Umweltdachverband, Alpenverein und Kuratorium Wald: Isel muss jetzt Natura 2000-Gebiet werden!

Wien/Innsbruck (OTS) -

  • Wissenschaftliche Studie belegt eindeutig: Isel ist nachzunominieren!
  • Beschwerde und Antrag auf Vertragsverletzungsverfahren beim Europäischen Gerichtshof wurde eingebracht!
  • Klare Absage an Kraftwerksprojekt in unmittelbarer Umgebung des Nationalparks Hohe Tauern/Tirol!

Jetzt steht es ein für allemal fest: "Die Isel muss in das europaweite Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 aufgenommen werden. Denn an diesem einzigartigen Wildfluss bestehen die bedeutendsten Vorkommen der Deutschen Tamariske in den österreichischen Zentralalpen", sagt Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes, der seit mehr als 4 Jahren auf die Nachnominierung der Isel drängt. Bereits im Jahr 2002 hatten Umweltdachverband, Kuratorium Wald, Oesterreichischer Alpenverein (OeAV) und der Verein zum Schutz der Erholungslandschaft Osttirol belegt, dass in Sachen Natura 2000 kein Weg an der Isel vorbeiführt. Doch die Beschwerden und Argumente der NGOs stießen in der Tiroler Landesregierung auf taube Ohren. 2003 hat dann die Europäische Kommission einen Nachnominierungsbedarf Österreichs für die Deutsche Tamariske festgestellt - wieder erfolgte keine Reaktion der Alpenrepublik. "Eine mir unverständliche Ignoranz, besteht doch die einhellige wissenschaftliche Auffassung, dass in ganz Österreich keine vergleichbar bedeutenden Vorkommen der Deutschen Tamariske wie am Lech und an der Isel bekannt sind", so Heilingbrunner. Bedeutende Vorkommen der Deutschen Tamariske Deshalb ließ der Umweltdachverband auch nicht locker und beauftragte gemeinsam mit dem OeAV eine umfassende wissenschaftliche Studie über die österreichweite Verbreitung der "Myricaria germanica", wie die Deutsche Tamariske in der Fachsprache heißt. Und diese Studie belegt ohne Wenn und Aber: Die Isel ist potenzielles Natura 2000-Gebiet und daher nachzunominieren! So schreibt Univ. Prof. Dr. Harald Niklfeld vom Institut für Botanik der Universität Wien in seinem Geleitwort zur Studie: "Überragende Bedeutung kommt einerseits den bekannten Beständen ... am Tiroler Lech zu, andererseits aber den Vorkommen an der Isel und ihren Zubringern in Osttirol. Diese Standorte sind aus wissenschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht von internationaler Bedeutung und daher unersetzlich, und müssen in ihren noch weitgehend natürlichen ökologischen Verhältnissen frei von Veränderungen bewahrt werden." "Die Bestände von Myricaria germanica an der Isel sind die mit Abstand bedeutendsten entlang eines naturnahen zentralalpinen Fließgewässers in Österreich", erläutert Mag. Helumt Kudrnovsky, der Autor der Studie. Insgesamt wurde auf 26 Flusskilometern entlang der Isel zwischen Matrei in Osttirol und Lienz eine Gesamtfläche von 12 ha dieser einzigartigen und absolut zu schützenden Pflanzenart festgestellt. "Die Vorkommen der Deutschen Tamariske an der Isel sind zumindest mit jenen am Lech vergleichbar, der bereits - nach größtem Druck durch die Europäische Kommission - als Natura 2000-Gebiet gemeldet wurde. Die Isel als für das Natura 2000-Netz aus wissenschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht unersetzliches Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung muss daher seitens der Republik Österreich bzw. der Tiroler Landesregierung nachnominiert werden", konstatiert Mag. Peter Haßlacher, Leiter der Abteilung Raumplanung/Naturschutz des OeAV. Jetzt ist die Europäische Kommission am Zug "Die Kommission hat vor einiger Zeit entschieden, dass die Republik Österreich ein weiteres Natura 2000-Gebiet zum Schutz der Deutschen Tamariske namhaft machen muss - da das nur die Isel sein kann, stellt deren Nichtnominierung einen Verstoß gegen Art 4 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie dar. Wir haben die Kommission daher auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen ersucht, die Natura 2000-Nominierung der Isel in Osttirol seitens der Republik Österreich/Tiroler Landesregierung nun endgültig einzufordern und ein entsprechendes Mahnschreiben an die Republik Österreich zu richten", sagt Andreas Tschugguel, Natura 2000-Rechtsexperte im Kuratorium Wald. Damit steht jedenfalls auch hinsichtlich etwaiger Kraftwerkspläne fest: "Eine energiewirtschaftliche Nutzung der Isel ist mit dem Schutz der ausgedehnten Tamarisken-Bestände klarerweise völlig unvereinbar", so Heilingbrunner, "denn damit würden sich die ökologischen Verhältnisse verändern und die letzten für die Zentralalpen repräsentativen Bestände verloren gehen". Klares NEIN gegen Kraftwerk Matrei-Raneburg Klare Worte findet Heilingbrunner auch in Bezug auf den Plan der TIWAG, in Matrei-Raneburg - in unmittelbarer Umgebung des Nationalparks Hohe Tauern - ein Pumpspeicherkraftwerk mit einem Stauraum von 50 ha Fläche und einer 90 Meter hohen Staumauer zu errichten. Der Bau eines solchen Kraftwerks wäre nicht nur im Sinn der FFH-Richtlinie und der EU-Wasserrahmenrichtlinie rechtlich problematisch. So ein Wahnsinnsprojekt hätte vor allem gewässerökologisch sehr negative Auswirkungen - große und nicht wieder herstellbare Naturverluste wären die Folge. "Der Umweltdachverband wird sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern mit allen Mitteln gegen den Bau eines Kraftwerks in Matrei-Raneburg wehren", so Heilingbrunner abschließend. Rückfragehinweis:

Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident Umweltdachverband (UWD) Tel.: 0664/381 84 62

Mag. Peter Haßlacher, Oesterreichischer Alpenverein (OeAV)
Tel.: 0676/84 44 53327

Andreas Tschugguel, Natura 2000-Rechtsexperte Kuratorium Wald Tel.: 0650/9402997

Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit UWD
Tel.: 01/40 113-21, http://www.umweltdachverband.at

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