"Fotografierte Zeitgeschichte" im Parlament Erich Lessing zeigt Fotos von 1945 bis 1955 in der Säulenhalle

Wien (PK) - Bundeskanzler Leopold Figl mit Außenminister Karl Gruber und anderen Vertrauten rund um den Küchentisch im Herrgottswinkel von Figls Privatwohnung, Bundespräsident Adolf Schärf zu Fuß auf dem Weg in die Hofburg, Kriegsheimkehrer, die von ihrer Frau und ihren Kindern umarmt werden - das sind nur einige der Szenen, die der Fotograf und Zeitzeuge Erich Lessing in den unmittelbaren Nachkriegsjahren festgehalten hat. Nunmehr werden sie mit einer Reihe anderer Bilder aus den Jahren 1945 bis 1955 im Rahmen einer Ausstellung in der Säulenhalle des Parlaments gezeigt.

Bei den Bildern handle es sich um "fotografierter Zeitgeschichte", betonte Nationalratspräsident Andreas Khol anlässlich einer Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung, Lessing habe mit hervorragender Fotokunst die Geschehnisse der Nachkriegszeit begleitet.

Die Fotografien sind dem Bildband Lessings "Von der Befreiung zur Freiheit. Ein Photoalbum 1945 - 1960" entnommen und wurden bereits an der Stanford University in Kalifornien, im französischen Senat und in vielen anderen österreichischen Landeshauptstädten gezeigt. Jedes Bild habe zum Zeitpunkt des Erscheinens einen besonderen, aktuellen Wert gehabt, betonte Lessing, 50 Jahre später sei die Wertigkeit der Bilder jedoch völlig verschoben. Sie hätten historischen Charakter.

In diesem Zusammenhang zeigte sich Lessing auch in Bezug auf die aktuellen technischen Entwicklungen besorgt. Ein Foto sei etwas Anonymes und ohne Text nicht Einordenbares, meinte er, in der digitalen Welt würden Worte jedoch zunehmend verschwinden. Lessing ist überzeugt, dass Historiker in 50 Jahren Schwierigkeiten haben werden, die Welt von heute zurückzurufen.

Erich Lessing wurde 1923 in Wien geboren und konnte im Dezember 1939 nach Palästina flüchten. 1947 kehrte er nach Österreich zurück und wurde Fotoreporter bei der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press. Seit 1951 ist Lessing zudem Mitglied bei der Fotografen-Kooperative Magnum.

Lessing hat mehr als 40 eigene Kunstbücher publiziert und seine Fotografien in einem Archiv von über 30.000 großformatigen Farbdias gesammelt. Der Bildband "Von der Befreiung zur Freiheit", der auch Beiträge von Gerd Bacher, Alexander Giese, Hugo Pepper, Friedrich Steinbach, Ludwig Steiner, Peter Weiser und Karl Zemenek enhält, hat 252 Seiten und ist im "Verlag der Metamorphosen" erschienen. Unter dem Titel "From Liberation to Liberty" ist er auch auf Englisch erhältlich.

Die Fotoausstellung von Erich Lessing wird gemeinsam mit einer Ausstellung über die erste Nationalratswahl in der Zweiten Republik am 25. November 1945 und einer Präsentation des neuen APA-Digital-Archivs 1955-1985 in der Säulenhalle des Parlaments gezeigt und ist im Rahmen von Führungen zu folgenden Terminen zugänglich: 18. November, 15 Uhr bis 16 Uhr, 22. November 17 Uhr bis 18 Uhr, 23. November 15 Uhr bis 16 Uhr, 25. November 15 Uhr bis 16 Uhr. (Schluss)

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