Neue österreichische Studie zeigt: Individualisierte Therapie ist bei Hepatitis C die Zukunft

Wien (OTS) - Die Zwischenergebnisse einer österreichischen Studie, die am 13. November in San Francisco präsentiert wurden, zeigen, dass bei Hepatitis C Patienten vom Genotyp 1 oder 4 bereits eine 24-wöchige Kombinationstherapie mit Peginterferon Alfa-2a und Ribavirin ausreicht - falls das Virus nach 4 Wochen Therapie aus dem Blut eliminiert werden konnte. Dies traf auf 30% aller in der Studie aufgenommenen Patienten zu. Nach einem therapiefreien Beobachtungszeitraum von 24 Wochen lag bei 86% (TPP) dieser Patienten eine Dauerheilung vor.

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass in Zukunft mittels einer maßgeschneiderten, individualisierten Therapiedauer höhere Heilungsraten, verbesserte Lebensqualität für die Patienten und nicht zuletzt auch ein optimierter Einsatz von finanziellen Mitteln und Ressourcen erzielt werden können.

Die Zwischenergebnisse der österreichischen Studiengruppe, an der zur Zeit 17 Hepatitis-Zentren aktiv teilnehmen, sind letzte Woche vom Wiener Hepatitis-Spezialisten Univ.-Prof. Dr. Peter Ferenci vom AKH Wien anlässlich der 56. Jahrestagung der American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD) in San Francisco, USA, im Rahmen eines Vortrags vorgestellt worden. Dieser Kongress ist weltweit der bedeutendste Kongress auf dem Gebiet der Hepatologie.

Ziel dieser prospektiven Studie ist es, Aussagen hinsichtlich einer individualisierten und maßgeschneiderten Therapie für Patienten mit der schwierig zu behandelnden Hepatitis C vom Genotyp 1 oder 4, treffen zu können.

Diese Patienten werden nach den derzeit geltenden Therapierichtlinien zumindest 48 Wochen lang behandelt. Im Rahmen dieser Studie erhalten die Patienten eine Kombinationstherapie von Peginterferon alfa 2a (Pegasys(R), Hoffmann La Roche) und Ribavirin (Copegus(R), Hoffmann La Roche) und zwar je nach ihrer Ansprechgeschwindigkeit auf die Behandlung - für 24, 48 oder 72 Wochen.

Die Zwischenauswertung der Studie basiert auf Daten, die von 358 Patienten vorliegen. Sie zeigt, dass - so das Virus nach nur 4 Wochen Kombinationstherapie eliminiert werden konnte - 24 anstatt wie bisher 48 Wochen Therapiedauer für eine dauerhafte Heilung ausreichend sind. Bei 106 der 358 Patienten (30%) konnte ein derartig schnelles Ansprechen beobachtet werden. Eine Dauerheilung (SVR = kein Virus nachweisbar, auch am Ende einer 24-wöchigen therapiefreien Nachbeobachtungszeit) wurde bei 79% (ITT = intent to treat = % der SVR bei allen behandelten Patienten) bzw. 86% dieser Patienten (TPP = treated per protocol = % der SVR bei allen Patienten, die protokollgemäß die Therapie beendeten) erreicht. Bei Patienten mit dem Hepatitis C Genotyp 4 lag die Dauerheilungsrate sogar bei 100% (TPP).

Mit dieser prospektiven Studie konnte die österreichische Studiengruppe nicht nur eindrucksvoll ihre Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Hepatitis C-Therapie auf dem internationalem Podium erneut unter Beweis stellen, sondern auch einen großen Beitrag zur Erarbeitung von Richtlinien für eine auf den Patienten individualisierte, maßgeschneiderte Therapieoptimierung beitragen. Jeder Patient soll in Zukunft die Therapie für genau jenen Zeitraum erhalten, der zur Heilung seiner Erkrankung erforderlich ist. Univ.-Prof. Dr. Peter Ferenci erwartet sich durch diese individualisierte Therapie sowohl eine weit größere Therapietreue der Patienten und dadurch höhere Heilungsraten als auch eine Möglichkeit zur Optimierung des Kosten bewussten Umganges mit den vorhandenen Ressourcen.

Hepatitis C - die Fakten

Das Hepatitis C-Virus (HCV) wurde erstmals 1989 nachgewiesen. In Österreich sind nach Schätzungen von Experten rund 90.000 Personen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert, circa 70% davon mit dem Virusgenotyp 1.

