- 29.10.2005, 10:00:00
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Für eine faire neue Welt bei Eduscho/Tchibo!
Unterschriftenübergabe an Eduscho/Tchibo und Podiumsdiskussion
Wien (GMT/ÖGB) - Bereits im April startete die Clean
Clothes-Kampagne (CCK), unterstützt von der Gewerkschaft
Metall-Textil (GMT) und anderen Organisationen, eine Aktion für faire
Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion von
Tchibo/Eduscho. Im Rahmen dieser Aktion sammelte die CCK
Unterschriften von über 5000 KonsumentInnen, die bessere
Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben von Tchibo fordern. Die
Unterschriften wurden gestern, 28.10.2005, an Tchibo/Eduscho
Österreich übergeben. Am Nachmittag fand eine spannende
Podiumsdiskussion mit den Betroffenen aus Bangladesh statt.++++
Die CCK sammelte allein in Österreich über 5000 Unterschriften von
KonsumentInnen, die damit ihre Unterstützung der Forderungen der
Gewerkschaft "National Garments Workers Federation" (NGWF) und Clean
Clothes an Tchibo bekundeten. Unter anderem wird von Tchibo die
Übernahme des Clean Clothes-Verhaltenskodex und die Kontrolle der
Einhaltung dieses Kodex verlangt. Gemeinsam mit der ehemaligen
Näherin Rina Begum und der Gewerkschaftsvorsitzenden Shahida Sarkar
aus Bangladesch übergaben die CCK und die GMT die gesammelten
Unterschriften an Tchibo/Eduscho Österreich. Ein Vertreter der
Geschäftsführung des Unternehmens stand leider nicht zur Verfügung
(siehe dazu OTS0178 vom 28. 10.).
Verhaltenskodex versus Wirklichkeit
Am Nachmittag fand zum Thema Arbeitsbedingungen und
Gewerkschaftsrechte in der Textil- und Bekleidungsindustrie eine
Podiumsdiskussion in der GMT statt. Rina Begum (34) und Shahida
Sarkar (35) informierten über die schockierenden Arbeitsbedingungen
sowie Arbeitrechts- und Gewerkschaftsrechtsverletzungen in einem
Zulieferbetrieb des Großkonzerns Tchibo. Nachdem Rina Begum 2004
gegen Lohnkürzungen protestiert hatte, verbrachte sie neun Tage in
Haft und wurde anschließend fristlos entlassen. Shahida Sarkar ist
seit Februar 2005 Vorsitzende der NGWF. Die Gewerkschaft wurde 1984
gegründet und setzt sich seit dem für die Rechte der vornehmlich
weiblichen Textilarbeiterinnen ein.
Die Darstellungen der beiden Frauen warfen ein neues Licht auf
den Widerspruch zwischen dem Tchibo-Verhaltenskodex und die Realität
bei Basic Apparels in Bangladesch. Shahida Sarkar berichtete, dass
die Regierung einen Mindestlohn von etwa 13 Euro pro Monat festgelegt
hat, dieser jedoch nicht zum Überleben ausreicht. Die NGWF fordert
das Doppelte des Mindestlohnes.
In Bezug auf die Arbeitszeiten erzählte Rina Begum: "Ich musste
häufig 5 Überstunden pro Tag und in Stoßzeiten 10 Überstunden, also
Nachtarbeit, machen. So kam ich auf über 100 Stunden pro Woche! Einen
freien Tag gab es in der Woche nicht!" Auch Strafen seien in der
Fabrik üblich, die Verspätung um eine Minute hatte den Abzug eines
Tageslohnes zur Folge. Auch Missachtung, Beschimpfungen, Schläge und
sexuelle Belästigungen sind an der Tagesordnung.
Eine Organisation der ArbeiterInnen in Gewerkschaften ist
verboten. Shahida Sarkar berichtet von 230 Arbeiterinnen, die
entlassen wurden, weil sie sich gewerkschaftlich betätigt hatten. "Es
ist sehr schwierig, sich zu organisieren und Frauen dafür zu
gewinnen, sich gegen die schlechten Arbeitsverhältnisse zu wehren.
Die NäherInnen leben in dem ständigen Dilemma, dass sie den Lohn
benötigen, um sich und ihre Familien zu ernähren, aber zugleich ihre
Gesundheit aufs Spiel setzen", erläuterte Sarkar. Dass diese
Arbeitsbedingungen auch Auswirkungen auf Österreich haben, erklärte
Gabi Proschofski, Betriebsratsvorsitzende von Schneiders:
"Billigprodukte und unzureichende Verhaltenskodices verstärken den
Druck auf die Arbeitsbedingungen in Österreich enorm, vor allem in
der Textilindustrie. Das spüren wir täglich."
Internationaler Zusammenhalt nötig
Karl Haas, Zentralsekretär der GMT, hob daher die Wichtigkeit von
Gewerkschaften und der internationalen CCK hervor, um die Durch- und
Umsetzung von internationalen arbeitsrechtlichen Mindeststandards zu
erreichen: "Der Globalisierung nach Art der Konzerne können wir nur
eines entgegen setzen: Unseren unbedingten internationalen
Zusammenhalt. Für die Zukunft wünsche ich uns allen gemeinsam viel
Kraft für unseren gemeinsamen Kampf für eine neue, faire Welt!"
Trotz der heutigen Abfuhr durch Tchibo/Eduscho Österreich gibt
sich Stefan Kerl, Koordinator der CCK, optimistisch: "Auch wenn wir
heute bei Eduscho Österreich nur bis zum Empfang vordringen konnten,
zeigen die Zugeständnisse der letzten Monate, dass Tchibo/Eduscho die
Forderungen tausender KonsumentInnen nicht ignorieren kann. Wir
werden unsere Kampagne fortsetzen bis Tchibo wirklich faire
Arbeitsbedingungen in seinen Zulieferbetrieben durchsetzt. Das sind
wir Rina und tausenden anderen NäherInnen schuldig!" Rina Begum
bekräftigte die Wichtigkeit dieser Kampagne: "Nur durch den
anhaltenden Druck der KonsumentInnen können die Arbeitsbedingungen in
Bangladesch verbessert werden!"
Nähere Infos, Protestmail und Fotos unter: www.cleanclothes.at
ÖGB, 29. Oktober
2005
Nr. 603
Rückfragehinweis:
Stefan Kerl, Clean Clothes-Kampagne Südwind Agentur Tel. (01) 405 55 15 - 306 Mobil: 0699 / 100 400 79 E-Mail: stefan.kerl@oneworld.at www.cleanclothes.at Nani Kauer, Gewerkschaft Metall - Textil Tel. (01) 501 46 242 E-Mail: nani.kauer@metaller.at www.metaller.at
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