Für eine faire neue Welt bei Eduscho/Tchibo!

Unterschriftenübergabe an Eduscho/Tchibo und Podiumsdiskussion

Wien (GMT/ÖGB) - Bereits im April startete die Clean Clothes-Kampagne (CCK), unterstützt von der Gewerkschaft Metall-Textil (GMT) und anderen Organisationen, eine Aktion für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion von Tchibo/Eduscho. Im Rahmen dieser Aktion sammelte die CCK Unterschriften von über 5000 KonsumentInnen, die bessere Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben von Tchibo fordern. Die Unterschriften wurden gestern, 28.10.2005, an Tchibo/Eduscho Österreich übergeben. Am Nachmittag fand eine spannende Podiumsdiskussion mit den Betroffenen aus Bangladesh statt.++++

Die CCK sammelte allein in Österreich über 5000 Unterschriften von KonsumentInnen, die damit ihre Unterstützung der Forderungen der Gewerkschaft "National Garments Workers Federation" (NGWF) und Clean Clothes an Tchibo bekundeten. Unter anderem wird von Tchibo die Übernahme des Clean Clothes-Verhaltenskodex und die Kontrolle der Einhaltung dieses Kodex verlangt. Gemeinsam mit der ehemaligen Näherin Rina Begum und der Gewerkschaftsvorsitzenden Shahida Sarkar aus Bangladesch übergaben die CCK und die GMT die gesammelten Unterschriften an Tchibo/Eduscho Österreich. Ein Vertreter der Geschäftsführung des Unternehmens stand leider nicht zur Verfügung (siehe dazu OTS0178 vom 28. 10.).

Verhaltenskodex versus Wirklichkeit

Am Nachmittag fand zum Thema Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsrechte in der Textil- und Bekleidungsindustrie eine Podiumsdiskussion in der GMT statt. Rina Begum (34) und Shahida Sarkar (35) informierten über die schockierenden Arbeitsbedingungen sowie Arbeitrechts- und Gewerkschaftsrechtsverletzungen in einem Zulieferbetrieb des Großkonzerns Tchibo. Nachdem Rina Begum 2004 gegen Lohnkürzungen protestiert hatte, verbrachte sie neun Tage in Haft und wurde anschließend fristlos entlassen. Shahida Sarkar ist seit Februar 2005 Vorsitzende der NGWF. Die Gewerkschaft wurde 1984 gegründet und setzt sich seit dem für die Rechte der vornehmlich weiblichen Textilarbeiterinnen ein.

Die Darstellungen der beiden Frauen warfen ein neues Licht auf den Widerspruch zwischen dem Tchibo-Verhaltenskodex und die Realität bei Basic Apparels in Bangladesch. Shahida Sarkar berichtete, dass die Regierung einen Mindestlohn von etwa 13 Euro pro Monat festgelegt hat, dieser jedoch nicht zum Überleben ausreicht. Die NGWF fordert das Doppelte des Mindestlohnes.
In Bezug auf die Arbeitszeiten erzählte Rina Begum: "Ich musste häufig 5 Überstunden pro Tag und in Stoßzeiten 10 Überstunden, also Nachtarbeit, machen. So kam ich auf über 100 Stunden pro Woche! Einen freien Tag gab es in der Woche nicht!" Auch Strafen seien in der Fabrik üblich, die Verspätung um eine Minute hatte den Abzug eines Tageslohnes zur Folge. Auch Missachtung, Beschimpfungen, Schläge und sexuelle Belästigungen sind an der Tagesordnung.

Eine Organisation der ArbeiterInnen in Gewerkschaften ist verboten. Shahida Sarkar berichtet von 230 Arbeiterinnen, die entlassen wurden, weil sie sich gewerkschaftlich betätigt hatten. "Es ist sehr schwierig, sich zu organisieren und Frauen dafür zu gewinnen, sich gegen die schlechten Arbeitsverhältnisse zu wehren. Die NäherInnen leben in dem ständigen Dilemma, dass sie den Lohn benötigen, um sich und ihre Familien zu ernähren, aber zugleich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen", erläuterte Sarkar. Dass diese Arbeitsbedingungen auch Auswirkungen auf Österreich haben, erklärte Gabi Proschofski, Betriebsratsvorsitzende von Schneiders:
"Billigprodukte und unzureichende Verhaltenskodices verstärken den Druck auf die Arbeitsbedingungen in Österreich enorm, vor allem in der Textilindustrie. Das spüren wir täglich."

Internationaler Zusammenhalt nötig

Karl Haas, Zentralsekretär der GMT, hob daher die Wichtigkeit von Gewerkschaften und der internationalen CCK hervor, um die Durch- und Umsetzung von internationalen arbeitsrechtlichen Mindeststandards zu erreichen: "Der Globalisierung nach Art der Konzerne können wir nur eines entgegen setzen: Unseren unbedingten internationalen Zusammenhalt. Für die Zukunft wünsche ich uns allen gemeinsam viel Kraft für unseren gemeinsamen Kampf für eine neue, faire Welt!"

Trotz der heutigen Abfuhr durch Tchibo/Eduscho Österreich gibt sich Stefan Kerl, Koordinator der CCK, optimistisch: "Auch wenn wir heute bei Eduscho Österreich nur bis zum Empfang vordringen konnten, zeigen die Zugeständnisse der letzten Monate, dass Tchibo/Eduscho die Forderungen tausender KonsumentInnen nicht ignorieren kann. Wir werden unsere Kampagne fortsetzen bis Tchibo wirklich faire Arbeitsbedingungen in seinen Zulieferbetrieben durchsetzt. Das sind wir Rina und tausenden anderen NäherInnen schuldig!" Rina Begum bekräftigte die Wichtigkeit dieser Kampagne: "Nur durch den anhaltenden Druck der KonsumentInnen können die Arbeitsbedingungen in Bangladesch verbessert werden!"

Nähere Infos, Protestmail und Fotos unter: www.cleanclothes.at

ÖGB, 29. Oktober
2005
Nr. 603

Rückfragen & Kontakt:

Stefan Kerl, Clean Clothes-Kampagne
Südwind Agentur
Tel. (01) 405 55 15 - 306
Mobil: 0699 / 100 400 79
E-Mail: stefan.kerl@oneworld.at
www.cleanclothes.at

Nani Kauer, Gewerkschaft Metall - Textil
Tel. (01) 501 46 242
E-Mail: nani.kauer@metaller.at
www.metaller.at

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