand für Ladungssicherung in der Fahrausbildung kann
das Wissen darüber daher nicht allzu groß sein.
Ausländische LKW schneiden besser ab
Ausländische LKW waren in der Untersuchung besser gesichert als
inländische. So gab es bei 36,6 Prozent der LKW aus dem Ausland
Beanstandungen, während es bei LKW aus Österreich sogar 46,1 Prozent
waren.
Informations- und Aufklärungsbedarf
Seit 1. Juli 2005 zählt nicht ordnungsgemäß gesicherte Ladung zu den
Vormerkdelikten. Somit erhält man neben der Geldstrafe von bis zu EUR
5.000 auch eine Eintragung ins Führerscheinregister. "Die
Exekutivbeamten wurden in den letzten Monaten intensiv zum Thema
Ladungssicherung geschult", berichtet Oberstleutnant Florian
Ladengruber von der Polizei Mistelbach. "Seit dem Sommer haben wir
drei bis vier Einsätze pro Monat mit dem Schwerpunkt
Ladungssicherung. Seither konnten wir erheblich mehr Mängel im
Bereich der Ladungssicherung feststellen." Und die Erklärungen der
LKW-Fahrer sind meist einfach und fatal: Ich fahre ohnehin vorsichtig
und habe es immer so gemacht. "Informations- und Aufklärungsbedarf
ist also jedenfalls gegeben", so Ladengruber. "Denn von falscher
Sicherung bis Überladung kommt alles vor."
Wie sichert man richtig?
Richtige Ladungssicherung beginnt mit dem geeigneten Fahrzeug.
Wichtige Kriterien dafür sind entsprechende Festigkeiten der
Laderaumbegrenzungen und Zurrpunkte in ausreichender Anzahl und
Belastbarkeit. Außerdem gibt es für bestimmte Ladungstypen besonders
ausgestattete Fahrzeuge. Der nächste Schritt ist eine gute Planung
der Beladung und Ladungssicherung. Ein Ladeplan muss auf die
Lastverteilung und Sicherungsmöglichkeiten - vor allem bei
Teilentladungen - Rücksicht nehmen. Die wirtschaftlichste
Sicherungsmethode (Blockieren, Niederzurren, Direktzurren) sollte
gefunden und entsprechend dimensioniert werden. Schließlich müssen
geeignete Zurrmittel (Zurrgurte, Zurrketten) und Hilfsmittel wie
Keile und Antirutschmatten verwendet werden. Damit die Fracht gut und
sicher ankommt.
Was muss getan werden?
"Wichtig ist es in Schulungen zu investieren", meint Kaltenegger. "Ab
September 2009 wird es eine neue Ausbildung für Berufskraftfahrer der
Klasse C geben. Ladungssicherung muss darin einen wichtigen
Stellenwert einnehmen!" fordert Kaltenegger. "Denn momentan wird für
Ladungssicherung etwa eine halbe Stunde Zeit investiert." Zusätzlich
zum Lenker sollten auch all jene Personen geschult werden, die die
LKW tatsächlich beladen.
Weiters fordert das KfV, dass Zulassungsbesitzer entsprechende
Sicherungsmittel zur Verfügung stellen müssen. Ansonsten wird die
Möglichkeit zur richtigen Sicherung von Vornherein genommen, weil den
Lenkern nicht zumutbar ist, Zurrmittel aus eigener Tasche zu
bezahlen.
Ein weiterer Appell des KfV ist die verpflichtende Einführung eines
Ladungssicherungsbeauftragten ab einer gewissen Firmengröße sowie die
Präzisierung der gesetzlichen Ladungssicherungsregelung. "ÖNORMEN und
EN NORMEN sollten für verbindlich erklärt und nicht klar formulierte
Sätze neu überdacht werden", meint Kaltenegger. Damit tickende
Zeitbomben entschärft werden.
Wien, 15.11.2005
Rückfragehinweis:
Mag. Katharina Kaschel Kuratorium für Verkehrssicherheit Marketing & Kommunikation Tel.: 05-77077-1906 E-mail: katharina.kaschel@kfv.at Schleiergasse 18 - 1100 Wien www.kfv.at
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