Für eine Heilung entscheidend erweist sich die rechtzeitige Diagnose. Derzeit werden Hepatitis C Patienten meist nur durch einen Zufallsbefund entdeckt. Oft ist die Erkrankung dann schon so weit fortgeschritten, dass bereits Komplikationen aufgetreten sind oder gar schon irreparable Schäden vorliegen. Bei rund 80 Prozent der unbehandelten infizierten Patienten entwickelt sich nämlich eine chronische Leberentzündung, die die Leber nach und nach schädigt und letztendlich zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann. Hepatitis C ist die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation in Österreich.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass von den 90.000 infizierten Österreichern nur ein Drittel über ihre Infektion Bescheid wissen dürfte, da die Symptomatik der chronischen Leberentzündung zumeist uncharakteristisch und wenig spezifisch verläuft: Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Erbrechen sind meist die einzigen Anzeichen, die vom Patienten oft anderen Ursachen zugeschrieben werden.

Conclusio

Die Daten der Zwischenauswertung der Studie unterstreichen die Wichtigkeit der rechtzeitigen Diagnose einer Hepatitis C-Infektion und die Notwendigkeit einer möglichst frühzeitigen Therapie. Nur so können die Patienten vor den möglichen Langzeitfolgen einer chronischen Hepatitis C bewahrt werden.

Nach Beendigung der Studie erwartet man sich auch für die Auswertung der anderen Studienarme - bei 48 und 72 Wochen Therapie -hilfreiche Daten: Aus den daraus gewonnen Erkenntnissen soll die Lebensqualität der Patienten weiter erhöht und der Behandlungserfolg weiter optimiert werden können.

Folgende Österreichische Hepatitiszentren nehmen an der Studie teil:

OA Dr. Hermann Laferl, 4. Medizinische Abteilung, Sozialmedizinisches Zentrum Süd - Kaiser-Franz-Josef Spital, Kundratstraße 3, 1100 Wien

Dr. Andreas Maieron, 1. Interne Abteilung, A.ö. Krankenhaus d. Elisabethinen Linz, Fadingerstraße 1, 4010 Linz

Prim. Univ.-Prof. Dr. Harald Brunner, 1. Med. Abt. mit Gastroenterologie, Krankenhaus der Stadt Wien Lainz, Wolkersbergenstraße 1, 1130 Wien

Prim. Univ.-Doz. Dr. Michael Gschwantler,
4. Medizinische Abteilung, Wilhelminenspital der Stadt Wien, Montleartstraße 37, 1160 Wien

OA Dr. Rainer Hubmann, 2. Medizinische Abteilung, A.ö. Krankenhaus der Stadt Linz, Krankenhausstraße 9, 4020 Linz

Dr. Martin Bischof, 4. Medizinische Abteilung, Krankenanstalt der Stadt Wien Rudolfstiftung, Juchgasse 25, 1030 Wien

Dr. Michael Strasser, Landesklinik f. Innere Medizin I, St.
Johanns Spital/LKH Salzburg, Müllner Hauptstr. 48, 5020 Salzburg

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Stauber, LKH-Univ.Klinikum Graz, Medizinische Universitätsklinik, Auenbruggerplatz 15, 8036 Graz

Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Datz, Abt.f. Innere Medizin,
A.ö. Krankenhaus Oberndorf/Salzburg,
Paracelsusstr. 37, 5110 Oberndorf/Salzburg

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Vogel, Landeskrankenhaus -Universitätskliniken Innsbruck, Univ.-Klinik für Innere Medizin, Anichstraße 35, 6020 Innsbruck

Prim. Dr. Bernhard Bauer, Abteilung f. Innere Medizin, LKH Hörgas- Enzenbach, Hörgas 68 und 30, 8112 Gratwein

Prim. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Renner, Interne Abteilung,
A.ö. KH der Barmherzigen Schwestern Ried,
Schloßberg 1, 4910 Ried im Innkreis

OA Dr. Bernhard Stadler, 1. Interne Abteilung,
A.ö. KH der barmh. Schwestern vom heiligen Kreuz Wels, Grieskirchnerstr. 42, 4600 Wels

Dr. Barbara Bognar, Interne Ambulanz, Gesundheitszentrum Wien
Mitte der WGKK, Strohgasse 28, 1030 Wien

Univ.-Doz. Dr. Kurt Schütze, 1. Medizinische Abteilung, Hanusch- Krankenhaus, Heinrich-Collin-Str. 30, 1140 Wien

Prim. Univ.-Prof. Dr. Niessner, 1. Interne Abteilung und Endoskopiezentrum, A.ö. KH Wiener Neustadt, Corvinusring 3-5,
2700 Wiener Neustadt

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Univ.-Prof. Dr. Peter Ferenci
Klinik für Innere Medizin IV, Abt. Gastroenterologie und
Hepatologie, AKH Wien
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