"Mission und interreligiöser Dialog kein Gegensatz"

Erzbischöfe der fünf "Stadtmissions-Metropolen" diskutierten in Lissabon ueber Religion und Gewalt

Lissabon (KAP) - Lissabon, 12.11.05 (KAP) Mission und interreligiöser Dialog sind kein Gegensatz, betonten die Erzbischöfe der fünf "Stadtmissions-Metropolen" Wien, Paris, Lissabon, Brüssel und Budapest am Samstag bei einer Podiumsdiskussion im Jeronimos-Kloster in der portugiesischen Hauptstadt. Bei der Mission gehe es darum, das Evangelium nicht "aufzudrängen", sondern "vorzuschlagen", betonte Kardinal Schönborn.

Der Wiener Erzbischof sagte aber auch, dass Europa angesichts der

Religionskriege in seiner Vergangenheit nichts "verdrängen" dürfe. Die Notwendigkeit der Umkehr stelle sich immer wieder; ein Ausgangspunkt sei die "Reinigung des Gedächtnisses" nach dem Vorbild der "großen Vergebungsbitte" Johannes Pauls II. im Heiligen Jahr 2000.

Der Patriarch von Lissabon, Kardinal Jose Policarpo, betonte, dass die Gewalttätigkeit nicht ein religiöses, sondern ein soziales Phänomen sei. Es seien gerade die Religionen, die Brücken zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen bauen können. Im Hinblick auf den Dialog zwischen Christentum und Islam nannte Policarpo zwei Ebenen der Begegnung: die Mystik und den Einsatz für die Armen.

Auch der Erzbischof von Paris, Andre Vingt-Trois, wandte sich gegen die angesichts der Unruhen in den französischen Vorstädten wieder aufgetauchte These, dass die Religion die Ursache von Konflikt und Gewalt sei. Die Religion sei nicht "die Wurzel der Gewalt, sondern vielmehr ihr Heilmittel", so Vingt-Trois.

Ein weiteres zentrales Thema des Gesprächs der Erzbischöfe - das auf den Fragen junger Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Stadtmission in Lissabon beruhte - war die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen. Kardinal Godfried Danneels (Brüssel) sagte dabei, dass nicht nur die wiederverheirateten Geschiedenen leiden, weil sie die Kommunion nicht empfangen können, sondern auch die Bischöfe und Priester, weil sie diese Menschen nicht zur Kommunion zulassen können. Bei der jüngsten Bischofssynode sei dieses Thema oft zur Sprache gekommen. Danneels

unterstrich, dass die Kirche nach dem Vorbild Jesu die Unauflöslichkeit der Ehe lehren müsse, aber es müsse auch einen "Pfad der Barmherzigkeit" geben. Dies bedeute aber nicht, "jeden zur Kommunion zuzulassen". Wohl aber

gehe es darum, die wiederverheirateten Geschiedenen nicht allein zu lassen, sondern ihnen mit "christlicher Liebe" entgegenzukommen. Wörtlich meinte Danneels: "Es geht darum, die Schönheit der christlichen Ehe zu unterstreichen und gleichzeitig barmherzig zu sein".

In ähnlichem Sinn äußerte sich auch Kardinal Schönborn. Der Wiener

Erzbischof erinnerte insbesondere an die Situation der Kinder, die von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind. Die erste Sorge müsse diesen Kindern gelten.

Erzbischof Vingt-Trois betonte, dass die Kirche praktisch die einzige Institution sei, die in der Gesellschaft die dauerhafte Ehe als Basis der Familie verteidige und als kostbaren Wert darstelle. Kardinal Peter Erdoe (Budapest) stimmte dem zu, erinnerte aber auch daran, dass die Kirche mit ihrem Ideal von Ehe und Familie immer eine minoritaere Position vertreten habe, die im Gegensatz zu gesellschaftlich herrschenden Auffassungen stand.(forts mgl)

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