Fast track surgery stellt Dogmen auf den Kopf

5. Österreichischer Chirurgentag, 18./19.11.2005, Magna Racino, Ebreichsdorf

Wien (OTS) - Fast track surgery - die neue, aus Skandinavien stammende Methode - bricht mit chirurgischen Traditionen: Kurze präoperative Nüchternheit, Opiat sparende Narkose- und Schmerzmittel, neue Schnittführung bzw. minimal invasive Chirurgie sowie proteinreiche Ernährung und Mobilisierung des Patienten 6 Stunden nach der Operation. Entlassung (z.B. nach Dickdarm-OP) am dritten bis fünften postoperativen Tag.

Vorteile: Reduktion postoperativer Komplikationen durch Vermeiden von Nüchternheit und langen Liegezeiten, Morbidität und Mortalität deutlich geringer.

Voraussetzungen: Völliges Umdenken, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Anästhesisten, Chirurgen, Pflegepersonal und Patienten, ökonomische Neubewertung der medizinischen Leistungen durch die Gesundheitspolitik.

"Fast track Chirurgie als interdisziplinäre Herausforderung" steht im Mittelpunkt des am 18. und 19. November 2005 stattfindenden 5. Österreichischen Chirurgentag. Erstmals wird der Kongress interdisziplinär vom Berufsverband österreichischer Chirurgen (BÖC), und den Österreichischen Gesellschaften für Chirurgie (ÖGC), für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) und dem Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband veranstaltet.

Perioperative Nüchternheit schwächt Patient zusätzlich

"Jede Operation stellt für den Patienten eine außergewöhnliche Stresssituation dar. Dabei freigesetzte Stresshormone und die
- manchmal über Tage dauernde - Nüchternheit schwächen den Patienten. Körperliche Abgeschlagenheit, Müdigkeit durch langes Liegen führen nicht selten zu postoperative Komplikationen wie Darm-, Kreislauf-und Lungenproblemen", so Prim. Dr. Franz STÖGER, Chirurg und Präsident des (BÖC). "Bei der Fast track Methode wird der Patient -ähnlich wie ein Marathonsportler - durch Aufklärung, Kohlehydrat reiche Kost am Vortrag und Verabreichung eines Kohlehydrat reichen Getränks bis zwei Stunden vor der Operation versorgt und 6 Stunden nach der Operation wieder mobilisiert" erklärt Stöger.

Bisherige Erfahrungen zeigen, dass durch die rasche Mobilität und Selbständigkeit des Patienten neben der deutlichen Reduktion postoperativer Komplikationen die Lebensqualität wesentlich verbessert wird.

Geringe, schonende Narkose und optimale Schmerzbehandlung

Primäres Ziel von Fast track surgery ist die deutliche Beschleunigung des perioperativen Ablaufes durch neue Formen regionaler Anästhesie, zur Verminderung des operativen Schmerzes und dadurch geringerem Narkosemittelverbrauch und das Handling von neuen, kurz wirksamen und gut steuerbaren Medikamenten zur Schlafinduktion und zum Aufwachverhalten sowie Ausschaltung des Schmerzes.

"Eine interdisziplinäre Herausforderung und ein deutliches Mehrengagement für das aus Anästhesisten, Chirurgen und Pflegepersonal bestehenden Teams" ortet Prof. Dr. Claus-Georg Krenn, Anästhesist und Intensivmediziner am AKH Wien: "Schmerz nach einer Operation ist nicht zur Gänze vermeidbar, er kann jedoch durch wirkungsvolle, Opiat- und Narkoseformen stark reduziert werden. Flüssigkeitssparende Narkoseformen vermeiden die nach Bauchoperationen häufig auftretende Übelkeit und das damit verbundene Erbrechen, der Patient kann sehr rasch mobilisiert werden".

Darm schonende Ernährung 6 Stunden nach Narkose

Ergänzt wird die postoperative Rehabilitation der Fast track Methode durch neue Ernährungskonzepte: Bereits 6 Stunden nach der Operation wird der Patient mit Darm schonender, proteinreicher Ernährung, versorgt und erstmals mobilisiert!

Rund 50 Prozent aller Operationen mit Fast track surgery durchführbar

Schätzungen von Anästhesisten und Chirurgen zu Folge wären etwa 50 Prozent aller Operationen mit Fast track surgery durchführbar:
"Strukturelle und gesundheitspolitische Voraussetzungen dafür sind zu schaffen" zählt Stöger diese auf: "Ein Eckpfeiler des Gesamtkonzeptes ist der Pflegebereich, dieser ist neu zu strukturieren, Schulung und Weiterbildung im pflegerischen und ärztlichen Bereich sind Voraussetzung für Umsetzung und das Gelingen. Einsparungen ortet Prim. Stöger im Intensivmedizinischen Bereich: Derzeit verbringen Patienten nach großen Bauch- od. Darmoperationen im Schnitt bis zu 2 Tagen auf einer Intensivstation, dem gegenüber bei der Fast tracking Methode 2 Stunden auf der Aufwachstation. Durch den Verzicht auf die Gabe großer Mengen an Infusionen kommt es zu weiteren Einsparungen.

Leistungskatalog ist neu anzupassen!

Laut ÖBIG gab es 2004 rund 7500 Darmoperationen in Österreich. Derzeitiger Mittelwert eines Spitalsaufenthalts nach einer Darmoperation: zwischen 11 und 31 Tagen, wofür der Krankenhausträger, z.B. in NÖ (nach dem 11. Tag) rund 7600 Euro Kosten erstattet erhält. Wird ein Patient jedoch nach 6 Tagen entlassen - bei Fast track surgery möglich - erhält das Krankenhaus derzeit nur rund 5500 Euro. "Kein Primar kann es sich leisten" so der erfahrene Primar und Standespolitiker Stöger, "Patienten am fünften Tag zu entlassen und die Betten seiner Abteilung leer stehen zu lassen".

Daher appelliert Stöger an das Gesundheitsministerium und den Hauptverband, den LKF Leistungskatalog "neu zu überdenken und die Gesundheitspolitik an die Leistungen im Sinne einer verbesserten Qualität für die Patienten anzupassen".

Rückfragen & Kontakt:

Prim. Dr. Franz Stöger, Präsident
Berufsverband österreichischer Chirurgen (BÖC)
Mobil: 0664/3400915

Univ.Prof.Dr. Claus-Georg Krenn
Abt.f. Anästhesie und Intensivmedizin, AKH Wien
Mobil: 0664/3803024

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W. Meyer-Lange
Mobil: 0676 549 51 45

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