Brandsteidl: Für eine Schule der Chancengleichheit

Wien (OTS) - "Dieses 2. Alfred Dallinger Symposion ist in
doppelter Hinsicht herausragend: Einerseits durch die hochkarätigen Vortragenden, andererseits aber auch, weil hier - ganz im Sinne einer Tradition des politischen Denkens sowie einer 'denkenden Politik' wie sie von Alfred Dallinger verkörpert wurde - Theorie und Praxis, Forschung und Politik miteinander verknüpft werden. Im Zusammenhang mit dem Leitthema Bildung bedeutet dies, dass bei dieser Tagung nicht allein eine 'Symptombeschau', sondern das Ergründen gesellschaftlicher wie ökonomischer Voraussetzungen von Bildung erfolgt, durch die die Skizzierung einer anderen Bildungspolitik überhaupt erst möglich wird. Eine der Hauptfragen der Konferenz lautet daher: Wie viel Staat und wie viel Markt soll es im Bereich der Bildung geben?", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl heute im Rahmen einer Pressekonferenz am Montag anlässlich des 2. Alfred Dallinger Symposions, das vom 21. bis 23. November in Wien stattfinden wird, fest.

Brandsteidl weiter: "Die jüngste PISA-Studie war ein Segen für die österreichische Bildungspolitik, brachte sie doch endlich Bewegung in die Debatte darüber, wie unser Schulsystem weiterentwickelt werden muss, um den Anforderungen der Gegenwart zu genügen. Dank PISA schien es für einen kurzen Moment möglich, dass unser immer noch dem 19. Jahrhundert verhaftetes Schulwesen den Sprung ins 21. Jahrhundert erfolgreich bewältigt. Voraussetzung dafür wäre eine intensive und ernsthafte Auseinandersetzung mit den PISA-Ergebnissen gewesen. Die österreichische Realität, konkret die bildungspolitische Realität dieser Bundesregierung sieht jedoch leider anders aus. So müssen wir heute resümieren, dass von dieser Regierung nicht nur wenige, sonder zumeist auch die falschen Schlüsse aus PISA gezogen wurden. Das Resultat: Das Kontinuum des nationalen österreichischen Schulwesen bleibt somit sein Anachronismus."

Brandsteidl warnte davor, bei den PISA-Ergebnissen nicht ausreichend zwischen den unterschiedlichen sozialen Bedingungen von Kleingemeinden, Kleinstädten und größeren Städten zu differenzieren. Im Unterschied zu solch 'spekulativem Zahlenlesen' mache es jedoch Sinn, die PISA-Zahlen einem sozio-ökonomischen Vergleich zu unterziehen. Eine solche Analyse sei etwa durch Univ.-Prof. Dr. Johann Bacher (Universität Linz) erfolgt. Bachers Analyse zeige klar, dass "auf den Punkt gebracht, nicht Schulstandort bzw. Schulstandortgröße Hauptdeterminanten von Abweichungen bei den PISA-Ergebnissen sind, sondern vielmehr Faktoren wie Geschlecht, Bildung der Eltern bzw. etwaige Migrationshintergründe statistisch signifikante Unterschiede ergeben. Konkret bedeutet aber das, dass die Politik aufgefordert ist, genau hier anzusetzen und die hieraus nötigen Schlüsse zu ziehen."

"Generell muss das Prinzip der Bildungspolitik lauten, durch schulpolitische Maßnahmen soziale Differenzen auszugleichen. Nur so nähern wir uns dem Idealziel der Chancengleichheit für alle SchülerInnen. Jedoch kann auf Länderebene nicht alles ausgeglichen werden, was durch falsche Strukturen im österreichischen Schulwesen verursacht wird. Deshalb: Wir brauchen eine massive Reform des Schulwesens. Die Eckpfeiler einer solchen Reform müssen eine gemeinsame Schule der 6- bis 15-jährigen, eine flächendeckende ganztägige Betreuung sowie eine vollakademische Lehrerausbildung für alle Lehrer an den Universitäten sein. Nur wenn wir diesen Zielen treu bleiben, werden wir unser Schulwesen nachhaltig verbessern können", so Brandsteidl abschließend. (schluss) ssr

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