Keine e-Card, keine Pension, keine Selbstbestimmungsrechte!!!???

Menschen mit intellektueller Behinderung organisierten ihren eigenen Kongress

St. Pölten (OTS) - Heute Mittag endete in St. Pölten der "6. Kongress der Lebenshilfe Österreich von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung", der diesmal unter dem Motte "SELBSTBEWUSST - ICH BIN MIR WICHTIG" von der Lebenshilfe Niederösterreich durchgeführt wurde. Der Kongress, der im Auftrag der Lebenshilfe Österreich alle 2 Jahre durch ihre Mitglieder ausgerichtet wird, besitzt bereits Tradition und führte durch das erfreuliche Engagement allerdings wieder einmal deutlich vor Augen, dass der Öffentlichkeit und vielen Entscheidungsträgern noch immer nicht ausreichend bewusst ist, welche Leistungen Menschen mit intellektueller Behinderung erbringen können und welche wesentlichen sozialen Grundforderungen ihnen noch verwehrt sind. Die Teilnehmer und Organisatoren stellten nach intensiven Vorbereitungen und den über zwei Tage verteilten Workshops ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vor.

Die Themen wurden selbst ausgewählt

Die SelbstvertreterInnen und die Mitglieder des Komitees betonten, dass auf diesem Kongress weniger Forderungen auf der Tagesordnung standen als das Wahrnehmen des Erreichten. Der Kongress wurde wie die vorhergehenden von den Menschen mit intellektueller Behinderung selbst mitgeplant und mitgestaltet. Vom 2. bis 4. November berieten Menschen mit intellektueller Behinderung gemeinsam mit Fachleuten Fragen zu Selbstbestimmung, zur angemessenen Bezeichnung von Menschen mit Behinderungen, zur Mitbestimmung innerhalb der Organisationen, in denen sie leben und arbeiten, zur Teilhabe am öffentlichen Leben und zu sozialen Kernthemen wie Wohnen, Entlohnung, Alter und Pensionsanspruch.
Beim Kongress wurde für Begleiter zudem die Arbeitsgruppe "Wir stehen vor veränderten Aufgaben" organisiert, in der das veränderte Anforderungsprofil an "Begleiter", "Assistent", "Betreuer" beraten werden konnte.

Klare Forderungen als Ergebnis

Als klare Forderungen wurden laut: Selbstbestimmung bei Ort und Art des Wohnens - auch im Alter, eine Abschaffung des für die Betroffenen diskriminierenden Begriffes "geistige Behinderung", bedarfsorientiertes Grundeinkommen und leistungsangepasstes Gehalt statt eines Taschengeldes und sozialversicherungsrechtliche Dienstverhältnisse. Als eindeutig diskriminierend wird auch empfunden, dass es für Menschen mit Behinderung im Rahmen der Sozialhilfe keine e-Card gibt.

Selbstbewusstsein bedeutet auch, Bürger-Rechte wahrzunehmen und einzufordern

Mag. Albert Brandstätter, Geschäftsführer Lebenshilfe Österreich, verwies bereits bei der Eröffnung des Kongresses am 2. November auf die gesellschaftspolitische Bedeutung dieser Veranstaltung durch eine Interessenvertretung, die immerhin ca.10.000 Menschen mit Behinderungen vertritt und etwa 4.000 MitarbeiterInnen beschäftigt und zollte seinen Respekt vor den erbrachten Leistungen des benötigten Eventmanagements durch die beteiligten Menschen mit Behinderung.

"Selbstbewusstsein bedeutet auch, Bürger-Rechte wahrzunehmen und einzufordern", betonte Brandstätter. "Wir alle sind Bürgerinnen und Bürger dieses Staates. Das heißt: Uns allen gebühren Rechte. Diese Rechte haben uns Eltern und Vorfahren mühsam erarbeitet, sie gehören uns und werden nicht aus Gnaden gewährt. Sie gehören uns, weil wir Bürger mit Rechten sind!" ermutigte er die Teilnehmer zur Wahrung ihrer Chancen im Sinne eines notwendigen Empowerments.

"Dazu gehört auch die Debatte der Lebenshilfe Österreich um die angemessene Bezeichnung von Menschen mit Behinderungen. Es ist das Recht von Menschen, eine Bezeichnung zu wählen oder zu akzeptieren, die nicht diskriminierend oder verletzend ist", ergänzt Univ.-Prof. Dr. Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich.

Es fehlt "nur noch" das Engagement der Öffentlichkeit

Andreas Zehetner, Wohngruppensprecher der Lebenshilfe in Mödling, hatte vor dem Kongress seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, gute Ergebnisse mit nach Hause nehmen zu können. Aufgrund der Abschlussveranstaltung kann man den OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen in diesem Sinne gratulieren. Ihre sorgsam erarbeiteten Überlegungen bedürfen nun "nur noch" des Erfolges durch die Teilnahme der Öffentlichkeit und durch das Engagements der politischen Vertreter.

Rückfragen & Kontakt:

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Tel.: 0676/6691147

Lebenshilfe Österreich
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