Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Wien (OTS) - Provinzler und Elefanten

Dass künftig bei der Sozialversicherung kein Unterschied nach dem Geschlecht gemacht werden darf, ist logisch und o. k. Nicht logisch ist aber das zugrundeliegende Gesetz: Wieso bekommen überhaupt Lebensgefährten eine Gratis-Sozialversicherung, und zwar auch dann, wenn sie keine eigenen Kinder haben? Dies auf Kosten der Allgemeinheit und auf Kosten von Schulden, die dann später die anderswo erzeugten Kinder zahlen müssen.

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Edmund Stoiber hat noch immer nicht begriffen, dass seine Zeit vorbei ist. Das ist sie aber längst. Die Lage Deutschlands ist zu ernst, als dass der alte Bayern-Kurs der provinziellen Stänkerei noch eine Zukunft hätte. Der ist ebenso vorgestrig wie Oskar Lafontaine, der mit hohlen Ideologiesprüchen aus politologischen Seminaren der 70er Jahre vorgibt, Antworten auf aktuelle Fragen zu haben.

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Nur in Österreich bleibt die Lage heiter: Dort hat man offenbar keine anderen Sorgen als zwei Schläge, die ein Schönbrunner Elefant bekommen hat.

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In Österreich gibt es auch eine Innenministerin, die glaubt, dass Unruhen wie in den französischen Ghettos unmöglich wären. Da hat wohl eher Alfred Gusenbauer recht, der solche überall für möglich hält. Und er hat auch recht, dass Jobs die beste Strategie dagegen sind. Jetzt muss er nur noch begreifen, dass die verteufelte neoliberale Politik (zu der ja auch linke Parteien gefunden haben, wie in Großbritannien, Schweden oder Neuseeland) die beste Strategie zur Job-Produktion ist.

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Wie entstehen Ghettos? Einer der meistverbreiteten Irrtümer ist, dass die Ghettos in Frankreich, England oder Amerika bewusst geschaffen worden sind. Es ist aber so, dass die Weißen einfach wegziehen, sobald irgendwo Schwarze oder Moslems wohnen. Und in Wien? Da sagt mir nun eine junge Frau, die sich bisher immer über Fremdenfeindlichkeit erregt hat: "Mir reicht's, ich ziehe (aus dem Brunnenmarkt-Viertel) weg." So entstehen Ghettos.

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