TAZ-Chefradakteurin Mika: Journalisten können nicht unpolitisch sein

Veranstaltung der Zukunftswerkstätte über Spielregeln der Medienlandschaft

Wien (SK) - "Journalisten können nicht unpolitisch sein, denn sie haben eine politische Aufgabe", machte die Chefredakteurin der deutschen Tageszeitung (TAZ), Bascha Mika, am Donnerstag bei einer Veranstaltung der SPÖ-Zukunftswerkstätte in Kooperation mit dem Friedrich Austerlitz Institut für JournalistInnenausbildung zum Thema "Geld, Macht, Meinung" aus der Reihe "journalist lectures", die sich mit den Spielregeln der Medienlandschaft beschäftigt, deutlich. Zum schlechten Ruf der Journalisten, sie seien unseriös, hätten diese selbst beigetragen, obwohl gerade sie von ihrer Glaubwürdigkeit lebten. Der Journalist befinde sich in einem Spannungsfeld zwischen Politik, Macht und Geld und werde oft von diesem korrumpiert, führte Mika aus. "Medien haben Macht und wer Macht hat, neigt dazu, diese zu missbrauchen", so die Chefredakteurin der TAZ. Letztlich seien es aber die Politiker, die die Entscheidung träfen - und eben nicht Talkshow-Moderatoren. Eine wirkliche Gefahr für die Demokratie sieht Mika nicht in den Talkshow-Formaten, in denen "politischer Inhalt durch Emotionalisierung ersetzt wird", denn "wenn ein mündiger Bürger über eine Regierung entscheiden kann, dann kann er auch mit den Medien umgehen." ****

Im ersten Teil ihres Referats ging Mika auf das stets wachsende Phänomen des "Infotainments", also der Verquickung von Journalismus und Unterhaltung, ein: "Die Realität des Politischen löst sich in Symbolbildern auf." Der vielfach geäußerte Vorwurf der Verflachung der politischen Berichterstattung beziehe sich in erster Linie auf die TV-Talkshows, "in denen sich Politik auf den Auftritt reduziert." Tatsächlich sei dieses Format sehr einflussreich geworden. Dem kann Mika aber auch Positives abgewinnen: "Selbst dieses Format hat eine große Chance, weil es Publikumsschichten anspricht, die sich normalerweise nicht für Politik interessieren."

Im Folgenden beschäftigte sich die TAZ-Chefredakteurin mit dem, was sie als "Ungleichzeitigkeit" bezeichnet: "Mangelnde Substanz von vielen Medienberichten, bedingt durch enorme Produktionsgeschwindigkeit." Durch die heutigen technischen Möglichkeiten müsse ein Redakteur die im Abstand von wenigen Sekunden eintreffenden Nachrichten bewerten und entscheiden, ob sie Platz in der Zeitung haben sollten oder nicht. Dabei sei Politik in Wirklichkeit eine komplizierte Angelegenheit: "Keiner entwirft ein solides Gesetz in zwei Tagen." Schuld an diesem Phänomen der Beschleunigung von Nachrichten seien Journalisten genauso wie Politiker. "Kombiniert mit dem Drang zur Unterhaltung bleibt bei diesem Zwang zur Schnelligkeit kaum etwas Substanzielles übrig", warnte die Journalisten.

Mika beleuchtete auch den "Machtjournalismus". Sie brachte die letzten deutschen Bundestagswahlen als Beispiel: "Die Medien hatten Rot-Grün schon beendet, bevor überhaupt noch Neuwahlen ausgerufen worden waren, anstatt das dem Wähler zu überlassen." Sie fand eine Erklärung dafür, warum die Demoskopen so falsch vor der Wahl gelegen waren: "Der Wähler konnte erst in der Anonymität der Wahlzelle zu seiner Überzeugung zurückfinden, nachdem ihm die Medien ständig eingeredet hatten, dass man mehr Markt und weniger Sozialstaat benötigt." Am Ende sei der deutsche Bürger eben doch nicht das dumme Stimmvieh, zu dem ihn die Medienmacher, die beinahe ausnahmslos eine Kampagne gegen Rot-Grün verfolgt hatten, gerne gemacht hätten. (schluss) re

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