Greenpeace: Aale in Europa voll mit gefährlichen Chemikalien

Umweltminister Josef Pröll muss Chemiegefahr stoppen

Wien (OTS) - Aale aus Europas Flüssen und Seen sind stark mit gefährlichen Chemikalien belastet. Diese schockierende Tatsache enthüllt ein neuer Greenpeace-Bericht mit dem Namen "In Chemikalien schwimmen", der dieses Woche europaweit veröffentlicht wird.

Die Studie an Aalen aus 20 Flüssen und Seen in zehn verschiedenen europäischen Ländern zeigt ihre weit verbreitete Belastung mit bromierten Flammschutzmitteln und PCBs (Polychlorierte Biphenyle). Greenpeace fordert, dass Österreich sich bei der entscheidenden Sitzung zur Reform der EU-Chemikalienpolitik am 28./ 29. November dafür einsetzt, dass gefährliche Stoffe verpflichtend durch weniger gefährliche ersetzt werden müssen.

In jeder Aalprobe wurde zumindest ein Flammschutzmittel nachgewiesen, Stoffe für die es weniger gefährliche Ersatzstoffe gäbe. Die höchste Konzentration wurde in Aalen aus der Themse festgestellt. Die PCB-Konzentrationen variierten stark zwischen den verschiedenen Proben. Erschreckend ist, dass obwohl PCBs seit 1977 nicht mehr produziert werden, sie immer noch in hohen Konzentrationen in den Aalen gefunden wurden. Die höchsten Werte wurden in einer Probe aus Hollandsdiep in den Niederlanden gemessen. Die geringste Belastung wiesen Aale aus West-Irland auf.

In Österreich wurden keine Aalproben genommen. Der Grund dafür ist, dass Aale in Österreich bereits auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten verzeichnet sind. Ein Trend der in ganz Europa zu beobachten ist. Die Bestandszahlen des europäischen Aales gehen stark zurück. Für einige europäische Gewässer wird geschätzt, dass nur noch ein Prozent der Jung-Aale zurückkehrt. Mögliche Gründe für diesen extremen Rückgang sind die Überfischung und der Verlust von natürlichen Gewässern. Auch der Klimawandel und eben gerade die Belastung mit sich anreichernden Chemikalien wie Flammschutzmitteln und PCBs sind weitere Ursachen. Diese Chemikalien werden extrem langsam abgebaut und reichern sich in der Umwelt an. Besonders fettlösliche Chemikalien wie Flammschutzmittel reichern sich stark in fettigen Fischen wie dem Aal an.

Bromierte Flammschutzmittel werden in Textilien, Plastik und Elektronik eingesetzt. Einige von ihnen stehen im Verdacht, bei Kindern, die als Ungeborene in der Gebärmutter mit diesen Chemikalien in Kontakt kommen, zu Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen zu führen , das Nervensystem und die Schilddrüse zu schädigen und die Leber anzugreifen. Eine mögliche Ursache dieser Auswirkungen könnte in der hormonellen Wirkung von Flammschutzmitteln liegen. Viele der jetzt in den Aalen nachgewiesen Flammschutzmittel werden europaweit nach wie vor eingesetzt, manche sind seit den 70-er Jahren verboten. PCBs sind bei chronischer Belastung giftig für Leber und Nieren. Einige PCBs haben sogar ähnliche Eigenschaften wie Dioxin und schädigen das Immunsystem ebenso wie die Fortpflanzung. Laut EU sind sie wahrscheinlich auch krebserregend.

Greenpeace Chemie-Expertin Nina Thüllen: "Die Verbreitung von Chemikalien, über die wir fast nichts wissen, muss endlich gestoppt werden. Noch schlimmer ist die unkontrollierte Freisetzung von Substanzen, von denen wir sogar wissen, dass sie schädlich auf Mensch und Umwelt wirken." Greenpeace fordert deshalb Umweltminister Josef Pröll auf, eine offizielle österreichische Position für eine starke europäische Chemikalienpolitik auf den Tisch zu legen. Pröll muss dafür sorgen, das Österreich sich für den verpflichtenden Ersatz gefährlicher durch ungefährliche Chemikalien stark macht. Außerdem muss er dafür eintreten, dass zukünftig alle Chemikalien auf ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit getestet werden müssen. Ende November wird sich der EU-Wettbewerbsrat treffen, um einen gemeinsamen Standpunkt zur neuen Chemikalienpolitikreform der EU zu beschließen. Österreich muss jetzt mit dafür sorgen, dass die Weichen für diesen Zug in die richtige Richtung gestellt werden.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri, Greenpeace Pressesprecher, tel. 0664-6126721.
Dipl. Biol. Nina Thüllen, Greenpeace-Chemiker, tel. 0664-5484553.

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