6. Kongress der Lebenshilfe Österreich von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung geht in St. Pölten zu Ende

Wien (OTS) - 150 Menschen mit Behinderung aus ganz Österreich und ihre Assistenten haben vom 2. bis 4. November 2005 in St. Pölten ihren 6. Kongress zum Thema "Selbstbewusst - Ich bin mir wichtig" abgehalten.

Dabei wurden die Forderungen der vergangenen Kongresses überprüft, aber auch neue Themen aufgenommen und diskutiert.
Als roter Faden durch alle Arbeitsgruppen des Kongresses hat sich eben dieses in den letzten Jahren gewonnene Selbstbewusstsein gezogen.

Menschen mit Behinderung zeigen Selbstbewusstsein durch Mitbestimmung in den Organisationen im Großen wie im Kleinen, das wird durch Sprechersysteme gewährleistet. Das sind gewählte Vertreter einer Werkstätte oder Wohngruppe.

Sie wollen selbst bestimmen wo und wie sie wohnen. Auch im Alter möchten sie solange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Zitat:" Ich will sterben können wo ich will, dann weiß ich wen ich bei mir habe."

Dem Wunsch nach Dabeisein wird entsprochen, indem es eine Vielzahl an Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung gibt, sie am Berufsleben teilhaben und auch in der Freizeit aktiv dabeisein können. Beispiel Projekt Yo - Ybbstaler Fruchtsäfte wo Menschen mit Behinderung arbeiten, Theater am Steg und IBB als Ausbildungsmöglichkeiten, die freiwillige Feuerwehr Oed als Beispiel im Freizeitbereich. Wobei den Menschen mit Behinderung klar ist, dass sie selbst Initiativen dazu setzen und damit auch Pflichten übernehmen müssen.

Sie zeigen Selbstbewusstsein, äußern ihre Wünsche, sagen was sie möchten, veranstalten Kongresse und bringen ihre Themen selbst ein. Dazu gehört auch, dass sie den Begriff "Geistige Behinderung" ablehnen, da er ihnen diskriminierend erscheint.

In Diskussionen wird auch der Begriff Taschengeld, das Menschen mit Behinderung in den Werkstätten erhalten besprochen. Er wird abgelehnt, da er keineswegs ihren Leistungen und ihrem Engagement entspricht und an Kinder erinnert. Die Höhe des so genannten Taschengeldes ist dzt. von Bundesland zu Bundesland verschieden, eine Angleichung wird gewünscht. Ebenso wurde über ein bedarfsorientiertes Grundeinkommen und über leistungsangepasstes Gehalt und über sozialversicherungsrechtliche Dienstverhältnisse diskutiert, um in Pension gehen zu können, wie andere Menschen auch.
Diskriminierend wird auch empfunden, dass es für Menschen mit Behinderung im Rahmen der Sozialhilfe keine e-Card gibt.
Für Mitarbeiter bedeutet das selbstbewusste Auftreten von Menschen mit Behinderung ein verändertes Berufsbild. Vom Betreuer zum Begleiter bzw. Assistenten.

Um Veränderungen herbeizuführen gilt es selbstbewusst aufzutreten und Forderungen zu vertreten. Die Einrichtung eines Ombudsmannes wird angestrebt.

Im Vorbereitungskomitee waren sowohl Menschen mit Behinderung als auch Assistenten vertreten. Auch die Moderation der Arbeitsgruppen und die Eröffnung des Kongresses erfolgten durch Menschen mit Behinderung.

Wir sind ein Stück gemeinsam gegangen und haben uns bestärkt: Im Auftreten, im Fordern und im Alltag. Um das Leben selbst zu bestimmen! Wir sind uns wichtig!

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Mag. Christoph Stieber Friederike Pospischil
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