Wehsely: Die verschwundenen Frauen sichtbar machen!

Weiterer Beitrag der Frauenstadträtin zum Gedenkjahr: Konferenz zum Verschwinden der Frauen während der NS-Zeit

Wien (OTS) - "Es ist mir ein großes Anliegen, auch jene Frauen sichtbar zu machen, die nach 1945 nicht mehr nach Österreich zurückgekehrt sind und den schmerzlichen und bis heute spürbaren Verlust aufzuzeigen, der durch das Verschwinden dieser Frauen entstanden ist", erklärte Wiens Frauenstadträtin Sonja Wehsely am Montag bei der Eröffnung einer Konferenz im Oberen Belvedere. Die von der Frauenabteilung der Stadt Wien (MA 57) veranstaltete Konferenz beschäftigt sich mit dem Verschwinden der Frauen während der NS-Zeit und ist ein weiterer Beitrag der Wiener Frauenstadträtin zum heurigen Gedenkjahr.

135.000 Menschen wurden von den Nationalsozialisten aus Österreich vertrieben. Nur knappe acht Prozent sind nach 1945 zurückgekehrt. Frauen wurden im Nachkriegsösterreich noch seltener zur Rückkehr aufgefordert als Männer. Die kurze demokratische Periode, in der Frauen das Wahlrecht und den Zugang zu höherer Bildung erreicht hatten, fand mit dem Austrofaschismus in den Jahren 1933/34 gewaltsam ein Ende. Im Exil fanden Frauen Möglichkeiten, unter erkämpften, aber doch freieren Bedingungen zu arbeiten und zu leben.

"Auch nach Kriegsende ist den vertriebenen Frauen großes Unrecht geschehen", gab Wehsely zu bedenken. "Man hat sie nicht oder viel zu spät zur Rückkehr aufgefordert. Frauen, die das KZ überlebt haben, haben weder die nötige menschliche noch berufliche Unterstützung erfahren und Widerstandskämpferinnen sind nicht oder erst sehr spät als Heldinnen anerkannt worden", so Wehsely. Als "ganz besonders" beschämend bezeichnete die Wiener Frauenstadträtin "das lange Schweigen über die Ermordung vieler Frauen in den KZs".

Frauen wurden nur vereinzelt und erst sehr spät mit Ehrungen oder Entschädigungen bedacht, ihre Geschichte wurde erst Anfang der 1980er Jahre Thema von Forschung und politischer Aufarbeitung. "Diese Aufarbeitung wurde und wird eher von einzelnen engagierten Frauen geleistet, die ihre Forschung in einen explizit politischen, feministischen und antifaschistischen Kontext stellten", so Wehsely.

In den letzten 60 Jahren sei sehr viel von und für Frauen erreicht worden, doch vielleicht wäre, wenn es diesen Bruch durch Austrofaschismus und NS-Gräuel nicht gegeben hätte, noch mehr möglich gewesen, so Wehsely. "In wichtigen Lebensbereichen haben heute Frauen noch immer nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer. Das wird deutlich am geringeren Einkommen, an der geringen Zahl von Frauen in Führungspositionen - oder daran, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach wie vor als Frauensache gilt. Ziel einer modernen Frauenpolitik in Wien ist es, dass Frauen selbstbestimmt und eigenständig leben können, auf der Basis einer zukunftsorientierten Ausbildung, mit eigenem Einkommen und einer eigenständigen Pension", so Wehsely abschließend. (Schluss) lac

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