VB-Investmentbank ortet leichte Verbesserung der Investitionen im Euroraum

Export stützt Aufschwung, privater Konsum schwach

Wien (OTS) - Jüngste volkswirtschaftliche Daten der Eurozone
deuten auf einen leise anspringenden Investitionszyklus hin, während der private Konsum weiter schwächelt. Das analysiert die VB Investmentbank (VBIB) in ihrem soeben erschienenen Finanzmarkt-Wochenkommentar.
Die deutsche Industrieproduktion ist im September um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Zusammensetzung des Wachstums bestätigt das Bild eines exportgetriebenen Aufschwungs: Während die Investitionsgüterproduktion um 2,8 Prozent zulegte, sind die Verbrauchsgüter nur um 1,4 Prozent gestiegen. Die dauerhaften Konsumgüter wiesen einen Produktionsrückgang von minus 3,3 Prozent auf. Der Rückgang des realen Einzelhandelsumsatzes der Eurozone im September weist in dieselbe Richtung. Das aktuelle Gutachten des Sachverständigenrates schreibt diese Situation ins Jahr 2006 fort:
Die "fünf Weisen" erwarten in Deutschland nur 1 Prozent Wachstum, wobei die privaten Konsumausgaben um 0,2 Prozent sinken sollen. Für die Eurozone insgesamt ist der SVR mit einer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent für 2006 deutlich optimistischer.
Die Produzentenpreise der Eurozone haben im September im Monatsvergleich mit 0,5 Prozent weiter zugelegt, die Jahresrate beträgt 4,4 Prozent.

Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche um rund fünf US-Dollar je Barrel zurückgegangen. Gründe dafür waren das vergleichsweise warme Wetter sowie die Veröffentlichung höherer Lagerbestände in den USA. Der Ölpreis verzeichnete damit ein Viermonatstief. In den volkswirtschaftlichen Daten der letzten Woche hat sich diese Entspannung natürlich noch nicht auswirken können.

Trotz des niedrigeren Ölpreises wird am Euro-Geldmarkt weiterhin mit einer baldigen Straffung der Geldpolitik gerechnet. Der Dreimonats-Euribor liegt seit Mittwoch wieder über 2,3 Prozent. Dieser Wert war zuletzt im Mai 2003 verzeichnet worden, als der EZB-Leitzins noch 2,5 Prozent betrug. Mit den kurzfristigen sind auch die Kapitalmarktzinsen weiter angestiegen: Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe liegt nun wieder über 3,5 Prozent.
Der Dollar war in der vergangenen Woche sehr stark und erreichte gegenüber dem Euro ein neues Zwei-Jahres-Hoch unter 1,17. Selbst die deutlich verschlechterte US-Handelsbilanz, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, konnte dem Dollar nur kurz schaden.

Da in der kommenden Woche die Inflationsrate für die Eurozone voraussichtlich nach unten korrigiert wird und auch der Ölpreis eine gewisse Entspannung in der Preisentwicklung andeutet, rechnet die VBIB für kommende Woche mit einem Abflauen des Zinsauftriebs und weiter mit einem starken Dollar. Dies, da auch die Eurowachstumsrate für das dritte Quartal, die am Dienstag veröffentlicht wird, kaum auf eine starke Konjunkturdynamik in der Eurozone hinweisen dürfte.

Abgesehen von der belasteten Versicherungsbranche haben auch in der abgelaufenen Woche die europäischen Unternehmen mit ihren Quartalsdaten überwiegend positiv überrascht oder die Erwartungen bestätigt. So vermeldete etwa das DAX-Unternehmen Bayer für das dritte Quartal einen Gewinnsprung und hob seine Prognose für das Gesamtjahr an. DaimlerChrysler profitierte vom Verkauf seiner letzten Anteile an Mitsubishi. In Wien verzeichnete Andritz eine deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerung im ersten Dreivierteljahr 2005. Und Böhler-Uddeholm steuert 2005 auf ein Rekordjahr zu: Die Steigerung von Umsatz und Gewinn hat auch im dritten Quartal sowohl die eigenen als auch die Erwartungen der Analysten bei weitem übertroffen. Entsprechend dieser guten Vorgaben von Unternehmensseite haben es die Aktienmärkte gut verkraftet, dass sich die Erwartungen auf höhere Zinsen in der vergangenen Woche eher noch verdichtet haben. Deutliche Kurssteigerungen blieben nach den starken Gewinnen der vorletzten Woche aber aus. Für die kommende Woche erwarten wir eine weitere leichte Festigung.

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